Gleiche Standards? Cat Calling, Erregung öffentlichen Ärgernisses und Co



Es ist Sommer. Es ist warm und das Thema ist vielleicht gar nicht so wichtig und vielleicht aber doch.

Die Menschen drängt es danach im Sommer möglichst wenig zu tragen, was aus Gründen der Temperatur durchaus Sinn macht. Allerdings wird dies dann doch unterschiedlich beurteilt.

Während nackte Männeroberkörper akzeptiert sind und es scheinbar normal ist, dass Männer, wenn ihnen zu warm ist, ihren Oberkörper zeigen können, gilt dies bei Frauen als Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Nackte Frauenoberkörper in der Öffentlichkeit sind eine Ordnungswidrigkeit. Klingt komisch ist aber so. Und in vielen Badeanstalten gelten dann in der Badeordnung entsprechende Regelungen. Die Frau hat sich zu verhüllen.

Man möge mir als weißen Cis- Mann, bitte die Gründe für diese Differenzierung darlegen.

Die Debatte bekam Bewegung nachdem in einem Berliner Schwimmbad eine als weiblich gelesene Person sich oben ohne sonnte und in Folge des Schwimmbades verwiesen wurde.

In mehreren deutschen Städten gibt es inzwischen Initiativen, die darauf abzielen dies zu ändern. Die Taz hatte darüber berichtet, ich hatte den Taz Artikel auf Twitter geteilt und es folgten Kommentare.

Und zwar durch die Bank von Männern, mit teils harsch ablehnenden bis hin zu misogynen Kommentaren.

Entweder alle Menschen sind dem Grunde nach gleich und es gelten die gleichen Regelungen, Art. 3 GG legt das nahe, oder nicht. Der weibliche Körper wird deutlich stärker sexualisiert und damit zum Objekt männlicher Begierde gemacht und dieser Umstand besteht fort.

In der achso aufgeklärten Gesellschaft, in der die Vergewaltigung in einer Ehe gerade einmal seit 25 Jahren strafbar ist, gelten nach wie vor unterschiedliche Maßstäbe. Das ist ein Fakt.

Vor einem Jahr hatte ich mit einer Initiative gesprochen, die berichtet hatte, dass es auch an den Badeseen in Leipzig immer wieder zu übergriffigen Verhalten von Männern gegenüber Frauen kommt.

Angefangen bei Sprüchen (Cat-Calling) bis dahin, dass Mann sich demonstrativ, obwohl ausreichend Platz ist, sein Handtuch direkt neben eine Frau legt und weiteres.

Wir hatten überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Strandabschnitt zu schaffen als Schutzraum, also dort wo Cis- Männer keinen Zutritt haben.

Aber das greift zu kurz. Es geht nicht darum besondere Schutzräume zu schaffen sondern sexistisches Verhalten konsequent zu beenden und dem entgegen zu treten.

Diese Gesellschaft möchte gern aufgeklärt sein. Sie ist es bei weitem nicht. Es ist immer noch eine patriarchale Gesellschaft, mit unterschiedlichen Maßstäben und Standards. Es ist immer noch eine Gesellschaft, in der Frauen ungleich behandelt werden, weniger verdienen, stärker sexualisiert werden und weiteres.

Und weil Sommer ist und viele Menschen aufgrund der Temperaturen wenig tragen, sollte man genau daran erinnen und auch als Mann konsequent sexistischen Verhalten wie dummen Sprüchen, übergriffen Verhalten entgegentreten.

Ich für meinen Teil finde, dass wenn Männer oben ohne in ein Schwimmbad gehen dürfen sollten die andere Personen auch dürfen.

Ich finde, dass es ausreichend Grund gibt, sexistischem und diskriminierenden Verhalten entgegen zu treten.

Dies führt im Ernstfall auch dazu, dass wenn ich Nachts unterwegs bin und mir auf der Straße eine einzelne Frau entgegenkommt, ich ggf. die Straßenseite wechsele um offensiv deutlich zu machen, dass ich keine Gefahr oder Bedrohung darstelle.

Auch das mag komisch klingen. Für viele Frauen ist es aber Realität, dass sofern sie Nachts alleine unterwegs sind entgegenkommende Männer als potentielle Bedrohung wahrnehmen. Auch über diesen Umstand sollte und darf man sich Gedanken machen.

Bilanz des Schreckens – endloser Sommer, endlose Wüste

In den sozialen Netzwerken häufen sich wieder die Einträge, die sich mit dem Thema Wetter beschäftigen. Insbesondere mit der aktuellen Hitzewelle. So schön wie viele die aktuelle Wärme oder Sonnenstunden auch empfinden, so befremdlich ist es auch. Der Mensch, vergisst leider schnell und passt sich an (Konzept der shifting baselines, nach Welzer).

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