Der „Zigeunersaucenaufstand.“

Die Firma Knorr, die zum Unileverkonzern gehört, hat sich entschieden Zigeunersauce umzubenennen.
Man tut dies, da man der Meinung ist, nach den aktuellen Debatten, dass der Name negativ interpretiert werden könnte. Die Begründung ist damit eine ökonomische, da sie der Werbelogik folgt. Dies sollte man verinnerlichen. Die Entscheidung wird also nicht im Hinblick auf die Interessen der Sinti und Roma begründet.

Sofort zieht ein kleiner Shitstorm in den sozialen Netzwerken auf. Besorgt fragen ausgerechnet Politiker*innen, ob es denn nichts wichtigeres gebe, man fühlt sich gegängelt, gar der Untergang des Abendlandes zieht auf.

Man fühlt sich von einer „unsichtbaren Gesinnungspolizei gegängelt“. Trotzig, auf dem Niveau von Kleinkindern, kündigen Nutzer der Netzwerke an, trotzdem weiter Zigeunersauce zu sagen.

Ein FDP Mitglied, empfiehlt zum Konkurrenzprodukt zu greifen und so weiter uns so fort.

Alles in allem ein sattsam bekannter Aufstand deutscher Peinlichkeiten.

Sprache beeinflusst Denken.

Die Sprache beeinflusst unser Denken. In der Bezeichnung als „Zigeunersauce“ werden Stereotypen verwendet, wie feurig und leidenschaftlich mit der auch die Fremdbezeichnung der Sinti und Roma als „Zigeuner“ weiter geführt wird.

Diese Stereotype, gerade da sie uns eher unterbewusst begegnen, prägen aber unser Denken und unsere Annahmen Sinti und Roma gegenüber.

Es gibt daher eine Reihe von guten Gründen, die Sauce umzubenennen.

Wir stellen uns vor, was passieren würde, in England oder den USA würde eine „Kraut Sauce“ verkauft werden, die eigentlich eine deutsche Sauce ist aber auf die Stereotype abstellt, dass aus Sicht von Amerikanern und Engländern vor allen Dingen Sauerkraut in Deutschland gegessen wird. Die Bezeichnung als „Krauts“ hat dabei auch etwas abwertendes.

Wie also würden dann diejenigen, die sich jetzt so darüber aufregen, diese Debatte empfinden?

Eine freilich rein hypothetische Frage, die sich die Hüter der politischen Inkorrektheit nicht stellen werden.

Auch Knorr hat sich diese Frage nicht gestellt und die Umbenennung mit Marketingüberlegungen begründet und nicht mit solchen Überlegungen.

Hysterie.

Damit wird übrigens auch deutlich, warum es den Aufstand gibt. Man fühlt sich gegängelt und zwar unabhängig von den Hintergründen und mit der Kritik an solchen Umbenennungen kann man likes produzieren.

Seht her, schreiben die aufrechten Verfechter der Meinungsfreiheit, die an dieser Stelle nicht tangiert ist, man muss die Freiheit auch darin verteidigen, dass man diskriminierende Beschreibungen weiter verwenden darf.

Oder erinnert sich jemand an den Aufstand als „Raider“ in „Twix“ umbenannt wurde? Nein? Ich auch nicht.

War ja auch allein eine Marketingentscheidung. Gibt es kein Protestpotential, dass man wecken könnte um sich zu profilieren.

Man möchte den Besitzstandswahrern der deutschen Sprache gern ins Muttiheft schreiben, dass auch Sprache etwas dynamisches ist und sich weiterentwickelt, genau wie unsere Gesellschaft .

Man möchte ergänzen, dass es wichtig bleibt sich selbst, seine Umgebebung und Sprache immer wieder aufs Neue zu reflektieren weil nur so weil es nur eine Weiterentwicklung geben kann.

Und das in der konkreten Abwägung zwischen der Bezeichnung einer Sauce und einer Volksgruppe, das Leitmotiv ein respektvolles Zusammenleben sein sollte und nicht das Festhalten an überkommenen Stereotypen.

Was wichtiger wäre.

Oft genug wird gefragt,ob es nichts wichtigeres gebe. Kurioserweise wird die Frage immer von denjenigen aufgeworfen, die sich über bestimmte Sachen erregen, diese Erregung lauthals kundtun und damit deutlich machen, dass es offenbar für sie selbst gerade nichts wichtigeres gebe als sich über vemeintlich unwichtige Sachen zu echauffieren. Man nennt dieses Phänomen auch kognitive Dissonanz.

Wichtig wäre zum Beispiel sich Gedanken zu machen, wie wir ohne Diskriminierung und Voruteile miteinander umgehen und Zusammenleben können. Also Teilhabe für Alle zu schaffen, so als Denkanstoß.

Aber konkrete Lösungen auf komplexe Probleme bringen jedenfalls weniger Likes bzw. brauchen mehr Gehirnschmalz und das ist offenbar rar.

Es gibt übrigens ein ganz hervorragendes Rezept für einen deutschen Kartoffelauflauf mit Sauerkraut. Könnte mir als Name gut „Kartoffelkrauts“ vorstellen. Nur so von den Likes her.

Und „Kartoffelkrauts“ wäre doch auch ein wirklich sehr schöner Name.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

2 Kommentare zu „Der „Zigeunersaucenaufstand.““

  1. Mit Logik haben Sie es nicht so, Herr Kasek, oder?

    Wann dürfen wir also mit einer ebenso „logischen“ Begründung für die Umbenennung von „Berlinern“, Frankfurtern“, „Wienern“, „Amerikanern“ usw. rechnen, weil sich die Bevölkerungsgruppen durch Stereotype wie „zuckersüß“, „würzig“, „salzig“ gestört fühlen?

    Mit „Jürgen Kasek“ verbinde ich übrigens aufgrund Ihrer selbst ins Netz gestellten Fotos einen trotzigen kleinen Jungen, der sich vermummt und mit Baseballschläger selbst zum Deppen macht.

    Ich liebe Stereotype ungemein und verachte Typen wie Sie, die sich als Gesinnungswächter aufführen

    That’s life! :-*

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  2. Also, lieber Fidel,
    Castro schreibt man mit „C“aber das weißt Du sicher aber Du willst nicht mit Deinem Name im Netz erscheinen.
    Sehr mutig, aber die AFD-Nähe ist ja erkennbar- reicht.

    Ich bin gewiß kein Verfechter der „political correctness“ aber man muß nicht in jeder Korrektur in der Sprache oder bei Begriffen, Namen usw. den Untergang der „völkischen Rasse“ oder gar des „Volkes“ sehen oder vermuten.

    Die Umbenennung tut niemandem weh, es gibt genügend Alternativen dazu, auch wenn der Begriff Zigeuner eine Zusammenfassung der ehemals Nomadenstämme darstellt. Wissenschaftlich verwendet ist das ok, umgangssprachlich bedeutet es jedenfalls eine rassistische Diskriminierung. Der Name eines Produktes ist jedenfalls als umgangssprachlich einzuordnen.

    Ich hoffe Dich bis hierher nicht überfordert zu haben.

    Den Autor des Blogs als „kleinen Jungen mit Baseballschläger“ zu bezeichnen zeigt dass Du seine Beiträge häufig gelesen und auch darüber nachgedacht hast – es hat nur nicht geholfen.

    Na ja, vielleicht weist Dir ja der Hr. Meuthen zukünftig den Weg, oder bist Du eher auf der Linie eines Hr. Kalbitz?

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