Die eigenen Grenzen – Leitsätze



Nur weil ich etwas nicht gesehen habe, heißt das nicht, dass es nicht doch stattgefunden haben kann.

Aussagen kann ich nur über die eigene Wahrnehmung machen. Die eigene Wahrnehmung kann aber keinen allgemeinen Wahrheitsanspruch entfalten.

Nur weil ich nicht an etwas glaube, heißt das nicht das es nicht doch existieren kann.

Nur weil ich von meiner Meinung überzeugt bin, heißt das nicht, dass etwas anderes nicht auch richtig sein kann, insbesondere deswegen weil ich vielleicht in meiner Meinungsbildung und bei meinen gefundenen Argumenten etwas übersehen habe.

Stärke ist daher nicht verbittert darum zu kämpfen am Ende Recht zu behalten, sondern zu jedem Zeitpunkt die eigenen Argumente und gefundenen Meinungen kritisch zu hinterfragen.

Seine Meinung zu ändern ist daher nichts zwangsläufig wankelmütig sondern, je nach Lage, auch Zeichen der eigenen . Reflektionsbereitschaft. Nur wer seine eigene Meinung als absolut setzt, Argumente ausklammert, kann nicht reflektieren und nicht diskutieren.

Diskussionsbereitschaft setzt voraus andere Argumente zuzulassen und eigene Argumente zu hinterfragen. Es geht dabei nicht um Recht haben sondern um Distinktionsgewinn.

Es kann sein, dass ich etwas nicht mitbekommen habe. Es kann auch sein, dass ich beim nächsten mal in einer vergleichbaren Situation etwas übersehen habe oder zu einer anderen Einschätzung komme aber spätestens dann wenn mich andere darauf ansprechen, kann ich nicht mehr sagen, dass ich es nicht gewusst habe.

Das „nicht gewusst haben“ wollen ist eine der häufigsten Ausreden, die man hören kann weil es auch kaum zu belegen ist, wann jemand etwas genau mitbekommen hat.

Als Mensch in einer Gesellschaft trage ich nicht nur Verantwortung für mich sondern in der Folge auch für die Gesellschaft. Auch in der Zeit des Hyperindividualismus.

Mensch sein heißt zu zweifeln, heißt zu hinterfragen, heißt auch zu reflektieren und bedeutet am Ende auch Mensch zu bleiben.

Das ist im übrigen auch einer der Dinge, an die ich mich selbst immer wieder erinnern muss, wenn Gefühle überhand gewinnen und in der ersten Erregung, Wut statt Reflektion dominiert.

Gefühle sind wichtig. Aber es gibt eine Realität jenseits der eigenen Befindlichkeit und Wahrnehmung.