Ein Leben. Eine Abschiebung in Leipzig.

Gegen Mittag rufen Freunde an. Eine drohende Abschiebung, ob ich helfen könnte. Eigentlich habe ich keine Zeit und dann schiebe ich doch Termine, weil es fast vor der Tür des Büros ist.

An zwei Seiten der Straße stehen Menschen, zum Teil aufgebracht, sind wütend über die drohende Abschiebung eines Menschen. Eines Menschen, der seit Jahren in Deutschland lebt, beim Bäcker gearbeitet hat und eine Ausbildungsstelle in Aussicht hatte.

Eigentlich bestens integriert. Sein Asylantrag wurde allerdings vor Jahren abgelehnt und damit ist er im behördendeutsch, dass nur Zahlen und keine Schicksale kennt: vollziehbar ausreisepflichtig.

Die Ausbildung konnte er nicht antreten, da er dafür keine Erlaubnis bekommen hat weil er keine Passpapiere hatte und keine bekommen hat. Seine Passpapiere waren offenbar in Frankfurt.

Die Polizei kommt und muss ihn abschieben. Die Polizei vollzieht was andere anordnen, am helllichten Tag, ohne Ansehen eines Lebens.

Und der Mensch, der eben noch hier lebte, arbeitete, integriert war, verliert alles und alles was bleibt ist Verzweiflung. Eine Verzweiflung, die um sich greift.

Kein Mensch, flieht freiwillig. Keiner. Das ist kein Spass. Es ist zum Teil das pure Überleben und die bittere Notwendigkeit. Der Traum von einem besseren Leben.

Auf der einen Seite sagen alle, dass wir mehr Arbeitskräfte brauchen und auf der anderen Seite sind Menschen, die arbeiten wollen und können, die dies zum Teil sogar tun und trotzdem keine Perspektive bekommen. Juristisch kann ich es erklären, verstehen kann ich es schon lange nicht mehr.

Der Mann jedenfalls hat sich in der Verzweiflung selbst verletzt. Was folgt sind endlose Stunden des Verhandelns zwischen der Polizei, Angehörigen und ihm, der in seiner Wohnung ist und verzweifelt

Und am Ende gelingt etwas, was für den Moment unwahrscheinlich ist. Die Landesdirektion bescheinigt, dass er für heute nicht mehr abgeschoben wird und auf meine Intervention hin, wird dies schriftlich mitgeteilt.

Und auf einmal ist da ein Zeitfenster, ein Funke Hoffnung, eine letzte Möglichkeit mit einem Eilantrag die Geschichte zu kippen und vielleicht doch das bleiben zu ermöglichen.

Eine Funke Hoffnung, der brennt. Und es gelingt in den Verhandlungen auch die Situation zu deeskalieren. Anders als vor 3 Jahren, gibt es keine Eskalation, keine Festnahmen. Die Versammlungen lösen sich auf, die Polizei fährt weg und es bleibt friedlich.

Viele Menschen, sagen wessen Asylantrag abgelehnt wurde, der soll gehen. Stimmung wird gemacht. So als wäre die Welt schwarz/ weiß und ganz einfach.

Aber auch wir tragen dazu bei, dass Menschen fliehen müssen, weil wir die Umwelt zerstören, die Märkte abschotten und damit auf Kosten der Länder des globalen Südens, die vor allen Dingen als Absatzmärkte gesehen werden, eine Neokolonialisierung durchführen.

Wir wollen gern in Wohlstand leben aber das dieser Wohlstand einen Preis hat, blenden viele aus. Was geht uns das Elend der Anderen an?

Wären wir soziale Wesen, eigentlich viel. Aber es ist leicht, nur sich zu sehen und seinen eigenen Wohlstand. Hohe Gaspreise? Am besten Frieden mit einem Diktator. Die Menschen, die er überfallen hat sind egal.

Kriege haben Ursachen. Ursachen, die auch bei uns liegen. Elend hat Ursachen, Ursachen, die auch bei uns liegen.

Auch das ist unsere Verantwortung. Aber es ist leid, dass millionenfache Elend auszublenden und erstmal zu fordern, dass es einem selbst gut geht.

Diese Welt ist nicht gerecht. In dieser Welt zählen Menschenleben und Schicksale recht wenig.

Und trotzdem sind da so viele Menschen, die helfen, die sich einsetzen, die für einander einstehen.

Hallo Hoffnung, früher warst du doch gern hier…

 Was geschah in der Nacht in Leipzig.- le0907

 

Kurz vor 22 Uhr kamen die ersten Meldungen aus der Hildegardstr im Leipziger Osten. Anfänglich 20-30 Personen hatten sich spontan entschieden gegen eine Abschiebung zu demonstrieren. Diese Demonstration erhielt rasch Zulauf und wuchs bis auf etwa 4-500 Personen an. Von mehreren Personen vor Ort wurde ich gg 22 Uhr kontaktiert mit der Bitte als Anwalt vor Ort zu erscheinen. Weiterlesen “ Was geschah in der Nacht in Leipzig.- le0907″

Amberg/ Bottrop /Cottbus – Deutschland 2019.

Ein Beitrag zum Umgang mit den Geschehnissen in Amberg und Bottrop und Essen, sowie über die Debatte damit.

Die Fakten:
In Amberg schlagen 4 alkoholisierte Jugendliche wahllos auf Passanten ein. Insgesamt 12 Personen werden verletzt. Es handelt sich bei den Personen um Asylbewerber was im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielen wird. Weiterlesen „Amberg/ Bottrop /Cottbus – Deutschland 2019.“

Scheindebatten

Ich frage mich ja besorgt, wann wir einen Weg aus den Scheindebatten finden.
Es wird suggeriert, dass Deutschlands größtes Problem die Geflüchteten sein. In der Folge dieser Annahme bekommt dieses Thema angesichts der Tatsache, dass die Zahlen von Asylsuchenden längst wieder auf dem Stand von 2014 sind, eine der Größenordnung völlig unangemessene Bedeutung. Davon profitiert genau die Partei (und nur die), die die ganze Zeit behauptet, dass Geflüchtete das Problem seien.

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Zur juristischen Bewertung der Aussagen von Seehofer und Kretzschmer zum Thema Lifeline

Fassen wir zusammen #Seehofer will keine Präzedenzfälle schaffen und daher die Crew der Lifeline ggf. bestrafen und #Kretzschmer, Sachsens Ministerpräsident will nicht helfen sondern sichere Häfen in Lybien und Syrien ansteuern.

Vielleicht ein wenig zur Aufklärung, der juristisch offensichtlich unbeleckten:

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Der Fall Susanna. – ein Kommentar

Ein junges Mädchen ist getötet worden. Die Hintergründe der Tat sind noch offen. Es gibt einen dringenden Tatverdächtigen, der das Land verlassen hat.

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