„Hasstiraden gegen Autofahrer“ – ein Leserbrief zum Parkchaos in Leipzig



In einem Leserbrief an die LVZ Leipziger Volkszeitung hatte eine Bürgerin unter der markigen Überschrift „Hasstiraden gegen Autofahrer“ ihren Unmut Luft gemacht. Hintergrund war unser Vorschlag, dass Ordnungsamt neu aufzustellen um die mehr als 1000 täglichen Parkverstöße in der Stadt und damit das Parken von Fahrzeugen auf dem Geh- und Radweg, sowie inzwischen auch in Grünanlagen stärker zu unterbinden.

Das Problem besteht halt darin, dass die meisten Städte in einer Zeit gebaut wurden, wo es noch keine Idee von Autos gab und damit in der Folge festzustellen ist, dass der Platz im öffentlichen Raum in den meisten Städten nicht ausreicht damit alle Menschen, die ein privates KfZ ihr eigen nennen, dies auch direkt vor der Tür abstellen können. Zumal dies auch nicht zielführend ist.

1969 hatte das Bundesverwaltungsgericht geurteilt, dass das Parken von KfZ im öffentlichen Straßenraum vom Recht auf Allgemeingebraucht erfasst sei. Allerdings gibt es keinen Anspruch darauf sein Auto wohnortnah abstellen zu können, auch wenn das einige Bürger mutmaßen und sich ungerecht behandelt fühlen, wenn sie ihr Auto auf dem Fußweg abstellen, damit das durchkommen für die bereits an den Rand gedrängten Fußgänger*innen erschweren und sich dann darüber aufregen, dass es einen Strafzettel gibt.

Die Bürgerin schrieb jedenfalls weiter, dass Stadträt*innen bestimmt sichere Stellplätze für ihre Dienst PKWs hätten und ich doch nach der Arbeit versuchen soll einen Stellplatz zu finden.

Schließlich müsse man die Hasstiraden gegen Autofahrer unterbinden und endlich gegen die vielen Verkehrsverstöße der Fahrradfahrer vorgehen.

Diese Argumentation ist genauso sinnreich wenn über das Problem Rechtsextremismus geredet wird dann zu sagen aber die Linken. Aber auch das begreifen ja viele Mitbürger*innen nicht. Es ist offenbar ein weit verbreitetes Problem, dass man von anderen eigenen Fehler oder Problemen ablenkt indem man geschickt einfügt: „Aber die…“ und eine beliebige Gruppe mit einem ganz anderen Problem als Sündenböcke adressiert.

Verantwortung für das eigene Handeln oder Nichthandeln zu übernehmen ist halt manchmal schwer.

Ich hätte der Bürgerin mit ihren „berechtigten Sorgen und Nöten“; die ich „ernstnehmen muss“ gern geschrieben, mit einem schelmischen Lachen und leichten Unterton während ich meinen Soja Latte Macciato in der Hand schaukle“ Ich habe gar kein Auto“, aber dazu kam es nicht.

Bekanntermaßen bekommen Stadträt*innen in Leipzig neben ihrem fürstlichen Gehalt in Höhe eine Dreiviertelmellone eine private Seilbahn oder ein Flugtaxi spendiert und haben gar kein Dienst PKW. Sogar die Stadtverwaltung hat ihre Flotte deutlich verkleinert und setzt eher auf Car- Sharing weil damit Autos und somit Platz und auch Geld gespart werden kann.

Deswegen kann ich übrigens auch Nachts keinen Parkplatz suchen aber der Sinn erschließt sich nicht. Also könnte ich schon und dort meinen Drahtesel rotzfrech in eine Parklücke stellen, was ich rein rechtlich dürfte, allerdings zum nächsten Aufstand von Autofahrer*innen führen dürfte, wie es sein kann, dass ihr wertvoller Parkplatz jetzt auch noch zweckentfremdet wird und wie es sein kann, dass sich ein Stadtrat lustig macht.

Und ja als alleinerziehender Vater einer minderjährigen Tochter, koordiniere ich Schulweg, einkaufen und Arbeit mit einem Fahrrad. Krass, oder? Geht. Geht wirklich.
Man kann auch ohne Auto leben. Wobei ich niemanden vorschreiben will wie er/sie/ es zu leben hat und nur meine, dass mich das Anspruchsdenken nervt.

Ich habe auch kein Hass auf Autofahrer oder auf Autos. Das kann ich wie folgt begründen: Ich kenne Menschen, die Autos haben aber….

Gehen wir es doch entspannt an. Bauen wir eine Mobilität, in der kein Mensch mehr zwingend auf das Auto angewiesen sein muss sondern eine echte Wahl hat. Entlasten wir den öffentlichen Raum von den unzähligen Fahrzeugen und Verkehr und erleben wir eine Aufwertung des öffentlichen Raums, Straßen auf denen Menschen sich begegnen können, Straßen in denen auch Kinder gefahrlos laufen können.

Es hätte so viele Vorteile. Und nein ich hasse Autos nicht. Wirklich nicht.
Und nein mit seinem Auto zur Arbeit zu fahren ist trotzdem kein Wirtschaftsverkehr und es gibt zwar Schlaglöcher in der Stadt aber dafür brauch ich trotzdem keinen Offroad Jeep und ja es gibt auch Kriminalität, die aber trotzdem kein super gepanzertes megafettes SUV/ Hummer Dingsbums rechtfertigt.

Autos gehören nicht auf Fuß- und Radwege und auch nicht in Grünanlagen. Und wenn ihr euch ein Auto anschafft wäre es vielleicht dann auch sinnvoll sich zu überlegen, wo man sein privates Eigentum eigentlich hinstellen will.

Und im Übrigen: Hass ist immer Mist.

Fahrrad fahren auf dem Ring

Ein Kommentar zur Debatte um den Fahrradverkehr in Leipzig.

Verkehr so scheint es, ist ähnlich wie das Essen ein hochemotionales Thema. Niemand will sich vorschreiben lassen, was man isst oder wie man sich zu bewegen hat und belehrt möchte man auch nicht werden.

Weiterlesen „Fahrrad fahren auf dem Ring“

Verkehrsunfälle – ein Beinahe Rant

Klassiker am frühen Morgen: An der Kreuzung stehen, geradeaus weiterfahren wollen und vom rechtsabbiegenden Autofahrer fast abgeschossen werden.

Der optimale Einstieg um einen vor Wut triefenden Rant Post zu dichten und über die bemitleidenswerte Welt derjenigen herzuziehen, die mittels übergroßer Statussymbole wie Testosteronboliden versuchen Aufmerksamkeit zu erregen.

Aber dann besann ich mich, nach einer Woche in der ich alle Verkehrsarten bis auf das Flugzeug nutzte, eines Besseren.

Weiterlesen „Verkehrsunfälle – ein Beinahe Rant“

Über Schienenverkehr in Sachsen.

Ich war am Wochenende in Limbach- Oberfrohna. Limbach- Oberfrohna ist eine große Kreisstadt im Landkreis Zwickau mit ca 24.000 Einwohner. Die Innenstadt ist pitoresk, wenn auch ein wenig verschlafen. Die Stadt lädt zum verweilen ein. Allerdings kam sie auch wegen rechter Umtriebe immer mal wieder in die Schlagzeilen, aber davon soll hier nicht die Rede sein.
Allein ist die Frage, wie man die Stadt erreicht.

Die letzte Eisenbahnlinie wurde 2000 eingestellt. Von Leipzig aus kommend hätte man mit dem ÖPNV/SPNV mehr als 2 Stunden benötigt. Im Bestenfall 2:13 Minunten um die rund 73 Kilometer zurückzulegen. Dabei hätte man auch noch 2 mal umsteigen müssen und für eine Fahrt ohne Bahncard mindestens 15,50 Bahnticket und weitere 5 Euro für den Bus bezahlt.

Wäre ich die Strecke mit dem Auto gefahren hätte ich nur für die Benzinkosten gerechnet bei einem Benzinpreis von 1,30 und einem Verbrauch von 10 l 9,47 € ausgegeben. Zu Recht werden einige anmerken, dass zu den Kosten für das Auto noch die Anschaffungs- und Unterhaltskosten gehören. Diese werden aber regelmäßig in der Betrachtung außen vor gelassen und kaum gegengerechnet. Weiterer Vorteil für das Auto sind außerdem die Bequemlichkeit und Flexibilität. Die Bahnfahrt muss man planen, schon um die ganzen Umsteige- und Anschlussmöglichkeiten nicht außer acht zu lassen mit dem Auto kann man einfach losfahren.

Dazu kommt, dass einige Buslinien am Wochenende äußerst selten verkehren. Nach Schneeberg, im Erzgebirge etwa, wobei man für die 113 km mit dem ÖPNV/ SPNV mehr als 3 Stunden braucht, wird man zwar noch erreichen aber in den Abendstunden nicht mehr verlassen können. Die letzte Möglichkeit Schneeberg, an einem Sonnabend, ohne Auto zu verlassen, Richtung Leipzig, ist 17:55 Uhr.

Im Ergebnis kann man feststellen, dass einige Bereiche von Sachsen schlicht und ergreifend nicht ohne Auto sinnvoll zu erreichen sind. In bestimmten Regionen besteht damit ein Zwang zum Auto.

Dieser Zwang wird unterstützt dadurch, dass einige Linien eingestellt wurden, da die Auslastungszahlen nicht stimmen. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass Angebot durch einen integralen Taktfahrplan zu verbessern und dadurch mehr Menschen zu gewinnen. Gehandelt wird gegenteilig mit den erwartbaren Folgen. Diese Abwärtsspirale setzt sich fort und zentrale Bemühungen für eine saubere Luft und zur Reduzierung des Straßenverkehrs werden willentlich sabotiert.

Auch im Fernverkehr ist das Bild nicht besser. Die Strecke Dresden-Leipzig, für einige Pendler nicht uninteressant, wird an einem Wochentag um 19:13 Uhr zuletzt von einem IC angesteuert. Anderthalb Stunden später fährt zumindest noch ein EC und im Übrigen im Stundentakt ein Regionalzug.

Kurz und gut es ist mehr als verständlich, dass unter diesen Voraussetzungen viele Menschen geradezu auf ein Auto angewiesen sind. Wer das ändern will muss das Angebot im Schienenverkehr und ÖPNV deutlich verbessern. Die Regionen anbinden, die Preise bezahlbar gestalten und den Taktfahrplan integral gestalten. Das dies funktionieren kann zeigt etwa das Beispiel Schweiz.

Aber wer das will sollte bei der nächsten Wahl auch entsprechend wählen gehen. Weitere Infos zum Thema Verkehr in Sachsen etwa bei Mobiles Sachsen.

PS: Im Ergebnis bin ich mit dem Zug von Leipzig nach Burgstädt gefahren und von dort aus die letzten 8 km mit dem Rad. Wohldem der ein Rad und zwei gesunde Beine sein eigen nennt und Bundesstraßen nicht scheut.