Wildvogelhilfe Leipzig – ehrenamtliche Naturschutzarbeit

Ein stiller Sommer.
Vögel sind bedroht. Der dramatische Rückgang der Biomasse von Insekten, der Verlust von Lebensräumen und Gefahren durch Menschen bedrohen Vögel.
In Leipzig kümmert sich die Wildvogelhilfe Leipzig um verletzte Tiere.
Bis zu 100 Anrufe kommen jeden Tag. Das kleine ehrenamtliche Team um Karsten vom NABU-Regionalverband Leipzig kann nur 30 am Tag bearbeiten.
60 Prozent der Verletzungen gehen dabei auf den Menschen zurück.
Häufigste Ursache: Scheiben, gefolgt von Hauskatzen.
Aktuell werden unter anderen Rauch- und Mehlschwalben betreut, Pirole, Mauersegler, Meisen, Buchfinken. Mehr als 30 Tiere.

Unterstützung erfahren Sie auch durch die Naturwacht.
Alles ehrenamtliche Arbeit, die komplett durch Spenden finanziert wird. Wir brauchen Hilfe.
Helft mit, rettet die Natur und unterstützt die Wildvogelhilfe.

Die Wildvogelhilfe finanziert die Arbeit zur Tierrettung sowie Futter und Material ausschließlich aus Spenden und freut sich über jede Hilfe!
Verwendungszweck: Wildvogelhilfe
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Herzlichen Dank allen Unterstützern!
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„Hasstiraden gegen Autofahrer“ – ein Leserbrief zum Parkchaos in Leipzig



In einem Leserbrief an die LVZ Leipziger Volkszeitung hatte eine Bürgerin unter der markigen Überschrift „Hasstiraden gegen Autofahrer“ ihren Unmut Luft gemacht. Hintergrund war unser Vorschlag, dass Ordnungsamt neu aufzustellen um die mehr als 1000 täglichen Parkverstöße in der Stadt und damit das Parken von Fahrzeugen auf dem Geh- und Radweg, sowie inzwischen auch in Grünanlagen stärker zu unterbinden.

Das Problem besteht halt darin, dass die meisten Städte in einer Zeit gebaut wurden, wo es noch keine Idee von Autos gab und damit in der Folge festzustellen ist, dass der Platz im öffentlichen Raum in den meisten Städten nicht ausreicht damit alle Menschen, die ein privates KfZ ihr eigen nennen, dies auch direkt vor der Tür abstellen können. Zumal dies auch nicht zielführend ist.

1969 hatte das Bundesverwaltungsgericht geurteilt, dass das Parken von KfZ im öffentlichen Straßenraum vom Recht auf Allgemeingebraucht erfasst sei. Allerdings gibt es keinen Anspruch darauf sein Auto wohnortnah abstellen zu können, auch wenn das einige Bürger mutmaßen und sich ungerecht behandelt fühlen, wenn sie ihr Auto auf dem Fußweg abstellen, damit das durchkommen für die bereits an den Rand gedrängten Fußgänger*innen erschweren und sich dann darüber aufregen, dass es einen Strafzettel gibt.

Die Bürgerin schrieb jedenfalls weiter, dass Stadträt*innen bestimmt sichere Stellplätze für ihre Dienst PKWs hätten und ich doch nach der Arbeit versuchen soll einen Stellplatz zu finden.

Schließlich müsse man die Hasstiraden gegen Autofahrer unterbinden und endlich gegen die vielen Verkehrsverstöße der Fahrradfahrer vorgehen.

Diese Argumentation ist genauso sinnreich wenn über das Problem Rechtsextremismus geredet wird dann zu sagen aber die Linken. Aber auch das begreifen ja viele Mitbürger*innen nicht. Es ist offenbar ein weit verbreitetes Problem, dass man von anderen eigenen Fehler oder Problemen ablenkt indem man geschickt einfügt: „Aber die…“ und eine beliebige Gruppe mit einem ganz anderen Problem als Sündenböcke adressiert.

Verantwortung für das eigene Handeln oder Nichthandeln zu übernehmen ist halt manchmal schwer.

Ich hätte der Bürgerin mit ihren „berechtigten Sorgen und Nöten“; die ich „ernstnehmen muss“ gern geschrieben, mit einem schelmischen Lachen und leichten Unterton während ich meinen Soja Latte Macciato in der Hand schaukle“ Ich habe gar kein Auto“, aber dazu kam es nicht.

Bekanntermaßen bekommen Stadträt*innen in Leipzig neben ihrem fürstlichen Gehalt in Höhe eine Dreiviertelmellone eine private Seilbahn oder ein Flugtaxi spendiert und haben gar kein Dienst PKW. Sogar die Stadtverwaltung hat ihre Flotte deutlich verkleinert und setzt eher auf Car- Sharing weil damit Autos und somit Platz und auch Geld gespart werden kann.

Deswegen kann ich übrigens auch Nachts keinen Parkplatz suchen aber der Sinn erschließt sich nicht. Also könnte ich schon und dort meinen Drahtesel rotzfrech in eine Parklücke stellen, was ich rein rechtlich dürfte, allerdings zum nächsten Aufstand von Autofahrer*innen führen dürfte, wie es sein kann, dass ihr wertvoller Parkplatz jetzt auch noch zweckentfremdet wird und wie es sein kann, dass sich ein Stadtrat lustig macht.

Und ja als alleinerziehender Vater einer minderjährigen Tochter, koordiniere ich Schulweg, einkaufen und Arbeit mit einem Fahrrad. Krass, oder? Geht. Geht wirklich.
Man kann auch ohne Auto leben. Wobei ich niemanden vorschreiben will wie er/sie/ es zu leben hat und nur meine, dass mich das Anspruchsdenken nervt.

Ich habe auch kein Hass auf Autofahrer oder auf Autos. Das kann ich wie folgt begründen: Ich kenne Menschen, die Autos haben aber….

Gehen wir es doch entspannt an. Bauen wir eine Mobilität, in der kein Mensch mehr zwingend auf das Auto angewiesen sein muss sondern eine echte Wahl hat. Entlasten wir den öffentlichen Raum von den unzähligen Fahrzeugen und Verkehr und erleben wir eine Aufwertung des öffentlichen Raums, Straßen auf denen Menschen sich begegnen können, Straßen in denen auch Kinder gefahrlos laufen können.

Es hätte so viele Vorteile. Und nein ich hasse Autos nicht. Wirklich nicht.
Und nein mit seinem Auto zur Arbeit zu fahren ist trotzdem kein Wirtschaftsverkehr und es gibt zwar Schlaglöcher in der Stadt aber dafür brauch ich trotzdem keinen Offroad Jeep und ja es gibt auch Kriminalität, die aber trotzdem kein super gepanzertes megafettes SUV/ Hummer Dingsbums rechtfertigt.

Autos gehören nicht auf Fuß- und Radwege und auch nicht in Grünanlagen. Und wenn ihr euch ein Auto anschafft wäre es vielleicht dann auch sinnvoll sich zu überlegen, wo man sein privates Eigentum eigentlich hinstellen will.

Und im Übrigen: Hass ist immer Mist.

Fahrrad fahren in der Stadt ein schwieriges Thema.

Fahrrad fahren.

Fahrrad fahren in Leipzig ist eine Grenzerfahrung und zwar in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist da die Stadt der Diebe. Fahrräder werden geklaut und dann halt auch mal durch die Polizei verhehlt, Leipzig Insider wissen was gemeint ist.

Trotz der Idee Fahrräder codieren zu lassen oder mit Schlössern auszurüsten, die Signale an ihre Besitzer senden, wenn sie widerrechtlich geöffnet werden, ist die Erfolgsquote gering. Selten bekommt man sein Fahrrad wieder. Eine Fahrradversicherung ist meist teuer und spätestens nach dem 2 geklauten Fahrrad ohnehin passe.

Es gibt die Gelegenheitsdiebe, die schlecht gesicherte Räder sich quasi „ausborgen“. Dann gibt es die Beschaffungskriminalität, wo Räder entwendet, auseinandergebaut und weiterverkauft werden und die Banden, die quasi mit Lieferwagen des Nachts unzureichend gesicherte Räder mit Schloss einladen, in Hinterhöfen und Garagen knacken und dann per LKW weiterverkaufen, meist Richtung Osten.

Hin und wieder landet dann so eine Lieferung auch mal bei der Polizei und dann ja, ähm, siehe oben.

Wer ein Fahrrad sein eigen nennt und noch nicht bestohlen wurde, ist in Leipzig noch nicht angekommen, sagt man.
Freund:innen wurden sogar aufwändig angefertigte Einzelräder, die angeschlossen im abgeschlossenen Kellerabteil standen aus diesem entwendet.

Seit dem ich hier lebe: Bin ich 5 Fahrräder los geworden.
1 X Raub, sehr unangenehm.
1 x Einbruch in den Keller
1 x aus dem Hausflur, gut das Haus lag direkt neben dem Gefängnis.
1 x mal nach einem Unfall, das Rad war halt dann einfach weg.
1 x mal aus dem Hof des Wohnhauses. Immerhin der Kindersitz wurde mir gelassen.

2 mal wurde zudem der Sattel geklaut, wobei in einem Fall, dann ein anderer Sattel mit Stange, die allerdings nicht passte zurückgelassen wurde. WTF? WTF!

Nicht selten bin ich Morgens schweißgebadet aufgewacht, wissend, dass ich vergaß das Rad mindestens mal im Hausflur anzuschließen. Noch im halboffenen Bademantel mehrere Stufen auf einmal nehmend, die Treppe herunterhastend um dann doch mit einem tiefen Seufzer festzustellen, dass mein treuer Gefährte, nicht in die freie Wildbahn entlaufen ist.

Neben den Gefahren des Diebstahls, die man etwas senken kann, indem man sein Fahrrad immer an etwas anschließt und Nachts nicht draußen stehen lässt, lauern die Gefahren des Straßenverkehrs.

Zum einen der Kampf aller gegen Alle und zum anderen Straßen, die liebevoll mit Scherben und anderen Utensilien belegt wurden. Es scheint in Leipzig offenbar Brauch zu sein, an verschiedenen Stellen in der Stadt Straßen und Fußwege liebevoll mit Dingen zu bedecken, die dort nicht hingehören. Da gibt es die zurückgelassenen Glasflaschen in Puzzleform nach öffentlichen Gelagen (in einigen Stadtteilen scheinen öffentliche Gelage und Scherbenpuzzle quasi Alltag zu sein, belastbare Zahlen gibt es dazu leider nicht), Tassen und Porzellan in scharfkantiger Form, Unrat und eben auch ganze Nägel.

Wer regelmäßig fährt lernt früher oder später auf die harte Form, dass man standardmäßig in Leipzig mit Manteln in Form des Schwalbe Marathon oder anderer lang haltbarer Mäntel fährt. Tut man es nicht, bekommt man Gelegenheit quasi wöchentlich an seinen Skills im Schlauchwechsel und Fluchen zu arbeiten.

Und dann ist natürlich noch der regelmäßig besungene Kampf aller gegen Alle. Thomas Hobbs hätte am Leipziger Straßenverkehr Freude gehabt.

Radfahrer:innen gegen Autofahrer:innen gegen Fußgänger:innen. Fußgänger, denen es quasi egal ist, wenn sie auf einem deutlich markierten Radstreifen laufen und sich dann quasi noch aufregen, wenn man fröhlich klingelnd Rücksichtnahme einfordert. Radfahrer:innen, die Fußwege als dornige Chancen mit erhöhtem Slalomfaktor verstehen und Autofahrer:innen, die die Straße als natürliches Habitat verstehen und jedweden Eindringling in dieses Habitat entweder mit Nichtachtung strafen, was nicht selten zu Unfällen führt oder gleich direkt mit drohenden Gebärden meinen zur Räson bringen zu können.

Hupen und überholen mit dem Höchstabstand von 20 cm keine Seltenheit. Mitunter fühlen sich dann Radfahrer:innen motiviert dem „Platzhirsch“ die Meinung zu sagen und mit Fußtritten Platz einzufordern, was mitunter dazu führt, dass sich dann die Autofahrer:innen vor Gericht über die Ungerechtigkeit der Welt und ihr Opferdasein erklären können, während ich auf der anderen Seite, die „bösen“ Radfahrer:innen vertreten darf.

Kurz, es ist kompliziert.

Und noch bei jedem neuen Radstreifen auf der Straße, der die Platzverhältnisse neu regelt erhebt sich der Sturm der Vereinigung der unschuldig entrechteten SUV Fahrer:innen, die mit Lenkrad und Hupe und 2 Tonnen Blech ihr Habitat meinen verteidigen zu müssen.

Es bleibt kompliziert.

Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in Leipzig sind leider auch eher knapp. Schilder, die freundlich darauf hinweisen, dass man hier Räder bitte nicht abstellen möge um den wertvollen mit Feinstaub bedeckten Putz, an vergilbten Hauswänden, zu schützen allerdings nicht.

Einen Fahrradbügel am Hauptbahnhof zu erwischen gelingt meist nur wenn man bis um 7 Uhr da ist. Danach müssen Laternen, Bauzäune, Verkehrsschilder und Bäume herhalten weil viele instinktiv wissen, dass Fahrräder nur an sich selbst abzuschließen und für längere Zeit zu entschwinden keine sinnhafte Idee ist, außer man braucht für sich selbst eine Rechtfertigung um ein neues Rad zu kaufen.

An viele Stellen in der Stadt findet man dann zur allgemeinen Warnung ausgestellte Fahrradskelette, die vor dem Radfahren warnen und die mitunter von der Stadtverwaltung liebevoll mit Zetteln geschmückt werden.

Gut auf den Zetteln steht auch nur, dass das Skelett, sollte sich der Besitzer nicht zeitnah einfinden, innerhalb der nächsten Wochen beseitigt wird.
Innerhalb der nächsten Woche ist dabei ein dehnbarer Zeitpunkt. Ich glaube, dass die Anzahl derer, die einen halbverrosteten Rahmen, ohne alles, der noch irgendwo angeschlossen rumliegt ihr eigen nennen, diesen dann einsammeln, nachdem die Stadt freundlich mit einem Zettel darauf aufmerksam gemacht hat, gering ist. Aber das ist nur ein Glaubenssatz.

Alles jedenfalls schwierig.

Nicht verhehlen will ich auch, dass ich mir gestern einen Nagel eingefahren habe, was mir erst durch das seltsame metallische Geräusch auffiel, das entstand als der Nagel an der Innenseite des Schutzbleches Kontaktversuche unternahm. Wie durch ein Wunder blieb der Schlauch unverletzt und ich zwar mordsmässig angefressen und dann doch wieder befriedet.

Es ist halt manchmal auch alles nur halb so schlimm. Zum Beispiel auch so wie dieser Text.

Nehmt Rücksicht aufeinander. Klaut keine Räder, verteilt keinen Dreck und achtet das Leben von Fußgänger;innen und nun ja, nicht alle Autofahrer;innen sind Schweine, manche allerdings schon. Genauso wie Radfahrer:innen und Fußgänger:innen. Möglicherweise weil es alles Menschen sind.

Parkplätze in Leipzig. Eine Gruselgeschichte am Beispiel Sportforum

Alles, wirklich alles kann Parkplatz sein.

In Leipzig, ziemlich genau im Zentrum, gibt es das Sportforum mit dem Stadion, der Mehrzweckarena, der Festwiese für Konzerte und einer sagen wir unbefriedigenden Parksituation. Oder anders gesagt, jedenfalls einer Situation, die einem bei Ereignissen die Zornesröte ins Gesicht treiben kann. Ich gehe davon aus, dass die Situation in anderen Großstädten wahrscheinlich auch nicht groß anders ist.

Egal ob der örtliche Bundesligist spielt oder ein Konzert stattfindet, wird die nähere Umgebung von Autofahrern in Beschlag genommen und zwar völlig unabhängig von der StVO. Fahrradwege werden zugestellt, im Landschaftsschutzgebiet der Boden verdichtet, Rettungswege in Beschlag genommen und so weiter.

Die Bilder hier sind vom gestrigen Konzert von Sir Elton John. Theoretisch gebe es ausreichend Parkplätze. Etwa am Stadtrand bei den Park and Ride Parkplätzen oder in der Innenstadt in den Parkhäusern, die gestern nicht ausgelastet waren. Theoretisch. Der Mensch aber sehnt sich danach einen möglichst kurzen Weg zu haben.

Es scheint den Menschen, der biologisch so konstruiert wurde, dass mensch am Tag bis zu 20 km laufen kann, egal zu sein, ob er mit seinem Verhalten andere behindert oder die Natur zerstört. Was zählt ist die eigentliche Bequemlichkeit, ist das „Ich“.

Wir hatten dazu im Rat nachgefragt und von der Stadtverwaltung unbefriedigende Antworten bekommen, die vor allen Dingen darauf hinauslaufen, dass das städtische Ordnungsamt nicht genügend Mitarbeiter hat und immer schon Sonderschichten schieben würden und es noch nicht mal eine zentrale Erfassung für diese Art der Ordnungswidrigkeiten gibt.

Ich glaube, dass die Bußgelder nicht ausreichend hoch sind um diese Art der Rücksichtslosigkeit zu unterbinden. 55 -100 Euro tun nicht ausreichend weh um eine Lenkungswirkung zu erzielen.

Ein häufiges Argument von Autofahrer:innen ist, dass Parkplätze fehlen würden. Diese Argumentation stimmt aber nur, wenn man davon ausgeht, dass es überall eine Möglichkeit zum parken geben muss. Das Auto verleitet offenbar zu Trägheit und ja auch ich als Fahrradfahrer tendiere dazu mein Rad möglichst nah am Zielort abzustellen. Der Mensch tendiert zur Bequemlichkeit und einer daraus resultierenden Rücksichtslosigkeit.

Traurig stimmt aber vor allen, dass viele Menschen ihr Handeln als gerechtfertigt empfinden. Ein Schuldbewusstsein ist nicht vorhanden.

Ich will und ich kann aber dieses Verhalten nicht länger akzeptieren. Diese Art des Parkens gefährdet Menschen, schafft Staus und zerstört die Umwelt.

Wenn es Parkkrallen gebe oder die Fahrzeuge konsequent abgeschleppt werden würden, würde sich das Blatt wahrscheinlich drehen. Wer einmal mehr als 200 Euro zahlen muss und mehrere Stunde bis Tage Probleme hat, sein Fahrzeug wieder frei zu bekommen, wird sich beim nächsten Mal überlegen, ob mensch es wieder wagt.

Wenn Appelle und Kampagnen, also positive Anreize nicht mehr ausreichend um eine Verhaltensveränderung zu erzeugen, dann müssen negative Anreize folgen.

Darf ich davon träumen, dass Großereignisse künftig ohne solche Begleiterscheinungen auskommen, da die Menschen ihr Fahrzeug am Stadtrand geparkt haben und dann mit dem ÖPNV/ SPNV ins Zentrum strömten und von da aus wieder verschwanden? Weniger Autoverkehr, weniger Unfälle, weniger Lärm, weniger Staus wären ein mehr an Lebensqualität.

Aber solange das Denken und Handeln Autozentriert ist und so viele betonen, dass sie zwingend ein Fahrzeug brauchen, kann sich nichts ändern.

Wir brauchen die Freiheit vom Zwang des Autos.
Es wäre ein Gewinn für Alle.

Alles Gute zum Earth Day in #Leipzig

Zum Earth Day, der eingeführt wurde um die Wertschätzung der natürlichen Lebensgrundlagen zu stärken und über den Konsum nachzudenken, kleinere Anmerkungen zur Rolle der Natur und Umwelt am Beispiel Leipzig.

Grundlage dafür sind mehrere Anfragen meiner Fraktion zum Thema.

Der NABU-Regionalverband Leipzig schätzt, dass die Stadt im Jahr einen Verlust an bis zu 10.000 Bäumen erleidet und zwar ersatzlos. Auch in der Anfrage räumt die Stadt ein, dass zwar im Bereich der Straßenbäume pro Jahr ein Zuwachs erfolgt aber in den letzten Jahren pro Jahr deutlich mehr als 1500 Parkbäume verschwunden sind, so dass ein Verlust im vierstelligen Bereich bleibt.

Fällungen auf privaten Bauflächen, Verlust von Grünflächen und Waldbäumen sind nicht mit eingerechnet.

Ebenfalls hat die Stadt eingeräumt, dass in den letzten Jahren insgesamt ein Verlust an Grünflächen in der Stadt steht. Indirekt gibt die Stadt damit dem NaBu recht, der von einer schrumpfenden Stadt spricht.

Auswege aus dieser Situation sind nicht zu sehen. Spannend ist auch, dass die Stadt einräumt, dass im Bereich der Baumschutzsatzung zu wenig kontrolliert wird und 1/3 aller beantragten Fällungen aufgrund fehlenden Personals als Fiktionsbescheinigung erteilt wird, also ohne fachliche Prüfung.

Weiterhin räumt die Stadt ein, dass eine effektive Kontrolle von Fällungen innerhalb der Brutsaison nicht stattfindet und die Bußgelder ohnehin keine abschreckende Wirkung entfalten. Für einen Großteil der Bauträger sind die Bußgelder nicht von Bedeutung und entfalten damit keinerlei Wirkung.

Leipzig gehört daneben zu den waldärmsten Regionen in Deutschland. Der Auwald kaschiert dies notdürftig und führt gleichzeitig auch dazu, dass das Problem nicht ernstgenommen wird.

Hinzu kommt, dass es dem Wald extrem schlecht geht, da Wasser fehlt. Insbesondere fehlen durch die Eindeichung und Entwässerungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte regelmäßige Überschwemmungsereignisse.

Dennoch wird weiterhin gebaut und immer noch werden primär Naturflächen für Baumaßnahmen in Anspruch genommen. Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünung werden nur zörgerlich eingesetzt.

Und die Mehrheit aller Stadträt*innen hat für das Problem Arten- und Umweltschutz überhaupt kein Interesse.

„Am Ende des Waldes“

Wir reden über die Klimakrise und darüber, was wir noch tun können, während wir unaufhaltsam in Richtung der Unbeherrschbarkeit der Auswirkungen der menschengemachten Situation laufen.

Einer der wichtigsten Punkte dabei wäre anzuerkennen, dass unser Lebensstil das Problem ist. Dass das materialistische Wohlstandsversprechen, dass sich in immer größeren Wohnungen, Autos, Flugreisen und Steaks materialisiert, eine Lüge ist, die am Ende in die globale Katastrophe mündet.

Und der erste Schritt ist zu erkennen, dass unser Lebensstil massiv Schulden für kommende Generationen anhäuft. Deswegen müssen wir stärker nicht nur über Nachhaltigkeit, sondern auch über Suffizienz sprechen.

Aber diese unbequeme Wahrheit, dass ein „höher, schneller, größer und weiter“ nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, wird von Politiker*innen selten ausgesprochen.

What about Leipzig?

Leipzig ist nach wie vor eine der am dynamischsten wachsenden Städte Deutschlands. In der Folge wird Wohnraum knapp und neue Baugebiete werden erschlossen. Dies auch, weil die Wohnungsgrößen kontinuierlich zugenommen haben.

Mit dem Wachstum der Städte schwindet jedoch auch die Anzahl an Grünflächen und Bäumen, die wir aber dringend brauchen. Grünflächen sind ein effektiver Beitrag zur Veränderung des Mikroklimas. Mit der Zunahme an tropischen Tagen brauchen wir mehr natürliche Grünflächen und Straßenbäume in der Stadt und ausreichend viele Kaltluftschneisen.

Der Leipziger Auwald, dem es aufgrund des übersteuerten Gewässerknotens und der damit fehlenden Auendynamik nicht gut geht, täuscht darüber hinweg, dass Leipzig deutlich zu wenig Waldflächen hat. Schmale 6,5% Waldfläche gibt es. Anzustreben und festgelegt sind 10%.

Wie mehr Waldflächen geschaffen werden können, ist derzeit offen. Die Aufstockung des Programms für Straßenbäume ist zwar erfolgreich, aber in der Summe von Park- und Straßenbäumen, ohne Waldbäume, haben wir in den letzten Jahren aufgrund zahlreicher Verluste dennoch einen negativen Saldo.

Statt mehr Bäume zu gewinnen, verlieren wir jedes Jahr viele. Eingriffs- und Ausgleichsflächen nicht eingerechnet.

Hitzestress, Extremwettereignisse wie auch die Zunahme von Stürmen werden die Probleme noch verschärfen. Diese Veränderungen kommen schneller als Politik und Gesellschaft bereit sind zu handeln.

Was notwendig wäre, ist eine Aufstockung der Mittel für das Straßenbaumkonzept um jedes Jahr tatsächlich ein Wachstumsplus von 1.000 Bäumen zu erreichen.

Bebauungspläne müssten deutlich stärker bestehende Grünflächen in den Blick nehmen und versuchen Bestandsbäume zu erhalten, als zunächst die Flächen zu planieren und dann am Ende notdürftig mit künstlich angelegten Parks und einzelnen Bäumen entgegen zu steuern.

Das Programm zur Fassadenbegrünung muss viel stärker Fahrt aufnehmen. Die Zielstellung muss es sein, dass jedes neue Haus in Leipzig verpflichtend über Regenwasserzisternen, als auch über Brauchwasserspeicher, Fassaden- und Dachbegrünung sowie eine Solaranlage verfügt.

Meistens wird in der Klimakrise diskutiert, dass man doch positiv formulieren muss, um deutlich zu machen, dass wir das 1,5°C-Ziel noch erreichen können. Die Wahrheit ist an der Stelle die Lüge. Wir werden lernen müssen mit der Katastrophe zu leben und unsere einzige Chance ist, alles dafür zu tun, um ihr Ausmaß einzudämmen und ihre Folgen erträglich zu gestalten. Diese Chance ist da und wir können sie nutzen.

Das sind die schlechten Nachrichten, die meist niemand hören will. Die gute Nachricht am Ende: Die schlechten Nachrichten werden wir alle erleben und uns davon überzeugen können.

Gehen wir es an und verhindern, dass es dazu kommt.

Dieser und weitere Artikel erschienen im Ratschlag Grüne Fraktion Leipzig

Umweltschutz in der wachsenden Stadt – Leipzig

Umweltschutz in der wachsenden Stadt oder die nahende Katastrophe.

Leipzig ist eine wachsende Stadt. Diese Erkenntnis ist banal. Wie steht es eigentlich um den Umwelt- und Naturschutz.

Fakt ist, dass Leipzig in den letzten Jahren nur im Bereich Straßen- und Parkbäume einen negativen Saldo von mehreren hundert Bäumen pro Jahr hat. Die angedachten 1000 neuen Straßenbäume pro Jahr sind bislang nicht ansatzweise (2021, 650) erreicht wurden. Zum Vergleich die Angaben der Stadt:


Mit dem Verlust von Waldbäumen und Rodungen von Grünflächen haben wir pro Jahr ein Verlust mehrerer tausend Bäume. Pro Jahr!

Flächen für Park- und Grünflächen gibt es kaum, Flächen für die Waldmehrung erst Recht nicht, wobei der Anteil an Waldflächen in Leipzig mit 6,5 % deutlich unterdurchschnittlich ist. Der Auwald kann darüber nicht hinwegtäuschen.

Mehr als 10 Prozent der beantragten Baumfällungen können durch die Stadtverwaltung, aufgrund mangelnden Personals nicht (!) geprüft werden und werden als sogenannte Fiktionsbescheinigung genehmigt.



Auch Ausgleichsmaßnahmen werden nicht in vollem Umfang kontrolliert.

Eine Idee wie der Verlust an Grünflächen in Leipzig ausgeglichen werden kann besteht nicht.

Es ist nachvollziehbar, dass man mehrere Nutzungsinteressen in Ausgleich bringen muss aber Bäume und Grünflächen sind Grundlagen der Biodiviersität, die auch für unser Leben Voraussetzung sind, spenden Schatten und kühlen, was im Prozess der klimatischen Erwärmung um so wichtiger wird.

Wir steuern sehenden Auges auf das nächste Problem zu.

Club- und Kulturkataster.

Es war einmal Club. Die Menschen liebten ihn. Er war ein bisschen wie das Sisyphos in Berlin. Mit Nischen und Ecken, verspielt und zum entdecken. Es war das So und So.

Und vielleicht würde es diesen Club noch geben, denn da wo er stehen sollte und stand ist jetzt nichts mehr. Ein leeres, totes Baufeld.

Vielleicht wäre alles anders gekommen hätte es damals schon ein Clubkataster gegeben, das anzeigt wo es überall Clubs- und Livemusikspielstätten gibt. Und man hätte diesen Informationen nehmen können um sie von Anfang in den Prozess der Bauleitplanung einzuspeisen.

Eben nicht nur Quartiere am Reißbrett planen, wo Kultur bitte aseptisch sein soll und nicht stören darf. Aber Kultur muss stören, muss aufbegehren, muss unbequem sein. Eine Stadt, nur zum arbeiten und schlafen, ist keine Stadt, hat keinen Reiz sondern ist to

Und Clubkultur ist Kultur. Ist wichtig. Ist ein Ort, wo Menschen sich begegnen und Erfahrungen sammeln können.

2018 demonstrierten wir für den Erhalt der Clubs mit tausenden Menschen. Wir tanzten bis zum Morgen. Wir schrieben Anträge und Petitionen. Nicht aufgeben, nichts verzeihen. Die Orte, die wir brauchen verteidigen.

Orte, wo Menschen sich treffen können in einem safe space und über die Liebe zur Musik eine Sprache finden.

Mehr als 4000 Menschen unterschrieben die Petition des LiveKommbinat Leipzig e.V., die ich mit bearbeiten durfte, zum Erhalt und für das Clubkataster. Und Menschen fingen an zu arbeiten.

Und jetzt endlich ist es da: das Clubkataster, dass weiter entwickelt werden soll zum Kulturkataster und die Orte der Kultur für alle sichtbar macht und damit auch Berücksichtigung finden kann in der Gestaltung der Stadt.

Nein, das So und So, geliebtes Kleinod, Zufluchtsort für die Rebellion der Träumer, haben wir nicht gerettet aber es ist nicht umsonst gestorben.

Die Kämpfe waren nicht umsonst, denn es gibt jetzt eine Grundlage für den Erhalt des Bestehenden zu kämpfen und auch sichtbar zu machen wo Kultur fehlt.

Es war nicht umsonst und tausende Menschen haben mit ihrer Unterschrift und ihrem Engagement es mit möglich gemacht.

Es stimmt. Demokratie ist manchmal anstrengend und Verwaltungsarbeit langwierig aber sie ist eben nicht sinnlos sondern wird durch das Handeln vieler erfolgreich.

Kein Club wird je vergessen werden.
Forever So und So.

Vom Überranntwerden

Am 29.01.2022 während einer Coronademo durchbrachen mehrere dutzend Menschen eine Polizeikette und stürmten auf das Gelände des Universitätsklinikums, Abteilung Psychiatrie.

Jenseits der politischen und juristischen Folgen ist das für Menschen, die dort in Behandlung waren und sind eine traumatische Erfahrung.

Tom Günther hat aufgeschrieben warum.


Heute haben sie es übertrieben. Sie haben eine Grenze übertreten. Sie. Die, die sich für die Mehrheit, für Aufgeklärte, Informierte und das Volk halten. Sie, die diese Pandemie nähren. Sie haben die Grenze zu einem Grundstück übertreten. Das Grundstück des Uniklinikums Leipzig. Und nicht nur einfach irgendein Gebäude. Nein, es war die Psychiatrische Klinik.

Dort verweilen Menschen, die an nichts mehr glauben können, weil ihnen jeder Wille fehlt. Menschen, die zum Teil mit dem Leben abgeschlossen haben. Leute, die Angst davor haben, morgens aufzustehen. Menschen, denen es schon zu viel ist, sich zwischen Brötchen und Croissant zu entscheiden. Menschen, die einfach weinen, weil sie grad nicht anders können. Ohne erkennbaren Grund. Menschen, die glauben, dass die Welt ohne sie besser wäre.

Woher ich das weiß? Weil ich selbst einer dieser Menschen war.

Diese Menschen brauchen Schutz. Zum Teil gehören sie zu den Leuten, die von der StIKo eine Impfempfehlung erhalten haben, weil eine Erkrankung wie Corona sie nur zurückwerfen würde. Sie benötigen Ruhe, Ordnung, Rituale, inneren Frieden.

Und dann kommt da aber eine Horde von Ottos, die glauben, sie wüssten es besser. Folgen Kadern von NPD und REP, ignorieren alles und jeden. Scheißen auf Anstand. Denken schlichtweg nur an sich selbst. Haben nicht einen winzigen Funken Weitsicht und Nächstenliebe. Und sie stürmen dieses Gelände.

Ich! Möchte! Kotzen!
Ihr widert mich an!
Ihr seid der Bodensatz des Arschlochtums!

Ihr könnt gern weiter Eure dämliche Meinung haben. Das muss eine Demokratie in gewissen Teilen aushalten.

Aber hört verdammt nochmal auf, Unbeteiligte in Euren Sturm aus Lügen, Missgunst, Ignoranz und Dummheit hineinzuziehen.

Hört auf, Euch als Retter der Welt aufzuspielen. Und vor allem: Hört auf, Menschen zu schaden, denen es sowieso schon alles andere als geil geht.

Ich fand Euch vor dieser Aktion schon scheiße. Aber jetzt hasse ich Euch. Abgrundtief. Ihr seid moralisch ganz weit unten angekommen. Denn es gibt deutliche Bilder, klare Botschaften. Und die sagen: Wir scheißen auf alles.

Sollte mir noch einmal irgendein Quarkdenker mit irgendwelchen Relativierungen kommen, frage ich ihn, ob er auch dabei war, oder ob er mitgemacht hätte. Und dann …

Ich bin sauer.