Warum fühlen sich Menschen bedroht? Von Veganern, Flintas und Co.

Es gibt ja viele Dinge, wie ich gelernt habe, dass Menschen ihre persönliche Freiheit bedroht sehen und sich bevormundet fühlen.

In Dresden hat sich zum Beispiel eine „vegane Fleischerei“ einen hübschen Shitstorm eingefangen weil allein die Nachricht, dass es eine vegane Fleischerei gibt, offenbar bei einigen unruhigen Zeitgenossen, in einheimischen mit freudlosen Klopapier ausstaffierten Prepper- und/ oder Meinungsbunkern sämtliche Alarmglocken leuten.

Natürlich können ja die überkorrekten anmerken, dass vegane Fleischerei ein Widerspruch in sich sei. Ja und, möchte man fragen. Und genauso trotzig möchte man fragen, ja und, wenn die Verfechter der korrekten Normung sagen, dass man die Bezeichnung ändern muss, weil eine Leberwurst, die nicht aus Fleisch besteht, die Bezeichnung nicht tragen darf.

Die Beispiele mit Scheuermilch, die keine Milch ist und nur so aussieht oder der Leberkäse, der ebenso wenig mit Leber und Käse zu tun hat, wie die vermeintlichen Fischburger mit Fisch bei McDoof sollen hier nicht verschwiegen werden.

Wir lernen: es gibt irreführende Bezeichnungen, die so etabliert sind, dass sie ok sind aber wehe jemand kommt auf die Idee vegan zu leben und Produkte herzustellen und zu verwenden, die an fleischliche Äquivalente erinnern. Dann droht mindestens das Abendland unterzugehen. Das ein Großteil der Lebensmittel, dank der Lebensmittelindustrie, leicht irreführend sind, dürfte den meist bekannt sein. Ein Crispy Sandwich ist nicht deswegen gesünder weil man statt frittiert, was nach triefenden Altöl klingt, sämtliche frittierfähigen Produkte als crispy bezeichnet, was leicht und hip klingt.

Ebenso wie das Abendland unterzugehen droht, wenn nonbinär lebende Menschen oder Flinta Personen gleiche Rechte fordern. Offensichtlich, so lerne ich aus vielen abwertenden Kommentaren, sind es primär Männer, die sich von Personen, die nicht in klassischen Rollen verhaftet sind, in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen.

Aber wie fragil muss man sein, damit man sich von Menschen bedroht fühlt, die anders lieben als man selbst? Fürchtet da möglicherweise ein Teil der sich echauffierenden Männer, selbst ein wenig schwul zu werden?

Es ist halt unglaublich einfach sich in der Gesellschaft der Aufregung, an Dingen aufzuregen, seine Wut und Unsicherheit auf andere zu übertragen und diese für alles Unbill verantwortlich zu machen.

Ich zum Beispiel fliege kein Flugzeug, fahre kein Auto und esse kein Fleisch. Ich bin deswegen kein besserer Mensch oder moralisch überlegen. In völliger Unschuld habe ich aber meine Lebensweise auf Twitter veröffentlicht und mir dafür hunderte Kommentare eingefangen, die sich dadurch getriggert fühlen. Die Furcht, vor dem anderen.

Soziologisch übrigens nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen bereits dann herausgefordert fühlen, wenn ein anderer Mensch sich zum Beispiel besonders gewählt ausdrückt oder anders lebt. Es ist halt die Furcht, die uns alle fasziniert.

Von daher gilt manchmal vielleicht einfach auch Leben und leben lassen.

„Überfremdung, die“ – Ein Beitrag in Zeiten der Idiotie.

Das neue Jahr ist noch keine 76 Stunden alt und schon werden, wie regelmäßig nach Silvester, politische Schlagworte durch den Raum geworfen um damit Aufmerksamkeit zu generieren. Politisches Bullshitbingo halt.

Die Vertreter der bedingungslosen Böllererlaubnis, zumindest einige von Ihnen, meinen nun ergründet zu haben, worin das Problem liegt: an einer „kulturellen Überfremdung“.

Eine FDP Bundestagsabgeordnete spricht von Überfremdung, ein CDU Bundestagsabgeordneter vom „westasiatischen Phänotypus, dunkler Hauttyp“. Und ein Vertreter der Zeitung die Welt verteidigt seine Lieblingsfloskel „Freiheit“ damit, dass er anpreist, dass mutige Politiker endlich sagen was Sache ist.

Er meint: Was ich für richtig halte, damit ich weiter böllern darf.

Klassische Argumente des kulturellen Rassismus, die von rechts außen bis in die Mitte der Gesellschaft eingesickert sind.

Nicht die Herkunft macht eine Person zum Täter.
Ansonsten müsste man bei vielen rechtsextremistischen Straftaten auch über den „ostdeutschen Phänotyps mit hellen Hauttyp“ sprechen.

Die Behauptung wird aufgestellt, dass man mit der Begrenzung der Zuwanderung, dass Problem der Randale bekämpfen würde.

Klassisch wird dem Volk ein „Sündenbock“ angeboten, auf den die Ängste und Wut umgelenkt werden. Ein klassischer Sündenbock: „der Ausländer bzw in der Neuzeit der Muslim“ war es.

Man gaukelt dem Volk vor, tatsächlich etwas zu tun bzw. findet im erweiterten Kulturkampf die Begründung warum sich nichts ändert, weil die links-grünen Eliten, die „Umvolkung“ betreiben.

Gezielt wird Empörung hervorgerufen, umgelenkt auf eine Gruppe, und damit eine Scheinlösung angeboten. Dass damit der Rassismus und damit die Abwertung von Gruppen befeuert wird, ist der notwendige eingepreiste Kollateralschaden.

Kritik an dieser Art der Debatte wird abgecancelt damit, dass man „mundtot“ gemacht werden solle, gar die „Cancel Culture“ am Werk sieht, weil man ja die Wahrheit sage, die das vermeintlich linke Establishment nicht hören wolle.

Würde es wirklich um eine Problemlösung gehen, müsste man sich fragen, was sind die Gründe für die Randale, woher kommen sie.
Dann müsste man die Ursachen analysieren, die vielfältiger sind als vermeintliche Schlagworte vermuten lassen und die auch mit Ghettoisierung, Perspektivlosigkeit, Integrationsproblemen zusammenhängen können.

Und wenn man schon Schlagworte einstreuen will, warum wird dann nicht darüber gesprochen, dass „Männer“ das Problem sind. Es sind nämlich vornehmlich Männer, die Silvester randalieren, Frauen sexuell belästigen, Schlägereien anzetteln und sich einzelne Körperteile amputieren.

Warum wird also nicht stärker darüber gesprochen, dass Gewalt vornehmlich männlich ist?

Warum wohl? Nun, es würde einen Aufschrei geben, für eine derartige unzulässige Pauschalisierung obwohl eine Korrelation auf der Hand liegt.

Und deswegen möchte ich im Duktus der Debatte auch dazu beitragen und sagen, dass Problem ist der „Phänotypus testosterongeladener Mann“.

Auch ein Sündenbock und diesmal zu Recht.

Silvester und Traditionen – dass wird man ja wohl noch sagen dürfen müssen.

Es ist ein guter Brauch, dass alte Jahr würdig zu verabschieden und sich auf das neue Jahr zu freuen. Man trifft sich im Familien- oder Freundeskreis, einige nehmen sich sogar Dinge vor, die sie nach 2 Monaten wieder vergessen haben, es aber diesmal wirklich durchziehen wollen, andere betrinken sich einfach oder ziehen halt einfach was durch.

2022 war irgendwie nicht so schön. Die Jahre davor aber auch nicht und das nächste Jahr wird auf jedenfall besser, bis das neue Jahr da ist und spätestens nach den ersten Wochen oder vielleicht sogar Monaten seinen Reiz wieder verloren hat. So richtig viele Anzeichen das etwas besser wird, im Angesicht multipler sich gegenseitig überlagender Krisen, gibt es zwar nicht außer das etwas neu ist aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Daran knüpft der nächste schöne Brauch an, nämlich nach den ersten paar Wochen, die Bitte und den Wunsch in den sozialen Medien zu äußern, dass man doch das letzte Jahr gern nochmal sehen wolle, weil angesichts des aktuellen Geschehens, war es vielleicht doch nicht so schlecht, sondern nur verdammt unterbewertet.

Kurz: spätestens im Mai ist der Lack ab und zwar so richtig. Dann kommt aber erstmal noch der Sommer und das schöne strahlen und ein bisschen Urlaub machen alles wieder erträglicher, bis man dann in der zweiten Jahreshälfte die Tage wieder sehnsüchtig rückwärts zählt um auch das Jahr zu verabschieden, damit bald alles besser werde. Aber dann so wirklich und richtig.

Zur würdigen Verabschiedung gehört natürlich auch der Alkohol dazu, dessen verantwortungsvoller Umgang in Deutschland quasi von Anfang an gelehrt wird, wie uns immer wieder von den Vertretern der Alkoholindustrie gelehrt wird, die aber vehement Gras beispielsweise ablehnen. Macht ja auch Sinn, etwas das verboten ist, kann man nicht verantwortungsvoll konsumieren. Und bei nur 5 % Prozent Alkoholkranken, was ungefähr dem Alkoholwert eines durchschnittlichen Biers entspricht, hat das ja mit der Eigenverantwortung gut funktioniert, was auch die vielen Verkehrsunfälle beweisen.

Wobei das mit verantwortungsvoll und Eigenverantwortung ist ja auch ein schwieriges Thema. Und viele Menschen zeigen ihre Schwierigkeiten im Umgang mit dem Thema Tag für Tag um dann zum Ausgleich „Freiheit“ zu blöken, was zwar ein wenig redundant und meistens sinnbefreit ist und ein Argument ohnehin nicht ersetzt, aber wenigstens den eigenen Trotz des selbsterklärten „Widerstandskämpfers“ erklärt.

Zur „Freiheit“ gehört für viele dazu, insbesondere für viele Vertreter des rechten Randes, die den vermeintlich Moralaposteln und dem Tugendterror es so richtig zeigen wollen, dass man Feuerwerk steigen lässt.

Es würde sich dabei um einen alten Brauch handeln. Bemüht werden dann meistens die Germanen, die zwar nur ein Sammelbegriff sind und mit Feuerwerk gar nichts am Hut hatten aber immerhin.

Würde man also getreu eines germanischen Stammes handeln, was bestimmt viel schönes hätte, würde man mit Rasseln ein wenig Lärm machen und mit knappen Lendenschurz und ggf. Fellbemützt durch die Lande ziehen um die bösen Geister also „Wuotan“ mit seinem Gefolge und die Dunkelheit zu vertreiben.

Wenn diejenigen, die also meinen sich auf germanische Stämme beziehen zu müssen, konsequent wären, sollten sie auch zur Wintersonnenwende feiern und zwar bitte im entsprechenden Outfit. Das wäre wenigstens historisch richtiger.

Einige neuzeitliche Genossen erinnern in ihrem Benehmen tatsächlich an einen germanischen Stamm, nämlich den der Vandalen, auf die der Begriff des Vandalismus zurückgeht, zwar zu Unrecht und nur weil sie in Rom einmarschiert sind, aber immerhin.

Da wird dann ohne Rücksicht geböllert und gedonnert und auf jede Diskussion zur Einschränkung mit „Freiheit“, s.o. oder „Tugendterror“ argumentiert.

Dass das Feuerwerk ursprünglich aus China kommt zur Zeit der Song- Dynastie und mit Silvester nichts zu tun hatte, spielt in sich verknappenden Argumentationsketten, die von Tradition säuseln und dabei alles wild zusammenhauen, als wäre es ein Raclette – immerhin auch ein Silvesterbrauch, keine Rolle.

Die bösen Geister werden dann sinnigerweise auch von denjenigen als Argumentationsgrundlage herangezogen, die sich selber als Atheisten sehen und vermutlich weder „Wuotan“, noch die „wilde Jagd“ oder mit dem Begriff „Rauhnächte“ etwas anfangen können und Jesu für einen raffinierten Vodka halten oder eine Postmetalband, die es aber im Gegensatz zum Vodka wirklich gibt.

Böllern jedenfalls gehört für einen geringer werdenden Teil dazu und wird umso entschiedener gegen jede/n verteidigt der es wagt, dies in Frage zu stellen.

Das Ergebnis ist dann in der Nacht zu besichtigen, wenn Rauchschwaden und Brandgeruch in der Luft liegt, Lichtblitze die Nacht durchzucken und Sirenen verkünden, dass das mit der Eigenverantwortung wieder nur so semi gut geklappt hat. Ist halt ein bisschen wie Krieg, um dann demnächst wieder für Frieden demonstrieren zu können.

Übrigens erhöht Silvesterfeuerwerk automatisch die Raumtemperatur wenn man es in den eigenen vier Wänden steigen lässt. So als Geheimtipp.

Dabei will ich hier gar nicht mit dem moralinsauren Zeigefinger argumentieren, was mir als Vertreter einer neoliberalen Verbotspartei gleichwohl gut zu Gesicht stehen würde, sondern nur an die Rücksichtnahme erinnern und daran, dass es weniger schön ist, andere Menschen mit in Festlichkeiten einzubeziehen und mit vermeintlichen Traditionen zu bewerfen, die das vielleicht gar nicht wollen.

Aus Gründen des Aberglaubens, der hier ebenfalls bemüht werden soll, bringt es im übrigen Unglück wenn man die Wäsche zwischen den Feiertagen wäscht. Möglicherweise reicht es ja auch aus um böse Geister fernzuhalten, wenn man die schönen Camp David und Yakuza Sachen nicht wäscht und fröhlich und souverän vor sich hin müffelt. Mein Eindruck ist, dass das schon gar kein Geheimtipp mehr ist sondern gut eingeübte Praxis.

Möglicherweise kann man aber einen Ausgleich schaffen, indem man eine Hexe verbrennt und trotzdem wäscht. Für die Freunde, mehrheitlich Männer, die sich gern auf Traditionen berufen, wäre das doch im Wortsinn ein ganzer heißer Tipp,

Alles was ich sagen will, ich wünsche euch alles Gute, so vom ganzen Herzen.

Und das mit der Rücksichtnahme und Eigenverantwortung können wir uns ja für nächstes Jahr als guten Vorsatz auf den Zettel schreiben und es diesmal so wirklich durchziehen, also bis mindestens Februar oder so.

Euer Jürgen.

Fahrrad fahren in der Stadt ein schwieriges Thema.

Fahrrad fahren.

Fahrrad fahren in Leipzig ist eine Grenzerfahrung und zwar in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist da die Stadt der Diebe. Fahrräder werden geklaut und dann halt auch mal durch die Polizei verhehlt, Leipzig Insider wissen was gemeint ist.

Trotz der Idee Fahrräder codieren zu lassen oder mit Schlössern auszurüsten, die Signale an ihre Besitzer senden, wenn sie widerrechtlich geöffnet werden, ist die Erfolgsquote gering. Selten bekommt man sein Fahrrad wieder. Eine Fahrradversicherung ist meist teuer und spätestens nach dem 2 geklauten Fahrrad ohnehin passe.

Es gibt die Gelegenheitsdiebe, die schlecht gesicherte Räder sich quasi „ausborgen“. Dann gibt es die Beschaffungskriminalität, wo Räder entwendet, auseinandergebaut und weiterverkauft werden und die Banden, die quasi mit Lieferwagen des Nachts unzureichend gesicherte Räder mit Schloss einladen, in Hinterhöfen und Garagen knacken und dann per LKW weiterverkaufen, meist Richtung Osten.

Hin und wieder landet dann so eine Lieferung auch mal bei der Polizei und dann ja, ähm, siehe oben.

Wer ein Fahrrad sein eigen nennt und noch nicht bestohlen wurde, ist in Leipzig noch nicht angekommen, sagt man.
Freund:innen wurden sogar aufwändig angefertigte Einzelräder, die angeschlossen im abgeschlossenen Kellerabteil standen aus diesem entwendet.

Seit dem ich hier lebe: Bin ich 5 Fahrräder los geworden.
1 X Raub, sehr unangenehm.
1 x Einbruch in den Keller
1 x aus dem Hausflur, gut das Haus lag direkt neben dem Gefängnis.
1 x mal nach einem Unfall, das Rad war halt dann einfach weg.
1 x mal aus dem Hof des Wohnhauses. Immerhin der Kindersitz wurde mir gelassen.

2 mal wurde zudem der Sattel geklaut, wobei in einem Fall, dann ein anderer Sattel mit Stange, die allerdings nicht passte zurückgelassen wurde. WTF? WTF!

Nicht selten bin ich Morgens schweißgebadet aufgewacht, wissend, dass ich vergaß das Rad mindestens mal im Hausflur anzuschließen. Noch im halboffenen Bademantel mehrere Stufen auf einmal nehmend, die Treppe herunterhastend um dann doch mit einem tiefen Seufzer festzustellen, dass mein treuer Gefährte, nicht in die freie Wildbahn entlaufen ist.

Neben den Gefahren des Diebstahls, die man etwas senken kann, indem man sein Fahrrad immer an etwas anschließt und Nachts nicht draußen stehen lässt, lauern die Gefahren des Straßenverkehrs.

Zum einen der Kampf aller gegen Alle und zum anderen Straßen, die liebevoll mit Scherben und anderen Utensilien belegt wurden. Es scheint in Leipzig offenbar Brauch zu sein, an verschiedenen Stellen in der Stadt Straßen und Fußwege liebevoll mit Dingen zu bedecken, die dort nicht hingehören. Da gibt es die zurückgelassenen Glasflaschen in Puzzleform nach öffentlichen Gelagen (in einigen Stadtteilen scheinen öffentliche Gelage und Scherbenpuzzle quasi Alltag zu sein, belastbare Zahlen gibt es dazu leider nicht), Tassen und Porzellan in scharfkantiger Form, Unrat und eben auch ganze Nägel.

Wer regelmäßig fährt lernt früher oder später auf die harte Form, dass man standardmäßig in Leipzig mit Manteln in Form des Schwalbe Marathon oder anderer lang haltbarer Mäntel fährt. Tut man es nicht, bekommt man Gelegenheit quasi wöchentlich an seinen Skills im Schlauchwechsel und Fluchen zu arbeiten.

Und dann ist natürlich noch der regelmäßig besungene Kampf aller gegen Alle. Thomas Hobbs hätte am Leipziger Straßenverkehr Freude gehabt.

Radfahrer:innen gegen Autofahrer:innen gegen Fußgänger:innen. Fußgänger, denen es quasi egal ist, wenn sie auf einem deutlich markierten Radstreifen laufen und sich dann quasi noch aufregen, wenn man fröhlich klingelnd Rücksichtnahme einfordert. Radfahrer:innen, die Fußwege als dornige Chancen mit erhöhtem Slalomfaktor verstehen und Autofahrer:innen, die die Straße als natürliches Habitat verstehen und jedweden Eindringling in dieses Habitat entweder mit Nichtachtung strafen, was nicht selten zu Unfällen führt oder gleich direkt mit drohenden Gebärden meinen zur Räson bringen zu können.

Hupen und überholen mit dem Höchstabstand von 20 cm keine Seltenheit. Mitunter fühlen sich dann Radfahrer:innen motiviert dem „Platzhirsch“ die Meinung zu sagen und mit Fußtritten Platz einzufordern, was mitunter dazu führt, dass sich dann die Autofahrer:innen vor Gericht über die Ungerechtigkeit der Welt und ihr Opferdasein erklären können, während ich auf der anderen Seite, die „bösen“ Radfahrer:innen vertreten darf.

Kurz, es ist kompliziert.

Und noch bei jedem neuen Radstreifen auf der Straße, der die Platzverhältnisse neu regelt erhebt sich der Sturm der Vereinigung der unschuldig entrechteten SUV Fahrer:innen, die mit Lenkrad und Hupe und 2 Tonnen Blech ihr Habitat meinen verteidigen zu müssen.

Es bleibt kompliziert.

Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in Leipzig sind leider auch eher knapp. Schilder, die freundlich darauf hinweisen, dass man hier Räder bitte nicht abstellen möge um den wertvollen mit Feinstaub bedeckten Putz, an vergilbten Hauswänden, zu schützen allerdings nicht.

Einen Fahrradbügel am Hauptbahnhof zu erwischen gelingt meist nur wenn man bis um 7 Uhr da ist. Danach müssen Laternen, Bauzäune, Verkehrsschilder und Bäume herhalten weil viele instinktiv wissen, dass Fahrräder nur an sich selbst abzuschließen und für längere Zeit zu entschwinden keine sinnhafte Idee ist, außer man braucht für sich selbst eine Rechtfertigung um ein neues Rad zu kaufen.

An viele Stellen in der Stadt findet man dann zur allgemeinen Warnung ausgestellte Fahrradskelette, die vor dem Radfahren warnen und die mitunter von der Stadtverwaltung liebevoll mit Zetteln geschmückt werden.

Gut auf den Zetteln steht auch nur, dass das Skelett, sollte sich der Besitzer nicht zeitnah einfinden, innerhalb der nächsten Wochen beseitigt wird.
Innerhalb der nächsten Woche ist dabei ein dehnbarer Zeitpunkt. Ich glaube, dass die Anzahl derer, die einen halbverrosteten Rahmen, ohne alles, der noch irgendwo angeschlossen rumliegt ihr eigen nennen, diesen dann einsammeln, nachdem die Stadt freundlich mit einem Zettel darauf aufmerksam gemacht hat, gering ist. Aber das ist nur ein Glaubenssatz.

Alles jedenfalls schwierig.

Nicht verhehlen will ich auch, dass ich mir gestern einen Nagel eingefahren habe, was mir erst durch das seltsame metallische Geräusch auffiel, das entstand als der Nagel an der Innenseite des Schutzbleches Kontaktversuche unternahm. Wie durch ein Wunder blieb der Schlauch unverletzt und ich zwar mordsmässig angefressen und dann doch wieder befriedet.

Es ist halt manchmal auch alles nur halb so schlimm. Zum Beispiel auch so wie dieser Text.

Nehmt Rücksicht aufeinander. Klaut keine Räder, verteilt keinen Dreck und achtet das Leben von Fußgänger;innen und nun ja, nicht alle Autofahrer;innen sind Schweine, manche allerdings schon. Genauso wie Radfahrer:innen und Fußgänger:innen. Möglicherweise weil es alles Menschen sind.

Sachen in Sachsen. (Satire)

Unfassbares aus Sachsen.

Gestern wollten erneut sogenannte Querdenker in Dresden einen „Spaziergang“ machen und zwar in der Nähe des Dresdner Universitätsklinikums.

Eine Reihe von Student*innen wollten dies aber nicht unkommentiert lassen und stellten sich mit Kittel und Maske, sowie Schildern vor das Klinikum um ihrerseits ein Zeichen gegen den von Verschwörungsfans und Rechtsextremen verbreitet Unsinn zu setzen.

Weiterlesen „Sachen in Sachsen. (Satire)“

Lach und Krachgeschichten, diesmal der sächsische Verfassungsschutz warnt vor „linksextremistischen“ Kampfsportlern.

Der sächsische Verfassungsschutz warnt, klingt immer ein bisschen als kommt jetzt eine schlecht platzierte Pointe. Klingt komisch ist aber so.
Wer erinnert sich nicht daran, wie frühzeitig der VS in Sachsen etwa vor dem NSU gewarnt hat und zwar unmittelbar nachdem sich der NSU quasi selbst aufgelöst hat.

Oder daran wie zuverlässig der VS vor Neonazis bei PEGIDA gewarnt hat, also ungefähr Jahre später oder davor, dass bei den Corona Demos Rechtsextreme den Ton angeben. Also nicht etwa bevor etwas passiert sondern zuverlässig immer erst danach.

Credo: immer erst dann eine Warnung herausgeben, wenn das Haus schon in Flammen steht, zumindest auf der rechten Seite. Denn erst wenn alles brennt kann man sich sicher sein, dass auch wirklich etwas zerstört wird.

Aber warnen ist wichtig und der neue Mann an der Spitze, lobt dann auch schon mal die „Analysefähigkeit“ der Behörde.
„Diese schließt ein rechtmäßig erlangtes wie qualitativ hochwertiges Erkenntnisaufkommen ein, ebenso eine fachlich qualifizierte Bewertung dieser Erkenntnisse.“ Ein Satz voller Ironie aber leider nicht zum Lachen, weil man es ernst meint und sich wahrscheinlich selber noch für toll hält.

Ein Satz der zum Schmunzeln anregt bzw. Heulen also zum „Lachweinen“. Gerade erst hat man festgestellt, dass der VS massenhaft Daten gespeichert hat, die er gar nicht hätte speichern dürfen. Warum etwa der VS speichert, dass Person XY auf einer Antinazi Demo war, erklärt sich nicht. Auch nicht was daran rechtmäßig sein soll. Außer nichts.

Vor 2 Jahren hat der VS davor gewarnt, dass es in Sachsen eine „linksextreme Musikszene“ gebe. Eifrig hat man 11 Bands aufgezählt. Vorwurf, diese würden sich in ihren Texten mit linken Themen wie Antifaschismus, Gentrifizierung und Kapitalismus auseinandersetzen.

Und wir wissen wer in Sachsen sich mit Antifaschismus auseinandersetzt, der gerät schnell mal ins Visier der notorisch rechts blinden und links doofen Verfassungsschützer.

3 Bands haben dagegen geklagt. Und die Verwaltungsgerichte haben die Warnung kassiert mit einer schallenden Ohrfeige für den VS. Die Nennung der Bands ist rechtswidrig, weil der VS selber schon gar keine Gründe für angeblichen „Linksextremismus“ vorlegt.

Das hätte eigentlich Konsequenzen haben müssen. Hatte es aber nicht. Die Geschichte mit der angeblich „linksextremen Musikszene“ wurde nie aufgearbeitet sondern man hat den Artikel verschwinden lassen und im VS Bericht 2019, immerhin Ende 2020 erschienen, taucht das Thema gar nicht mehr auf.

Dafür warnt der VS jetzt vor einer „linksextremistischen Kampfsportszene“ im Freistaat. Beweise oder Belege für diese steile These bleibt man schuldig. Warum auch. Behauptungen reichen ja auch.

Das am 07.11. bei der Corona Demo in Leipzig rechte Kampfsportler und Hooligans der Demo den Weg über den Ring freigeprügelt haben, hat der VS nicht kommen sehen. Das danach über rechte Kampfsportler geredet wurde auch nicht.

Die Gefahr von rechten Kampfsportlern wirkt auch gar nicht mehr so dramatisch wenn man erzählt, dass es auch „linksextremistisch“ Kampfsportler geben soll.

Das „Hufeisen“ muss schließlich funktionieren.

Es macht dabei durchaus Sinn sich mit Gefahren für die Demokratie auseinanderzusetzen. Das sollte man aber besser auf wissenschaftlicher Basis tun und frei von politischer Einflussnahme. Der Verfassungsschutz ist eine demokratiefremde Einrichtung. Die Staatsgewalt, die ihre Legitimität vom Volk ableitet, soll nicht das Volk überwachen.

Sinnvoll wäre es daher, ein wissenschaftliches Institut damit zu beauftragen, sich mit Gefahren für die Demokratie auseinanderzusetzen und die Berichte transparent und nachvollziehbar zu veröffentlichen. Die Mitte Studie der Uni Leipzig, im neu geschaffenen Else Frenkel Institut böte dafür einen guten Ansatz.

Und im Gegensatz zum VS in Sachsen, wo auch AfD Mitglieder ihren Dienst tun und eifrig Berichte über die bösen Linken schreiben, arbeiten dort Menschen frei von politischer Einflussnahme auf einer seriösen faktenbasierten Basis.

Statt also vor einer angeblichen „linksextremistischen Kampfsportszene“ im Freistaat zu warnen, könnte der VS sich auch auflösen. Das wäre nachhaltig und würde wirklich Schaden von der Demokratie abwenden.

Das wäre doch was. Also wirklich.
Ich möchte auch mal warnen und zwar vor dem sächsischen Verfassungsschutz.

PS: Grüße gehen an die Mitarbeiter des VS, die auch diesen Text wieder lesen werden und alles in mein Muttiheft schreiben mit der Anmerkung, dass der Kasek sich wieder ungebührlich über den VS geäußert hat.

Bekommt von mir auch ein Fleißbienchen und könnt dann neue Warnung schreiben.

In dem Sinne nichts für Gut bzw. Nix Gut.

Silvester oder soll man es lassen.

Im vorchristlich – animistischen Glauben, was erwähnt werden soll, um die „Verteidiger des Abendlandes“ und solche die es werden möchten zu integrieren, die anlässlich der Silvesterfeuerwerksdiskussion schon die Diktatur fürchten, diente das Feuerwerk dazu böse Geister zu vertreiben. Gemeint ist damit allerdings nicht „Merkel muss weg“ oder ähnlicher Unfug.

Das heute angewandte Feuerwerk, auch das weiß man, geht auf die chinesische Song Dynastie zurück, was auch nicht so schrecklich viel mit uns zu tun hat.

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