offener Brief eines Fahrradfahrers an die Autofahrer

 
Liebe Autofahrer,
 
Jeder Fahrradfahrer, der regelmäßig fährt, kann fast täglich von Situationen berichten, wo Autos den Weg abschneiden, die Autotür überraschend öffnen, auf Radstreifen stehen und so weiter und so weiter. Wir Radfahrer leben gefährlich.
 
Und ich wette, dass es ebenso viele bei euch Autofahrern gibt, die sich über Radfahrer aufregen. Radfahrer, die noch an der engsten Stelle überholen, oder ohne oder mit wenig Licht fahren, oder Verkehrszeichen als unverbindliche Handlungsempfehlung verstehen.
 
Ja, in vielen Fällen bin ich geneigt euch Recht zu geben. Mit dem Fahrrad ist man in der Stadt schneller unterwegs, kann an im Stau stehenden Autos vorbeirasen und im Ernstfall nicht ganz vorschriftsmäßig auf den Fußweg ausweichen. Fahrrad fahren entspannt und ist, abgesehen von der beständigen Gefahr von der Straße geschossen zu werden, gesund.
 
Auto fahren macht dagegen oft genug aggressiv, was auch wissenschaftlich nachgewiesen ist. Geht mir übrigens, wenn ich im Auto sitzen muss, nicht anders.
 
Ich halte nichts davon sich gegenseitig vorzurechnen, wer, wann, wie oft und für welche Unfälle verantwortlich ist. Im Ernstfall interessiert es nicht, wer Schuld ist, denn im Regelfall wenn Fahrradfahrer und Autofahrer aufeinander treffen unterliegt der Fahrradfahrer.
 
Dieses Jahr sind bereits 2 Fahrradfahrer*innen in Leipzig gestorben, weil rechts abbiegende LKWs, den hinter Ihnen kommenden Fahrradfahrer übersehen haben. Wir als Radfahrer zahlen für unsere Freiheit einen hohen Preis. Und noch viel mehr Fahrradfahrer wurden dieses Jahr bereits durch Autofahrer verletzt.
 
Im statistischen Jahrbuch ist im Übrigen erfasst, wer Unfallverursacher ist. Für das Jahr 2016 sind 13.758 Verkehrsunfälle in Leipzig erfasst. Davon durch PKW verursacht 10.065 plus weitere 1415 durch LKW.
 
2016 starben 5 Fahrradfahrer. Bei 1262 Unfällen mit Radfahrern, bei denen 514 durch Radfahrer verursacht wurden, wurden weitere 924 Fahrradfahrer verletzt. Das nur so.
 
Aufgrund dessen habe ich nur einen Wunsch: Lasst uns Rücksicht nehmen.
 
Liebe Autofahrer, wenn ihr nach Rechts abbiegt schaut lieber 3 mal ob nicht doch noch ein Radfahrer kommt, steht nicht auf Fahrradwegen und öffnet auch keine Türen im Verkehr.
 
Alles was wir Fahrradfahrer wollen ist eigentlich eins: Leben. Und ihr könnt mit eurem Verhalten viel dazu beitragen.
 
Und liebe Leidensgenossen Fahrradfahrer auch wir können ja Rücksicht auf die leidgeprüften, durch Stau und Verkehr gestressten Autofahrer nehmen und mit ausreichend Licht am Rad durch die Stadt düsen.
 
Rücksichtnahme ist ja immer so eine gegenseitige Sache und jeder kann damit anfangen.
 
 
MIt vielen Dank für euer Verständnis.
 
Ein Radfahrer
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Verkehrsunfälle – ein Beinahe Rant

Klassiker am frühen Morgen: An der Kreuzung stehen, geradeaus weiterfahren wollen und vom rechtsabbiegenden Autofahrer fast abgeschossen werden.

Der optimale Einstieg um einen vor Wut triefenden Rant Post zu dichten und über die bemitleidenswerte Welt derjenigen herzuziehen, die mittels übergroßer Statussymbole wie Testosteronboliden versuchen Aufmerksamkeit zu erregen.

Aber dann besann ich mich, nach einer Woche in der ich alle Verkehrsarten bis auf das Flugzeug nutzte, eines Besseren.

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Über Schienenverkehr in Sachsen.

Ich war am Wochenende in Limbach- Oberfrohna. Limbach- Oberfrohna ist eine große Kreisstadt im Landkreis Zwickau mit ca 24.000 Einwohner. Die Innenstadt ist pitoresk, wenn auch ein wenig verschlafen. Die Stadt lädt zum verweilen ein. Allerdings kam sie auch wegen rechter Umtriebe immer mal wieder in die Schlagzeilen, aber davon soll hier nicht die Rede sein.
Allein ist die Frage, wie man die Stadt erreicht.

Die letzte Eisenbahnlinie wurde 2000 eingestellt. Von Leipzig aus kommend hätte man mit dem ÖPNV/SPNV mehr als 2 Stunden benötigt. Im Bestenfall 2:13 Minunten um die rund 73 Kilometer zurückzulegen. Dabei hätte man auch noch 2 mal umsteigen müssen und für eine Fahrt ohne Bahncard mindestens 15,50 Bahnticket und weitere 5 Euro für den Bus bezahlt.

Wäre ich die Strecke mit dem Auto gefahren hätte ich nur für die Benzinkosten gerechnet bei einem Benzinpreis von 1,30 und einem Verbrauch von 10 l 9,47 € ausgegeben. Zu Recht werden einige anmerken, dass zu den Kosten für das Auto noch die Anschaffungs- und Unterhaltskosten gehören. Diese werden aber regelmäßig in der Betrachtung außen vor gelassen und kaum gegengerechnet. Weiterer Vorteil für das Auto sind außerdem die Bequemlichkeit und Flexibilität. Die Bahnfahrt muss man planen, schon um die ganzen Umsteige- und Anschlussmöglichkeiten nicht außer acht zu lassen mit dem Auto kann man einfach losfahren.

Dazu kommt, dass einige Buslinien am Wochenende äußerst selten verkehren. Nach Schneeberg, im Erzgebirge etwa, wobei man für die 113 km mit dem ÖPNV/ SPNV mehr als 3 Stunden braucht, wird man zwar noch erreichen aber in den Abendstunden nicht mehr verlassen können. Die letzte Möglichkeit Schneeberg, an einem Sonnabend, ohne Auto zu verlassen, Richtung Leipzig, ist 17:55 Uhr.

Im Ergebnis kann man feststellen, dass einige Bereiche von Sachsen schlicht und ergreifend nicht ohne Auto sinnvoll zu erreichen sind. In bestimmten Regionen besteht damit ein Zwang zum Auto.

Dieser Zwang wird unterstützt dadurch, dass einige Linien eingestellt wurden, da die Auslastungszahlen nicht stimmen. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass Angebot durch einen integralen Taktfahrplan zu verbessern und dadurch mehr Menschen zu gewinnen. Gehandelt wird gegenteilig mit den erwartbaren Folgen. Diese Abwärtsspirale setzt sich fort und zentrale Bemühungen für eine saubere Luft und zur Reduzierung des Straßenverkehrs werden willentlich sabotiert.

Auch im Fernverkehr ist das Bild nicht besser. Die Strecke Dresden-Leipzig, für einige Pendler nicht uninteressant, wird an einem Wochentag um 19:13 Uhr zuletzt von einem IC angesteuert. Anderthalb Stunden später fährt zumindest noch ein EC und im Übrigen im Stundentakt ein Regionalzug.

Kurz und gut es ist mehr als verständlich, dass unter diesen Voraussetzungen viele Menschen geradezu auf ein Auto angewiesen sind. Wer das ändern will muss das Angebot im Schienenverkehr und ÖPNV deutlich verbessern. Die Regionen anbinden, die Preise bezahlbar gestalten und den Taktfahrplan integral gestalten. Das dies funktionieren kann zeigt etwa das Beispiel Schweiz.

Aber wer das will sollte bei der nächsten Wahl auch entsprechend wählen gehen. Weitere Infos zum Thema Verkehr in Sachsen etwa bei Mobiles Sachsen.

PS: Im Ergebnis bin ich mit dem Zug von Leipzig nach Burgstädt gefahren und von dort aus die letzten 8 km mit dem Rad. Wohldem der ein Rad und zwei gesunde Beine sein eigen nennt und Bundesstraßen nicht scheut.

 

Verkehrter Verkehr – über die Mobilität der Zukunft

Am Sonnabend den 03.06. fand anlässlich des europäischen Tag des Fahrrades eine Fahrrademo statt, die über den Leipzig Ring führte und für das Anliegen der Radfahrer werben wollte. Aufgerufen hatte unter anderen die Initiativen „Autofrei leben“, die die LVZ bemerkte und was zu erwartbaren Reaktionen in den Kommentarspalten führte. Angefangen von der klassischen Behauptung, dass „alle Radfahrer“ arbeitslos seien und Nichtsnutze, bis hin zu weiteren Beleidigungen und Vorschlägen, dass man mal eine Demo für eine fahrradfreie Innenstadt machen solle, erstreckten sich die Beiträge. Man darf vermuten, dass die meisten der Kommentatoren sich nicht die Mühe gemacht haben, sich mit dem Anliegen der Demonstration auseinanderzusetzen sondern die Überschrift lasen um dann ihrer angestauten Wut freien Lauf zu lassen.  Weiterlesen „Verkehrter Verkehr – über die Mobilität der Zukunft“

Promenadenring Autofrei- Aufruf zur Demonstration am 03.06.2017

Promenadenring Autofrei., Demoaufruf 03.06. Johannisplatz 14-16 Uhr. Leipzig

Prolog:
Der 3. Juni ist europäische Tag des Fahrrades. Er wurde aufgrund der zunehmend problemhaften Verkehrsdichte insbesondere durch den motorisierten Individualverkehr eingeführt und soll darauf hinweisen, dass das Fahrrad das umweltfreundlichste, gesündeste und sozial verträglichste Verkehrsmittel ist.

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