Abschied vom Osten.



Die Beschreibung einer Ostidentität war in den letzten Jahren en vogue. Die spezifische Seele galt es zu ergründen. Eine Identitätsdebatte, die vor allen Dingen viel Trennendes offenbarte und nichts löste. Medien und Politik verklärten den Osten, forderten die Integration und man überbot sich gegenseitig mit Texten und Liebesbriefe an den Osten.



Heute wird auf Demonstrationen im Osten, die sich vorgeblich mit Frieden beschäftigen, was sie jedenfalls behaupten, „Ost, Ost, Ostdeutschland“ gegröhlt – irgendwo zwischen Schwerin und Dresden.

Rechtsextreme ziehen seit geraumer Zeit gezielt in den Osten, das weite Land, empfänglicher für Populismus wie es scheint und nicht so „überfremdet“.

Es wundert nicht, dass das Institut für Staatspolitik des Neu Rechten Vordenkers Kubitschek hier ebenso zu Hause ist, wie Höcke hier erfolgreich und Elsässer mit der rechtsextremen Compact Zeitschrift besonders beliebt. 3 Westdeutsche, die den Osten verklären.

Westdeutsche Rechtsextreme nähren das Gefühl der „Ostidentität“ und ausreichend viele, die trotzig „Ostdeutschland“ rufen merken nicht, dass ihre Vordenker „Westdeutsche“ sind.

Man ist stolz darauf anders zu sein, als wäre die Identität oder Abstammung von Bedeutung. Ein spezifischer Lokalpatriotismus ist entstanden, eine Antihaltung gegen „die da oben“, „gegen den Westen“ und gegen alles was irgendwie „links und liberal“ ist. Man ruft „Freiheit“ und sehnt sich nach Autorität.

Und an vielen Stellen, zieht der Staat sich weit zurück, sind demokratische Parteien schwach, die Zivilgesellschaft auch und in der ausgeräumten Landschaft bieten Rechtsextreme Identität und Gemeinsamkeit an und füllen den sinnleeren Echoraum des Gegenwartskapitalismus.

Aus dem ergründen einer Ostidentität ist an vielen Stellen etwas neues entstanden, einer Überbetonung des Ostens, eine grimmige Selbstbehauptung gegen den „Westen“.
Aus dem latenten Gefühl der Unterdrückung, des Zu kurz gekommen Seins, ist die Erzählung des „Widerstand“ erwachsen.

Das Rechtsextremismus hier auf fruchtbareren Boden fällt, dass die AfD hier zum Teil stärkste Partei ist, hat auch mit der nicht aufgearbeiteten DDR Vergangenheit zu tun. Mit dem sich selbst als antifaschistisch deklarierenden Unrechtsstaat, indem gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ebenso zu Hause war, was gerne verschwiegen wird.

Es gibt nicht den Osten und es wird Zeit „den Osten“ zu begraben und endgültig Abschied zu nehmen. Schon in der Beschreibung „des Osten“ liegt der Fehler.

Es gibt „den Osten“ ebenso wenig wie es „den Westen“ gibt.

Die Heimatdebatte ist zur Ostdebatte geworden und wird verklärt.

Ich bin in Sachsen geboren, genau in diesem Sachsen, zähle zur viel beschriebenen dritten Generation Ost und bin fremd in meinem Land, dass mir fremd geworden ist.
Geboren in einem untergegangenen Land, dort eingeschult und im gegenwärtigen erwachsen geworden.

Es sagt nichts über mich aus, wo ich geboren bin. Nichts. Ich fühle mich nicht als Ostler und nicht als Sachse, nicht als Westler.

Meine Heimat ist nicht der Osten. Meine Heimat ist Leipzig, sind die Straßen meiner Jugend, die einstigen Häuserruinen und Hinterhöfe wo wir als Kinder spielten.

Es wird Zeit „den Osten“ zu beerdigen und zu betonen was uns vereint und nicht was uns trennt. Ich fühle mich nicht angesprochen wenn über „den Osten“ gesprochen wird.

Aber das Gefühl des „Ungerecht behandelt worden seins“, wird weitergegeben und pflanzt sich fort. Da fühlen sich Menschen einer Ostidentität zugehörig, die ihren Quell in einem untergegangenen Land hat, indem sie selbst nicht geboren wurden.

20- 30 Jährige bläken ein trotziges „Ost, Ost, Ostdeutschland“ und kennen die Geschichte bestenfalls vom Hören, Sagen.

Es wird Zeit von „dem Osten“ endgültig Abschied zu nehmen.

Keine Antworten aber Fragen – die Schwierigkeit Widersprüche auszuhalten

Ich habe keine Antworten, ich habe Fragen. Ich habe keine Erklärungen sondern Zweifel.

Und es zerreißt mich hin und wieder.

Vielleicht ist das der größte Unterschied zu all jenen, die immer alles wissen und auf die Straße gehen.

Ich mache mir auch Sorgen wegen der steigenden Preise, viele Menschen sind betroffen.

Aber an der Rezession wird sich nichts ändern, wenn es Neuwahlen gibt oder direkt Frieden mit Russland. Dazu ist die Welt ein wenig zu komplex.

Woher soll der Frieden mit Russland kommen und wie? Da wird dann gesagt man soll verhandeln. Klar aber worüber und mit wem? Ein Land überfällt ein anderes Land, eignet sich völkerrechtswidrig dessen Gebiete an und begeht Kriegsverbrechen und wir verhandeln dann mit einem Land das nicht verhandeln will.

Wie also sieht die Lösung aus, von denen, die einfach so Frieden rufen und ich glaube die wenigsten Menschen wünschen sich Krieg.

Natürlich ist das deutsche Handeln von Hybris geprägt. Weil wir nicht überall auf der Welt die gleichen Maßstäbe anlegen. In dem einen Land kritisieren wir Menschenrechtsverletzungen, an anderer Stelle herrscht Schweigen.

Da wird gesagt wir müssten nur Kohle und Atomkraft länger laufen lassen, dann gehen die Strompreise nach unten. Ach wäre die Welt nur so einfach.

Die Welt ist nicht einfach, die Welt der Menschen ist auch nicht gerecht oder fair und es gibt keine einfachen Antworten auf alle Fragen. Unmöglich.

Menschliche Größe zeigt sich darin Widersprüche auszuhalten und sich Gewissheiten zu verweigern und einen Umgang mit der eigenen Angst und Unsicherheit zu finden. Es geht darum die richtigen Fragen zu stellen und auch mit Antworten, die uns nicht gefallen zu leben.

Ganz viele beziehen sich aufs Grundgesetz und auf Art. 20 Grundgesetz. Da steht alle Macht geht vom Volke aus und auch irgendwas vom Widerstandsrecht.

Man nimmt sich das was man braucht. Weil da steht alle Macht geht vom Volke aus und man ja meint, dass Volk zu sein, meint man auch zu wissen, dass die Regierung nicht rechtmäßig handelt. Das es Gewaltenteilung gibt und wir ein System der repräsentativen Demokratie haben, durch Wahlen zum Beispiel, wird ignoriert. Das Demokratie am Ende meist im Kompromiss endet, der möglichst viele einbindet und eben nicht der reine Sieg der Mehrheit über die Minderheit ist, wird ausgeblendet. Demokratie ist bisweilen mühsam, schön wenn man die eigene Wahrheit hat.

Und bitte zitiert nicht mehr Art. 20 IV GG. Das Widerstandsrecht greift erst dann, wenn jemand die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen will und es keine andere Möglichkeit mehr gibt.

Nur weil Medien manchmal nicht das schreiben, was ich für richtig halte, oder die Regierung Fehler macht und es auch justizielle Fehlentscheidungen gibt, ist die verfassungsmäßige Ordnung nicht in Gefahr.

Sie gerät aber in Gefahr durch die, die keine Widersprüche kennen, nur einfache Antworten und Losungen wollen und die meinen, dass wir schon in einer Diktatur sind und fröhlich Widerstand blöken und nicht begreifen, dass sie selber Mitläufer sind.

Die Welt ist nicht einfach, sie ist nicht gerecht, schon gar nicht fair und der Mensch ein nur begrenzt intelligentes Wesen.

Widersprüche aushalten und Zusammenhalten statt Eindeutigkeit und Nationalismus.

Ein Leben. Eine Abschiebung in Leipzig.

Gegen Mittag rufen Freunde an. Eine drohende Abschiebung, ob ich helfen könnte. Eigentlich habe ich keine Zeit und dann schiebe ich doch Termine, weil es fast vor der Tür des Büros ist.

An zwei Seiten der Straße stehen Menschen, zum Teil aufgebracht, sind wütend über die drohende Abschiebung eines Menschen. Eines Menschen, der seit Jahren in Deutschland lebt, beim Bäcker gearbeitet hat und eine Ausbildungsstelle in Aussicht hatte.

Eigentlich bestens integriert. Sein Asylantrag wurde allerdings vor Jahren abgelehnt und damit ist er im behördendeutsch, dass nur Zahlen und keine Schicksale kennt: vollziehbar ausreisepflichtig.

Die Ausbildung konnte er nicht antreten, da er dafür keine Erlaubnis bekommen hat weil er keine Passpapiere hatte und keine bekommen hat. Seine Passpapiere waren offenbar in Frankfurt.

Die Polizei kommt und muss ihn abschieben. Die Polizei vollzieht was andere anordnen, am helllichten Tag, ohne Ansehen eines Lebens.

Und der Mensch, der eben noch hier lebte, arbeitete, integriert war, verliert alles und alles was bleibt ist Verzweiflung. Eine Verzweiflung, die um sich greift.

Kein Mensch, flieht freiwillig. Keiner. Das ist kein Spass. Es ist zum Teil das pure Überleben und die bittere Notwendigkeit. Der Traum von einem besseren Leben.

Auf der einen Seite sagen alle, dass wir mehr Arbeitskräfte brauchen und auf der anderen Seite sind Menschen, die arbeiten wollen und können, die dies zum Teil sogar tun und trotzdem keine Perspektive bekommen. Juristisch kann ich es erklären, verstehen kann ich es schon lange nicht mehr.

Der Mann jedenfalls hat sich in der Verzweiflung selbst verletzt. Was folgt sind endlose Stunden des Verhandelns zwischen der Polizei, Angehörigen und ihm, der in seiner Wohnung ist und verzweifelt

Und am Ende gelingt etwas, was für den Moment unwahrscheinlich ist. Die Landesdirektion bescheinigt, dass er für heute nicht mehr abgeschoben wird und auf meine Intervention hin, wird dies schriftlich mitgeteilt.

Und auf einmal ist da ein Zeitfenster, ein Funke Hoffnung, eine letzte Möglichkeit mit einem Eilantrag die Geschichte zu kippen und vielleicht doch das bleiben zu ermöglichen.

Eine Funke Hoffnung, der brennt. Und es gelingt in den Verhandlungen auch die Situation zu deeskalieren. Anders als vor 3 Jahren, gibt es keine Eskalation, keine Festnahmen. Die Versammlungen lösen sich auf, die Polizei fährt weg und es bleibt friedlich.

Viele Menschen, sagen wessen Asylantrag abgelehnt wurde, der soll gehen. Stimmung wird gemacht. So als wäre die Welt schwarz/ weiß und ganz einfach.

Aber auch wir tragen dazu bei, dass Menschen fliehen müssen, weil wir die Umwelt zerstören, die Märkte abschotten und damit auf Kosten der Länder des globalen Südens, die vor allen Dingen als Absatzmärkte gesehen werden, eine Neokolonialisierung durchführen.

Wir wollen gern in Wohlstand leben aber das dieser Wohlstand einen Preis hat, blenden viele aus. Was geht uns das Elend der Anderen an?

Wären wir soziale Wesen, eigentlich viel. Aber es ist leicht, nur sich zu sehen und seinen eigenen Wohlstand. Hohe Gaspreise? Am besten Frieden mit einem Diktator. Die Menschen, die er überfallen hat sind egal.

Kriege haben Ursachen. Ursachen, die auch bei uns liegen. Elend hat Ursachen, Ursachen, die auch bei uns liegen.

Auch das ist unsere Verantwortung. Aber es ist leid, dass millionenfache Elend auszublenden und erstmal zu fordern, dass es einem selbst gut geht.

Diese Welt ist nicht gerecht. In dieser Welt zählen Menschenleben und Schicksale recht wenig.

Und trotzdem sind da so viele Menschen, die helfen, die sich einsetzen, die für einander einstehen.

Hallo Hoffnung, früher warst du doch gern hier…

So wie es war, wird es nicht mehr werden. Die Krise(n) sind auch eine Chance!

Wir Menschen tendieren dazu die Vergangenheit zu verklären, während Veränderungen oft mit einem Abwehrreiz einhergehen.

Es fällt uns schwer Veränderungen , die wir selber nicht steuern können zu akzeptieren und daraus zu einem Handeln zu kommen.

Doch gerade jetzt in Zeiten multipler Krisen wird es kein Zurück mehr geben. Das Klima ist ebenso unwiederbringlich verändert, wie auch die Preissteigerungen sich nicht wieder zurückdrehen lassen.

Ein bisschen etwas ändern, damit alles so bleiben kann, ist vor diesem Hintergrund eine beschwichtigende Lüge, die viele so gern glauben wollen und von allzu vielen Politiker*innen verbreitet wird.

Es funktioniert weil die Zukunft, noch nicht fassbar ist, während die Vergangenheit einfacher erschien, abgeschlossen. Der Mensch kann nicht gut mit Dingen umgehen, die Mensch nicht kennt. Das Unbekannte ist eher mit Angst verknüpft als mit positiven Assoziationen.

Grundsätzliche Veränderungen, brauchen aber auch grundsätzliche Lösungen. Unsere Art zu leben ist in der Krise und diese Krise wird nicht mit dem Ende des Krieges verschwinden und auch die Preissteigerungen werden sich nicht umkehren lassen, da unsere Natur an vielen Stellen nur endliche Ressourcen zur Verfügung stellt und die bedingungslose Ausbeutung dieser Ressourcen, ohne Chance, dass sich die Natur erholen kann, offensichtlich und für jeden Menschen greifbar nicht funktionieren kann. Seit Jahrzehnten lebt der Mensch über diese Ressourcen und doch erwächst aus der Erkenntnis, dass wir uns selber zerstören kein Handeln.

Genau jetzt wäre die Zeit, statt alle Energie darauf zu lenken, dass alles irgendwie so bleiben kann, wie es ist, darüber nachzudenken, wie eine Welt und eine Gesellschaft nach der Krise aussehen kann.

Die Zeit des bedingungslosen Wachstums ist vorbei. Die Party ist vorbei.

Weder die Veränderung des Klimas, noch das Sterben der Arten, das schwinden der natürlichen Ressourcen sind umkehrbar.

Entweder wir erkennen es, auch in der Bereitschaft zu handeln und auch sein eigenes Lebensmodell zu hinterfragen oder wir werden alle scheitern.

So wie es war, wird es nicht mehr werden. Die Vergangenheit ist vorbei.

Winnetou und der Rassismus – eine Zeitgeistdebatte.



Die ganze Debatte um Winnetou ist ein wenig albern, sehr anstrengend, zeigt aber den Grad der Aufregungsgesellschaft relativ gut an. Eine Zusammenfassung.



Fakten:

Ravensburger entscheidet sich 2 Bücher zu einem Film nicht zu veröffentlichen. Ravensburger ist ein privates Unternehmen. Ob ein Unternehmen etwas anbietet oder nicht, ist eine unternehmerische Entscheidung und sonst nichts.

Es geht auch nicht um Bücher von Karl May sondern um ein Spin Off.



Rassismus ja oder nein?

Da die Bücher bislang nicht veröffentlicht wurden, dürfte es auch schwer fallen, sauber zu begründen ob und inwieweit sie rassistisch geprägt sind. Da wird viel durcheinander gebracht.

Ersatzweise wird dann auf Karl May zurückgegriffen, der aber die Bücher um die es geht nicht geschrieben hat.

Bei der Beurteilung ob die Schriften von Karl May übrigens rassistisch sind oder nicht, spielt es keine Rolle ob es gute oder schlechte Bücher sind ob man sie gerne gelesen hat oder nicht. Das bringen auch einige Politiker*innen leider durcheinander.

Die Bücher sind vor allen Dingen ahistorisch. Es sind faktisch Märchen, die mit der Wirklichkeit nicht sehr viel zu tun haben.
Und ja in einer strengen Beurteilung spiegeln sie den klassischen Kolonialgeist dieser Zeit wieder.

„Winnetou“ wird dargestellt als der „edle Wilde“, nur deswegen ist er in der Lage sich mit Old Shatterhand anzufreunden. Old Shatterhand ist Landvermesser. Es geht um die Erschließung des Westens für die Eisenbahn und damit auch um die Zurückdrängung der „Native Americans“, was in den Büchern nicht reflektiert wird.

Nebenbei ist Old Shatterhand eine Art Superman, spricht alle Sprachen kann alles und kann sich sogar täuschend echt als „Indianer“ verkleiden, so dass er auch darin den echten „Indianern“ überlegen ist. Auch dies ist klassisch kolonialer Zeitgeist.

Im Orientzyklus von Karl May wird zudem eine tiefe Abwertung gegenüber den Armeniern deutlich, beschrieben als die „Juden des Orients“. Dass Deutschland Mitwisser und Mittäter des Völkermordes an den Armeniern war, wird gern übersehen.

Die Bücher von Karl May sind kolonialistisch und rassistisch geprägt. Auf wissenschaftlicher Grundlage muss man darüber nicht diskutieren. Es ist albern.



Die Debatte.

Die Debatte ist allerdings auch nicht von der Frage geprägt ob die Bücher ggf. problematische Stereotype verbreiten oder nicht, sondern ob man sie noch lesen darf oder nicht.
Das war aber eigentlich gar nicht die Frage.


Eine Reihe von Politiker*innen (Gabriel, Prien, der FDP Typ aus Thüringen, der sich von mal mit Stimmen der AfD wählen ließ) bekunden dann eilfertig, dass sie die Bücher gerne lesen oder gelesen haben und sich das auch nicht verbieten lassen.

Die Botschaft ist, dass man sich gegen den „woken“ Zeitgeist und die „Cancel Culture“ auflehnen muss.

Nicht jede Kritik an einem Werk, jede neue Einordnung eines Werks ist deswegen Ausdruck einer „CancelCulture“. Aber die Behauptung eine neue Bewertung eines Werkes unter den Kenntnissen, die wir jetzt haben, sei Ausdruck einer „CancelCulture“ delegitimiert Kritik. Es wird zu einem Totschlagargument.

Im rechtlichen Sinne wird man ein Gewisses Maß an „Stand halten“ fordern dürfen. Meines Erachtens hat bislang auch niemand gefordert die Bücher von Karl May zu verbieten oder nicht mehr zu drucken.

Es wird aber bei einigen so getan als wäre es das. Eine Art konservative Revolte gegen einen Zeitgeist, der sich mit Rassismus und Kolonialismus kritisch auseinandersetzt.

Die Auseinandersetzung mit Geschichte ist aber nicht monolithisch sondern dynamisch.

Das Karl- May und viele andere in dieser Zeit rassistische Stereotype oder Antisemitismus verbreitet haben, entbindet uns doch als Gesellschaft nicht sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

Die Feststellung, dass es eben damals so war und man dies an den Maßstäben der damaligen Zeit beurteilen muss, ist doch noch keine Antwort auf die Frage, wie wir inzwischen damit umgehen.

Es geht auch darum sich mit Geschichte auseinanderzusetzen, zu verstehen um eben auch nachzuvollziehen, wie Dinge geschehen konnten und was wir jetzt daraus lernen können, damit es eben nicht mehr geschieht.

Das ist die Metaebene der Diskussion, auf die sich aber die meisten freilich gar nicht einlassen.

Besser gesagt es wird keine Diskussion geführt, sondern sinnigerweise wird auf einmal darüber diskutiert, ob man Karl May gut findet oder nicht, was albern ist und gar nicht die Frage war.

Ja, auch ich habe früher Karl- May gerne gelesen, als den großen Kampf von „Gut“ gegen „Böse“ und mich dann etwas intensiver mit den „Native Americans“ auseinandergesetzt.

Held meiner Jugend war übrigens nicht Winnetou sondern die reale Figur „Sitting Bull“ Stammeshäuptling und Medizinmann der Hunkpapa-Lakota-Sioux, die jahrelang Widerstand gegen die „weißen Eroberer“ leisteten und General Custer in der Schlacht am „Little Bighorn“ eine vernichtende Niederlage zufügten.

Im Ergebnis sollte man diesen geschichtlichen Hintergrund nicht vergessen: Europäer traten in Amerika als Kolonialmacht auf, versklavten, verdrängten, enteigneten die Ureinwohner, töteten sie zu Tausenden und verdrängten sie in Reservate.

Wer über den „begnadeten Lügner Karl May“ spricht, sollte über den Völkermord nicht schweigen.

Aber natürlich kann man das alles ausblenden, trotzig rufen Widerstand und sich dabei ablichten lassen, dass man ganz „widerständig“ die Bücher trotzdem liest aber dann ist man halt eventuell ein bisschen am Thema vorbei und macht deutlich, dass es eben nicht um das eigentliche Thema geht sondern um einen herbeihalluzinierten Kulturkampf.

Für einen offenen Umgang miteinander in Zeiten der Krisen

Es sind unruhige Zeiten. Die multiplen Krisen, die sich inzwischen auch ganz unmittelbar auswirken, setzen den Menschen unter Stress.

Dieser Stress führt zu einer erhöhten Anspannung was sich wiederum auf das gesellschaftliche Miteinander auswirkt. In dieser Situation werden Menschen anfälliger für Populismus, für Schuldzuweisungen und die Zustimmung zu autoritären Einstellungsmustern wächst.

Die Krisen sind aber nicht monokausal sondern miteinander verknüpft und daher nicht durch einfachste Antworten zu lösen. Dazu kommt das es Situationen gibt, die sich vielleicht sogar gänzlich einer Antwort oder Lösung entziehen und mit denen wir trotzdem auskommen müssen, was aber wiederum den Stress erhöht. Der Mensch kommt nicht gut mit Unsicherheit aus.

Diese Situation wird zunehmen, wenn sich zusätzlich zu den steigenden Preisen weitere Probleme einstellen, die sich unmittelbar für jeden Menschen auswirken.

Dies wiederum wird sich auf den Umgangston auswirken. Bereits jetzt ist feststellbar, dass Meinungen zunehmend in Absolutheit vorgetragen werden.

Meinungen und persönliche Wahrnehmungen werden zu feststehenden Tatsachen erhoben, was sich wiederum auf die Wahrnehmung einer Situation auswirkt und dazu führt, dass sich der eigenen Horizont verengen mag. Geteilt wird, was als Zustimmung zur eigenen Position empfunden wird. Der gesellschaftlich notwendige Streit, im demokratischen Rahmen, verarmt- die Gesellschaft zerfällt zusehends in Gruppen.

Je nach dem wer etwas sagt und wie unsere Einstellung zur Person ist, werden wir auch das Gesagte unterschiedlich aufnehmen. Harte Kritik von einer Freund*in wird dennoch eher als konstruktiv verstanden, als die gleiche Kritik, die von einem Menschen kommt dem wir ablehnend gegenüberstehen.

Die Situation der zusätzlichen gesellschaftlichen Spannungen führt auch zu Emotionen – negativen Emotionen. Die Wut nimmt zu.

Es ist gänzlich leicht, wegen der ansteigenden Gaspreise, mit der die Bürger Energiekonzerne retten, wütend zu sein. Schuld ist dann die Bundesregierung und zwar die aktuelle, weil Zusammenhänge ausgeklammert werden, und die einfachste aller Lösungen wäre die Öffnung von Nordstream 2.

Komplexen Problem, einfache (Schein)-lösung, plus Schuldzuweisung und Wut macht Menschen für das agitieren von Gegnern der Demokratie, die auch eine Zumutung ist, empfänglich.

Der gesellschaftliche Streit, der Austausch über Lager hinweg ist aber in der Demokratie notwendig, zwingend. Dazu gehört auch die Bereitschaft auch die eigene Meinung in Frage zu stellen, zu reflektieren und Fehler einzugestehen. Das eingestehen von Fehlern ist dabei keine Schwäche sondern ein Zeichen von Größe. Nur der wahrhaft aufgeklärte Mensch, der eigenes Handeln reflektiert, wird in der Lage sein eigene Fehler öffentlich einzuräumen.

Umso wichtiger wird es daher, den eigenen negativen Emotionen zu widerstehen und sich schon gar nicht dem Hass hinzugeben. Ein Hass, der immer nur zerstören kann.

Ich mag mitunter provokant sein aber der Austausch ist mir wichtig weil ich immer wieder neu dazulernen kann und verstehen will. Fehler ärgern mich selbst am allermeisten und ich schätze auch die Hinweise, die ich in den sozialen Netzwerken erhalte.

Die Demokratie braucht das gemeinsame, wie das Trennende. Den Streit, wie das Verbindende. Lasst uns streiten, ohne persönlich zu werden, lasst uns gerade in Zeiten der Unruhe, immer auch das Verbindende und Gemeinsame im Auge behalten.

Wir entscheiden in welcher Gesellschaft wir leben wollen und zwar ganz praktisch auch mit unserem eigenen Handeln, Worten, Auftreten.

Mehr Miteinander und weniger Gegeneinander, gerade jetzt.

Zusammen bleiben in schwierigen Zeiten und der Sehnsucht nach allzu einfachen Antworten widerstehen

Ich mache mir Sorgen. Nicht um mich sondern um das was kommt. In Zeiten der multiplen Krisen, die sich überlappen, nehmen die Zentrifugalkräfte der Gesellschaft zu, steigt die Zustimmung zu autoritären Einstellungen und einfachen Erklärungsmustern und die Sehnsucht nach Sündenböcken nimmt zu.


Klimakrise und Dürre, Massensterben der Arten, Krieg und Inflation. Beunruhigende Zeiten.
Ein heißes Herz und ein kühler Kopf für die kommenden Herausforderungen.
Widersprechen wenn Diskriminierungen laut werden und falsche Propheten mit einfachen Erklärungsmustern Profit schlagen wollen.
Für einander einstehen, gerade dann wenn die Sorgen zu nehmen und den Hetzern und Hassern zu widersprechen.


Der Herbst kann heiß und kalt zugleich werden. Lassen wir nicht zu, das das gesellschaftliche Klima noch kälter wird. Der Mensch ist ein soziales Wesen und die Gesellschaft basiert auf einem Miteinander und auf Gesprächen über Meinungen hinweg. Gerade jetzt. Und deswegen um so deutlicher und lauter denen widersprechen, die mit einfachen Erklärungen und Verschwörungswahn diese Gesellschaft zu spalten versuchen und Hass verbreiten.

Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft und dem Wunsch nach allzu einfachen Antworten widerstehen.


In solidarity we trust

Ein aufbauender Text über multiple Krisen

Ich würde gerne, weil Ostern war, irgendetwas schönes schreiben. Etwas entspanntes, nichts belastendes. Irgendwas aufbauendes.

In einer Zeit der multiplen Krisen, ist das gar nicht so leicht. Klimakrise, Artenschutzkrise, Krieg – um nur die entscheidenden Krisen zu nennen. Eine Hoffnung, dass wir diese Krisen schadlos lösen können gibt es nicht, ist eine Illusion.

Der Krieg wird vielleicht irgendwann enden und doch wird danach nichts mehr sein, wie es war. Er wirkt sich unmittelbar auf unser Leben aus. Die Preise steigen, Lieferketten werden unterbrochen und neu sortiert.

Parallel steigt die Temperatur weiter an, nehmen Extremwettereignisse zu, wirkt sich das Wetter wiederum auf das Pflanzenwachstum aus, was folgen auf die Arten hat und auch wiederum die Preise.

Ineinander verschachtelte Krisen, die sich gegenseitig bedingen. Dass aufgrund der Veränderung des Klimas Flüchtlingszahlen eher weiter steigern sollte inzwischen ebenso klar sein, wie auch der Umstand, dass Klimaveränderungen als Katalysator für soziale Konflikte bis hin zum Krieg sein können.

Unsere Welt wird absehbar ungemütlich – und wir nehmen daran teil.

Unser Wohlstand ist begrenzt und ein immer höher, weiter und mehr steht in einer endlichen Welt nicht endlos zur Verfügung.

Pessimistische Worte, weswegen man am Ende einen Ausblick wagen kann, dass wir es immer noch ändern können.

Dazu müssen wir anfangen zu begreifen, dass vieles miteinander zusammenhängt und entsprechend handeln.

Nehmen wir das Essen, als emotionsgeladenes Thema. Die Getreidepreise steigen wegen der Klimaveränderungen und wegen des Krieges.

60 % des angebauten Getreides gehen wiederum für die Viehzucht drauf.

Es wäre also verhältnismäßig einfach zu sagen, dass der Fleischverbrauch deutlich reduziert werden muss, weil es weniger Flächen in Anspruch nimmt, klimafreundlicher ist, weil auch weniger Methan emittiert wird und nebenbei mehr Getreide direkt zu Lebensmittel verarbeitet werden könnte.

Darüber hinaus würde damit die Ära der Massentierhaltung enden was noch mehr Vorteile hätte – zum Beispiel auch eine Reduktion der Brutstätten von multiresistenten Keimen, die in der Landwirtschaft der Massentierhaltung heranreifen, weil Tieren unter unzumutbaren Lebensbedingungen massenhaft Antibiotika eingeflößt wird, was dass entstehen von multiresistenten Keimen begünstigt.

Corona, war nicht die letzte Pandemie. Womit wir eine weitere Krise benannt haben.

Wenn wir also anfangen zu sagen, wir passen unseren Lebenswandel an die Neuzeit an und begreifen es nicht als Einschränkung sondern als Chance, wäre viel getan. Wir könnten Einfluss nehmen auf den Lauf der Dinge.

Freilich kann man natürlich auch feststellen, dass mensch als einzelnes Individuum sowieso nichts ändern kann und ändere nichts. Aber dann finde ich es zumindest fair, sich auch nicht darüber aufzuregen, dass sich alles ändert.

Denn wenn sich alles ändert, wird diese Änderungen auch am Individuum nicht vorbeigehen.

Entweder also wir ändern uns auch oder die Geschichte wird über uns hinweggehen. Aufregen zählt dann allerdings nicht mehr.

Gedanken zum Krieg.

Morgens aufwachen und Nachrichten lesen. Lesen, was geschehen ist und wo. Wie schlimm es geworden ist.

Es ist nicht der erste Krieg in Europa. Aber dieser Krieg ist anders, als alle anderen zuvor. Näher, unmittelbarer. Es fühlt sich so an, obwohl der Jugoslawienkrieg nicht viel weiter entfernt war. Eine Welle der Solidarität hat Europa erfasst.

Aber auch hier zeigt sich, dass nicht alle Menschen gleich sind. Die Menschen, die flüchten werden nicht alle gleich behandelt. Auch im Krieg und der auf ihr folgenden Solidarität zeigt sich mitunter die Abscheulichkeit.

Stärker als alle anderen zuvor ist es auch ein Krieg der Bilder und Nachrichten. Tausendfach jeden Tag in die Welt gesendet. Videoschnippsel und Bilder, die in aller Brutalität das unfassbare zeigen. Bilder, der Vernichtung.

Es gibt keinen gerechten Krieg und keine Rechtfertigung für Krieg. Es ist furchtbar leicht zu sagen: Nie wieder Krieg und die Waffen nieder und nach dem Frieden zu rufen.

Aber wie soll der Frieden gelingen, wenn auf dieser Welt Autokraten, Kleptokraten, Diktatoren, die ganzen Menschheitsschinder nicht daran denken, dass morden zu lassen ? Ich glaube nicht, dass sich ein bis an die Zähne bewaffneter Autokrat von drohenden Worten einschüchtern lässt, vor allen Dingen dann nicht wenn der Handel weiter geht.

Es gibt einige, die fordern, dass morden zu beenden und es wäre doch das Beste wenn die Ukraine kapitulieren würde, um dann über Frieden zu verhandeln.

Welch ein absurder Gedanke. Ein Land zu opfern, einem Land seine Selbstbestimmung abzusprechen. Und warum sollte dann Schluß sein? Aus welchem Grund?

Wie viele Länder oder Menschen wollen wir für Frieden opfern und ist es dann noch Frieden?

Das was Putin macht hat er in den 90er Jahren bereits angekündigt. Wir haben es weder wahrgenommen, noch hören wollen.

Dieser Krieg könnte auch eine Kaskade in Gang setzen. Und ich verwerfe den Gedanken daran, was folgen könnte und kann es doch nicht.

In den 90er Jahren mit dem Zerfall gab es noch mehr Länder, die sich von Russland lösen wollten, nach Unabhängigkeit strebten. Der viel zu wenig beachtete Krieg in Tschetschenien mit all seinen Gräuel ist mahnendes Beispiel. Von uns kaum wahrgenommen. Weit weg. Leicht zu ignorieren. Tschetschenien, wo ist das schon?

Putin hat in Syrien interveniert. Von der Masse der Gesellschaft kaum wahrgenommen. Unter den Vorwand den islamischen Staat zu bekämpfen und im Verborgenen um Baschar al Assad, einen Diktator, zu stützen.
Mit unfassbarer Brutalität hat Russland interveniert. Von uns ignoriert.

Wir haben uns nur über die Geflüchteten aufgeregt. Wir, das ist die Gesellschaft, dass sind wir alle. Über die jungen Männer, die nicht kämpfen wollten, nicht bereit waren zu sterben für einen Krieg, den sie nicht begonnen haben, den sie vielleicht nicht führen wollten.

Aus der Ukraine flüchten keine Männer.

Es ist furchtbar leicht alles zu ignorieren, was uns scheinbar nicht betrifft aber in einer global vernetzten Welt, gibt es keine Unschuld mehr.

Der Krieg kostet. Die Preise steigen und die Sanktionen treffen auch uns und schon murren die ersten und beschweren sich. Treibstoff ist so teuer wie noch nie und wird teurer werden. Energie sowieso.

Und schon regen sich die ersten über die Sanktionen auf und fühlen sich getroffen. Wie zynisch muss man sein?

Aber so ist der Mensch, immer erst an sich selbst denken über Treibstoffpreise schimpfen, Zusammenhänge ignorieren und vergessen das in Europa kaum 1000 km entfernt ein entsetzlicher Krieg tobt.

Und noch die seltsamsten Argumente werden gefunden. Es wird mit Russlands Sicherheitsbedürfnis argumentiert. Womit bitte? Ist das eine Rechtfertigung dafür Länder zum Spielball geopolitischer Interessen zu machen, so als bestimmen nur die Großmächte was Länder dürfen.

Am absurdesten ist das Argument, dass in der Ukraine auch Nazis kämpfen. Stimmt. Gibt es. Auf allen Seiten. In fast jedem Land dieser Erde gibt es offenbar Nationalisten und Kriegstreiber und auch Faschisten. Ich mag sie alle nicht.

Entnazifizierung? Welch Wort für einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg! Und schon machen die ersten bitterbösen Witze die Runde, darüber dass eine Entnazifizierung in Europa doch zu überlegen sei, aber möglicherweise das falsche Land getroffen wurde…

Darf man in Zeiten des Krieges noch lachen? Und wie gehen wir damit um?

Der Krieg ist nah und fern zu gleich.

Es stellen sich so viele Fragen, auch über die Menschenrechte und unsere Werte.

Es gibt keine Rechtfertigung für Krieg und es gibt keine Rechtfertigung zu schweigen, wenn Menschen sterben. Allein Worte werden nichts ändern, allein Waffen keinen Frieden schaffen.

Und mit einmal sind auch wir, weit weg und nicht weit genug weg, mittendrin in der Auseinandersetzung zwischen Krieg und Frieden.

Nie wieder Krieg? Nie wieder Krieg!

Die eigenen Grenzen – Leitsätze



Nur weil ich etwas nicht gesehen habe, heißt das nicht, dass es nicht doch stattgefunden haben kann.

Aussagen kann ich nur über die eigene Wahrnehmung machen. Die eigene Wahrnehmung kann aber keinen allgemeinen Wahrheitsanspruch entfalten.

Nur weil ich nicht an etwas glaube, heißt das nicht das es nicht doch existieren kann.

Nur weil ich von meiner Meinung überzeugt bin, heißt das nicht, dass etwas anderes nicht auch richtig sein kann, insbesondere deswegen weil ich vielleicht in meiner Meinungsbildung und bei meinen gefundenen Argumenten etwas übersehen habe.

Stärke ist daher nicht verbittert darum zu kämpfen am Ende Recht zu behalten, sondern zu jedem Zeitpunkt die eigenen Argumente und gefundenen Meinungen kritisch zu hinterfragen.

Seine Meinung zu ändern ist daher nichts zwangsläufig wankelmütig sondern, je nach Lage, auch Zeichen der eigenen . Reflektionsbereitschaft. Nur wer seine eigene Meinung als absolut setzt, Argumente ausklammert, kann nicht reflektieren und nicht diskutieren.

Diskussionsbereitschaft setzt voraus andere Argumente zuzulassen und eigene Argumente zu hinterfragen. Es geht dabei nicht um Recht haben sondern um Distinktionsgewinn.

Es kann sein, dass ich etwas nicht mitbekommen habe. Es kann auch sein, dass ich beim nächsten mal in einer vergleichbaren Situation etwas übersehen habe oder zu einer anderen Einschätzung komme aber spätestens dann wenn mich andere darauf ansprechen, kann ich nicht mehr sagen, dass ich es nicht gewusst habe.

Das „nicht gewusst haben“ wollen ist eine der häufigsten Ausreden, die man hören kann weil es auch kaum zu belegen ist, wann jemand etwas genau mitbekommen hat.

Als Mensch in einer Gesellschaft trage ich nicht nur Verantwortung für mich sondern in der Folge auch für die Gesellschaft. Auch in der Zeit des Hyperindividualismus.

Mensch sein heißt zu zweifeln, heißt zu hinterfragen, heißt auch zu reflektieren und bedeutet am Ende auch Mensch zu bleiben.

Das ist im übrigen auch einer der Dinge, an die ich mich selbst immer wieder erinnern muss, wenn Gefühle überhand gewinnen und in der ersten Erregung, Wut statt Reflektion dominiert.

Gefühle sind wichtig. Aber es gibt eine Realität jenseits der eigenen Befindlichkeit und Wahrnehmung.