Fehler, in eigener Sachen oder Probleme mit RB Leipzig ist unpolitisch um jeden Preis.

Das ich sicher nicht der größte RB Leipzig Fan auf Erden bin ist hinreichend bekannt. Ich stehe dem Verein aus verschiedenen Gründen mit einer gewissen Distanz gegenüber und nicht nur deswegen weil ich ursprünglich LOK Leipzig Fan war und dem Verein nach wie vor wohlwollend gegenüberstehe, auch wenn ich inzwischen Vereinsmitglied des Roten Stern Leipzig bin sondern auch aufgrund der Marketingidee des Vereins.
Am Wochenende liessen mehrere Nachrichten mich aufhorchen.

Zum einen, dass der Verein nach einer Studie, zitiert im kreuzer – Das Leipzig Magazin, der Bundesligaverein mit den meisten rechten Fans sei und zum anderen die Aussage, dass der Verein sich nicht vor jeden Karren spannen lasse wolle, wie der Trainer äußerte und damit die Ablehnung begründete warum der Verein keine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben tragen werde, wie dies etwa bei Wolfsburg der Fall ist.
Der Verein hält einen klaren keine Politik im Stadion Kurs. Dies bewog mich zu folgenden Tweet:

„Das der Trainer von @DieRotenBullen keine Spielführerbinde in Regenbogenfarben will, weil man sich nicht vor jeden Karren spannen lassen will, zeigt das der Verein zunehmend ein rechtes Problem hat. #RBLeipzig #nonazis“

Es folgte was folgen musste: ein Shitstorm. Auf der Seite von anomynous.ru wurde ich als Ökofaschist verunglimpft, der alle Fans als Nazis bezeichnet hätte. Die Seite wurde vielfach geteilt. Eine Einordnung erfolgte nicht.

Der Rotebrauseblogger notierte dazu: „Die Reaktionen unter seinem Ursprungstweet verwiesen aber in ihrer teilweisen Hässlichkeit und Aggressivität auch auf ganz grundlegende Probleme in Sachen Toleranz- und Argumentationskultur.“

Auch auf Facebook teilten mehrere Seiten dankbar den Tweet um aggressiv Stimmung zu machen. Angefangen bei der rechtsextremen Seite „Thügida/Wir lieben Sachsen“, die auch an den Aufmärschen in Chemnitz und Köthen beteiligt war, bis hin zum Zwickauer AfD Politiker Przybylla.

An dem social media Shitstorm beteiligte sich neben ausdrücklich rechtsextremen Seiten auch der Leipziger CDU Politiker Ansbert Maciejewski, immerhin Fraktionsgeschäftsführer. Unter seinem diesbezüglichen Post waren auch mehrere ausdrückliche Beleidigungen, wie die das ich etwa ein „Dummbrot“ sei. Eine Reaktion erfolgte darauf nicht, außer dass Maciejewski eine Beleidigungen von Broten sah. Eine seltsame Entgleisung eines Lokalpolitikers einer demokratischen Partei, die aber stellvertretend für die Verrohung der Sitten ist.

Man kann sich über den Ausgangstweet, der mitnichten irgendjemanden zu Nazis erklärte, aufregen und das ganze kritisieren. Beleidigungen sind keine Form der Auseinandersetzungen.

Dass ich den Tweet später relativierte,

Zur Klarstellung: meine Kritik an war überzogen und undifferenziert. Ich finde die Aussage, dass der Verein um jeden Preis unpolitisch sein will problematisch. Deswegen ist der Verein aber noch nicht Rechts.

mich entschuldigte und deutlich machte, dass ich die Haltung des Vereins unpolitisch um jeden Preis sein zu wollen kritisch finde, der Verein deswegen aber noch nicht rechts ist, wurde von den meisten nicht mehr zur Kenntnis genommen. Die Bestätigung der eigenen Annahme und der Applaus des Mobs, schienen auszureichen. Oder anders gesagt: Fakten interessieren micht nicht, ich hab mir mein Bild schon gemacht.

In einer Zeit, wo wir auf der Straße das offene in Frage stellen der gesellschaftlichen Grundwerte der Demokratie erleben, reicht es eben nicht aus zu sagen, dass man mit Politik nichts zu tun haben wolle. Gerade Sportvereine haben eine gesellschaftliche Verantwortung und das allgemeine Eintreten für die Grundwerte der Demokratie ist das Minimum, dass man jedem Verein abverlangen kann. Etliche Bundesligavereine wie Dortmund, Bremen, Frankfurt, Wolfsburg zeigen dabei immer wieder klare Kante für Demokratie.
Gerade sächsische Vereine stehen dabei unter besonderer Beobachtung. Und gerade vom einzigen ostdeutschen Bundesligaklub, sofern man es so sehen will, kann man in diesen Zeiten eine positive Vorbildwirkung erwarten. Leipziger Vereine wie LOK Leipzig, die BSG Chemie sind dort wesentlich weiter.

Abermals der Rotebrauseblogger: „Erst vor diesem Hintergrund wird die ‚keine Politik im Stadion‘-Linie von Ralf Rangnick problematisch. Weil ihr die alltägliche Entsprechung fehlt, in der Stadt wahrnehmbar für eine weltoffene, partizipative Idee zu stehen. Dann nimmt man aber auch in Kauf, dass einem nicht unwesentlich auch Menschen für ’no politics‘ zujubeln, die froh sind, überhaupt nicht mit Themen wie Rassismus, Homophobie, Antisemitismus in Kontakt kommen zu müssen, weil sie sich davon generell belästigt fühlen.

Ohne davon auszugehen, dass die gesellschaftliche Verankerung eines Vereins ein Allheilmittel zur Lösung der Probleme der Welt wäre und auch trotz Wissen, dass ein Verein seine verbindende Funktion schlicht auch über den Kick selbst bezieht, bleibt halt eine Vernetzung mit Stadtgesellschaft und eine Sichtbarkeit in dieser als Zeichen für die nachhaltige Positionen eines Vereins wichtig (auch im Sinne einer Grenzziehung Richtung eigene Fans). Die Parole ‚Politik hat im Stadion nichts zu suchen‘ mag das Bedürfnis nach Konfliktfreiheit befriedigen, ist aber in ihrer Signalwirkung (mal jenseits einer rigideren Spieltagspraxis) weiterhin wenig hilfreich.“

Was bleibt ist ein Verein, der lieber unpolitisch sein sill als sich klar für die Grundwerte der Demokratie auch im Stadion auszusprechen und etliche rechte, für die mein undifferenzierter Tweet anlass war um erneut Stimmung gegen „Ökofaschisten“ zu machen. Damit wird deutlich die gesellschaftliche Stimmung macht auch vor dem Stadiontor nicht halt.

Ich halte es daher mit den Schwabenballisten, die fordern, dass der Verein an der Seite derjenigen stehe, die sich für die demokratischen Grundwerte einsetzen

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Über die Debatte #Özil

Ja, die Diskussion um den Nationalspieler Özil kann man führen aber diese Diskussion zeigt vor allen Dingen eins, die Spaltung der Gesellschaft lässt sich nicht mehr durch Fußball verdecken.

Es gibt an dieser Stelle keine richtige Seite und es überrascht, wer und in welcher Tonalität sich dazu äußert. Es zeigt, dass der Fußball immer schon politisch war und in Zeiten der Krise die Brüche offen zu Tage treten, die sonst durch den Erfolg gekittet werden. Weiterlesen „Über die Debatte #Özil“

Eines langen Tages, Reise in die Provinz… oder ein normales Fußballspiel in Sachsen.

Der Rote Stern Leipzig traf am 15.10.2017 auf den TSV Schildau. Siebte Liga Sachsen. Ein nicht ganz normales Fußballspiel aber vielleicht deswegen doch alltäglich, zumindest hier in Sachsen.

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Sonntag, Sommer, Sonne RSL99

Sonntag, Sommer, Sonne und neben dieser Alliteration auch ein Fußballspiel. Kein ganz normales, siehe den hier stehenden Blogbeitrag.
Jedenfalls war Borna bei Roter Stern Leipzig zu Gast, Und neben knapp 600 Zuschauern in der siebten Liga und einem eigens abgetrennten Gästebereich mit 8 Bornaer Fans, die von 15 Ordnern bewacht wurden gab es auch ein ansehnliches Fußballspiel und gleichzeitig den CSD Aktionstag, um deutlich zu machen, dass Homophobie wirklich gar nicht geht. Dazu gab es dann auch passende Infostände. Weiterlesen „Sonntag, Sommer, Sonne RSL99“

(K)ein normales Fußballspiel in Sachsen: Roter Stern Leipzig gegen Borna, 27.08.17

Zu einem anderen Thema, einer Geschichte, die man immer wieder erzählen muss. Am 11.01.2016 überfielen mehr als 250 neonazistische Hooligans während einer Veranstaltung des LEGIDA eV den Leipziger Stadtteil Connewitz und zerstörten Läden, griffen Menschen an und zogen eine Spur der Verwüstung hinter sich her.

Weiterlesen „(K)ein normales Fußballspiel in Sachsen: Roter Stern Leipzig gegen Borna, 27.08.17“