Rote Linien gegen Kohle – Pödelwitz bleibt

Währen in Berlin im Rahmen der Jamaika Sondierungsgespräche verzweifelt um einen Kompromiss in Sachen Klimaschutz gerungen wird, dem sich die Fossilen von CSU und FDP faktenfrei verschließen, finden die Kämpfe rund um die Kohle längst an anderer Stelle statt.

Am Sonntag, den 12.11., fand in dem Dorf Pödelwitz die Aktion „Rote Linien gegen Kohle statt„, zu der unter anderem der BUND Sachsen aufgerufen hatte.

Am Ende kamen mehr als 300 Menschen zu dem Ort im Südraum von Leipzig, indem noch 2011 noch 134 Personen lebten. Die Mibrag beabsichtigt den Tagebau „Vereinigtes Schleenhain“, der bereits Dörfer wie Heuersdorf gefressen hat auszuweiten. In Hinblick auf die bestehenden Genehmigungen ist das eigentlich unnötig. Die bisherigen Tagebaue reichen aus um die bestehenden Kraftwerke im Rahmen der Betriebserlaubnis zu versorgen.

Überdies gehört das anliegende Kraftwerk Lippendorf zu einem der zwanzig dreckigsten in Deutschland und die umliegenden Gebiete werden massiv unter anderem mit Quecksilber belastet. Auch unter der Beachtung der internationalen Klimaverträge und damit Deutschlands Verpflichtung das Treibahausgas Kohlenstoffdioxid deutlich zu reduzieren ist ein Ausstieg aus der Kohleverstromung eigentlich alternativlos. Da Deutschland im Strombereich massive Überkapazitäten hat könnten zumindest die 20 schmutzigsten Kraftwerke auch sofort abgeschaltet werden, ohne Engpässe zu reduzieren. Das Kartell der Fossilen hält dagegen.

Um nach Pödelwitz zu kommen muss man durch die zerstörte Landschaft fahren. Vorbei an denen sich bis zum Horizont erstreckenden Mondlandschaften der Tagebaue, die an einigen Stellen von ratternden Förderbändern durchzogen werden. Eine unfassbare Umweltzerstörung. Im Dorf angekommen trifft man auf die letzten knapp 30 Einwohner, die ihre Heimat nicht aufgeben wollen und bleiben und zusammen mit Umweltverbänden und Initiativen für den Erhalt kämpfen.

Das die Mibrag extra noch Zäune aufstellen liess und mit dümmlichsten Sprüchen am Zaun provozierte spricht ebenfalls für sich.

Der Kampf um Pödelwitz jedenfalls ist noch nicht beendet. Wir kommen wieder.

Im Übrigen möge mir ein CDU Mitglied bitte erklären, wie es sich mit dem christlichen Glauben verträgt die „Schöpfung zu zerstören“ und Menschen aus der Heimat zu verdrängen.

Im Übrigen wer seine Heimat liebt, wie CDU und AfD als Vertreter der Braunkohlelobby immer betonen, zerstört sie nicht.

 

 

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Über Schienenverkehr in Sachsen.

Ich war am Wochenende in Limbach- Oberfrohna. Limbach- Oberfrohna ist eine große Kreisstadt im Landkreis Zwickau mit ca 24.000 Einwohner. Die Innenstadt ist pitoresk, wenn auch ein wenig verschlafen. Die Stadt lädt zum verweilen ein. Allerdings kam sie auch wegen rechter Umtriebe immer mal wieder in die Schlagzeilen, aber davon soll hier nicht die Rede sein.
Allein ist die Frage, wie man die Stadt erreicht.

Die letzte Eisenbahnlinie wurde 2000 eingestellt. Von Leipzig aus kommend hätte man mit dem ÖPNV/SPNV mehr als 2 Stunden benötigt. Im Bestenfall 2:13 Minunten um die rund 73 Kilometer zurückzulegen. Dabei hätte man auch noch 2 mal umsteigen müssen und für eine Fahrt ohne Bahncard mindestens 15,50 Bahnticket und weitere 5 Euro für den Bus bezahlt.

Wäre ich die Strecke mit dem Auto gefahren hätte ich nur für die Benzinkosten gerechnet bei einem Benzinpreis von 1,30 und einem Verbrauch von 10 l 9,47 € ausgegeben. Zu Recht werden einige anmerken, dass zu den Kosten für das Auto noch die Anschaffungs- und Unterhaltskosten gehören. Diese werden aber regelmäßig in der Betrachtung außen vor gelassen und kaum gegengerechnet. Weiterer Vorteil für das Auto sind außerdem die Bequemlichkeit und Flexibilität. Die Bahnfahrt muss man planen, schon um die ganzen Umsteige- und Anschlussmöglichkeiten nicht außer acht zu lassen mit dem Auto kann man einfach losfahren.

Dazu kommt, dass einige Buslinien am Wochenende äußerst selten verkehren. Nach Schneeberg, im Erzgebirge etwa, wobei man für die 113 km mit dem ÖPNV/ SPNV mehr als 3 Stunden braucht, wird man zwar noch erreichen aber in den Abendstunden nicht mehr verlassen können. Die letzte Möglichkeit Schneeberg, an einem Sonnabend, ohne Auto zu verlassen, Richtung Leipzig, ist 17:55 Uhr.

Im Ergebnis kann man feststellen, dass einige Bereiche von Sachsen schlicht und ergreifend nicht ohne Auto sinnvoll zu erreichen sind. In bestimmten Regionen besteht damit ein Zwang zum Auto.

Dieser Zwang wird unterstützt dadurch, dass einige Linien eingestellt wurden, da die Auslastungszahlen nicht stimmen. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass Angebot durch einen integralen Taktfahrplan zu verbessern und dadurch mehr Menschen zu gewinnen. Gehandelt wird gegenteilig mit den erwartbaren Folgen. Diese Abwärtsspirale setzt sich fort und zentrale Bemühungen für eine saubere Luft und zur Reduzierung des Straßenverkehrs werden willentlich sabotiert.

Auch im Fernverkehr ist das Bild nicht besser. Die Strecke Dresden-Leipzig, für einige Pendler nicht uninteressant, wird an einem Wochentag um 19:13 Uhr zuletzt von einem IC angesteuert. Anderthalb Stunden später fährt zumindest noch ein EC und im Übrigen im Stundentakt ein Regionalzug.

Kurz und gut es ist mehr als verständlich, dass unter diesen Voraussetzungen viele Menschen geradezu auf ein Auto angewiesen sind. Wer das ändern will muss das Angebot im Schienenverkehr und ÖPNV deutlich verbessern. Die Regionen anbinden, die Preise bezahlbar gestalten und den Taktfahrplan integral gestalten. Das dies funktionieren kann zeigt etwa das Beispiel Schweiz.

Aber wer das will sollte bei der nächsten Wahl auch entsprechend wählen gehen. Weitere Infos zum Thema Verkehr in Sachsen etwa bei Mobiles Sachsen.

PS: Im Ergebnis bin ich mit dem Zug von Leipzig nach Burgstädt gefahren und von dort aus die letzten 8 km mit dem Rad. Wohldem der ein Rad und zwei gesunde Beine sein eigen nennt und Bundesstraßen nicht scheut.