Alles Gute zum Earth Day in #Leipzig

Zum Earth Day, der eingeführt wurde um die Wertschätzung der natürlichen Lebensgrundlagen zu stärken und über den Konsum nachzudenken, kleinere Anmerkungen zur Rolle der Natur und Umwelt am Beispiel Leipzig.

Grundlage dafür sind mehrere Anfragen meiner Fraktion zum Thema.

Der NABU-Regionalverband Leipzig schätzt, dass die Stadt im Jahr einen Verlust an bis zu 10.000 Bäumen erleidet und zwar ersatzlos. Auch in der Anfrage räumt die Stadt ein, dass zwar im Bereich der Straßenbäume pro Jahr ein Zuwachs erfolgt aber in den letzten Jahren pro Jahr deutlich mehr als 1500 Parkbäume verschwunden sind, so dass ein Verlust im vierstelligen Bereich bleibt.

Fällungen auf privaten Bauflächen, Verlust von Grünflächen und Waldbäumen sind nicht mit eingerechnet.

Ebenfalls hat die Stadt eingeräumt, dass in den letzten Jahren insgesamt ein Verlust an Grünflächen in der Stadt steht. Indirekt gibt die Stadt damit dem NaBu recht, der von einer schrumpfenden Stadt spricht.

Auswege aus dieser Situation sind nicht zu sehen. Spannend ist auch, dass die Stadt einräumt, dass im Bereich der Baumschutzsatzung zu wenig kontrolliert wird und 1/3 aller beantragten Fällungen aufgrund fehlenden Personals als Fiktionsbescheinigung erteilt wird, also ohne fachliche Prüfung.

Weiterhin räumt die Stadt ein, dass eine effektive Kontrolle von Fällungen innerhalb der Brutsaison nicht stattfindet und die Bußgelder ohnehin keine abschreckende Wirkung entfalten. Für einen Großteil der Bauträger sind die Bußgelder nicht von Bedeutung und entfalten damit keinerlei Wirkung.

Leipzig gehört daneben zu den waldärmsten Regionen in Deutschland. Der Auwald kaschiert dies notdürftig und führt gleichzeitig auch dazu, dass das Problem nicht ernstgenommen wird.

Hinzu kommt, dass es dem Wald extrem schlecht geht, da Wasser fehlt. Insbesondere fehlen durch die Eindeichung und Entwässerungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte regelmäßige Überschwemmungsereignisse.

Dennoch wird weiterhin gebaut und immer noch werden primär Naturflächen für Baumaßnahmen in Anspruch genommen. Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünung werden nur zörgerlich eingesetzt.

Und die Mehrheit aller Stadträt*innen hat für das Problem Arten- und Umweltschutz überhaupt kein Interesse.

Clubtour

Das LiveKommbinat Leipzig e.V. hatte geladen, zum 3. Mal zur Reise eines langen Tages in die Nacht.

Zur Erkundung der Räume und Orte, die Leipzig auszeichnen. Besuchten das GeyserHaus Leipzig mit der Bühne und soziokulturellem Zentrum, wo auch Bands wie Anathema schon aufgetreten sind und auch ich im Jugendclub schon spielen durfte. Begonnen im Kupfersaal, geöffnet seit 2016.

Dann TANZCAFÉ ILSES ERIKA, im Süden. Die Legende lebt und schließlich das WERK2-Kulturfabrik, die Kulturfabrik im Wortsinn, die dieses Jahr ihr 30. jähriges bestehen feiert.

Mit dabei Jörg Kosinski, einer der Köpfe des LKL, der in den letzten Jahren die Entwicklung maßgeblich vorangetrieben hat und Vincent Oley aus dem Noch Besser Leben. Welch Dank sie Freunde nennen zu dürfen.

Vorbeifahren auch an den Orten des Scheiterns – dem Freiladebahnhof Eutritzsch wo einst das So und So stand und jetzt nur noch Steine liegen.

Und reden über das was kommt und bleibt. In den letzten Jahren auch dank des Engagements ein Kulturkataster aufgestellt, die Anerkennung von Clubs vorangetrieben, endlich ein Freiflächenkonzept auf die Schienen gestellt, einen Nachtrat installiert, eine Fachstelle der Verwaltung für die Nacht geschaffen, die zweite Hälfte fehlt noch. Nicht alles erreicht aber viel geschafft.

Die Nacht sie lebt. Lebt von den Träumen und Menschen, die sie schaffen. Von Menschen auch wie Jörn, dem Chef in der Ilse, die gegründet wurde weil man nicht immer die Boxen rumschleppen wollte. Lebt von Menschen wie Steffen Kache, dem Chef der DISTILLERY , die schon bald ein neues Domizil beziehen wird, das Wohnzimmer der Szene – ältester Technoclub im Osten der Republik. Ich habe es schon gesehen. Es wird neu und anders und es wird gut werden

Keiner dieser Macher*innen wird reich werden. Sie leben das was sie tun und schaffen die Räume, die wir brauchen um zu leben und zu lieben. Die Nacht, das schillernde, mystische Dunkel – lebt. Lebt von und durch diese Menschen. Und jede Unterstützung ist es wert. Danke euch allen.

„Am Ende des Waldes“

Wir reden über die Klimakrise und darüber, was wir noch tun können, während wir unaufhaltsam in Richtung der Unbeherrschbarkeit der Auswirkungen der menschengemachten Situation laufen.

Einer der wichtigsten Punkte dabei wäre anzuerkennen, dass unser Lebensstil das Problem ist. Dass das materialistische Wohlstandsversprechen, dass sich in immer größeren Wohnungen, Autos, Flugreisen und Steaks materialisiert, eine Lüge ist, die am Ende in die globale Katastrophe mündet.

Und der erste Schritt ist zu erkennen, dass unser Lebensstil massiv Schulden für kommende Generationen anhäuft. Deswegen müssen wir stärker nicht nur über Nachhaltigkeit, sondern auch über Suffizienz sprechen.

Aber diese unbequeme Wahrheit, dass ein „höher, schneller, größer und weiter“ nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, wird von Politiker*innen selten ausgesprochen.

What about Leipzig?

Leipzig ist nach wie vor eine der am dynamischsten wachsenden Städte Deutschlands. In der Folge wird Wohnraum knapp und neue Baugebiete werden erschlossen. Dies auch, weil die Wohnungsgrößen kontinuierlich zugenommen haben.

Mit dem Wachstum der Städte schwindet jedoch auch die Anzahl an Grünflächen und Bäumen, die wir aber dringend brauchen. Grünflächen sind ein effektiver Beitrag zur Veränderung des Mikroklimas. Mit der Zunahme an tropischen Tagen brauchen wir mehr natürliche Grünflächen und Straßenbäume in der Stadt und ausreichend viele Kaltluftschneisen.

Der Leipziger Auwald, dem es aufgrund des übersteuerten Gewässerknotens und der damit fehlenden Auendynamik nicht gut geht, täuscht darüber hinweg, dass Leipzig deutlich zu wenig Waldflächen hat. Schmale 6,5% Waldfläche gibt es. Anzustreben und festgelegt sind 10%.

Wie mehr Waldflächen geschaffen werden können, ist derzeit offen. Die Aufstockung des Programms für Straßenbäume ist zwar erfolgreich, aber in der Summe von Park- und Straßenbäumen, ohne Waldbäume, haben wir in den letzten Jahren aufgrund zahlreicher Verluste dennoch einen negativen Saldo.

Statt mehr Bäume zu gewinnen, verlieren wir jedes Jahr viele. Eingriffs- und Ausgleichsflächen nicht eingerechnet.

Hitzestress, Extremwettereignisse wie auch die Zunahme von Stürmen werden die Probleme noch verschärfen. Diese Veränderungen kommen schneller als Politik und Gesellschaft bereit sind zu handeln.

Was notwendig wäre, ist eine Aufstockung der Mittel für das Straßenbaumkonzept um jedes Jahr tatsächlich ein Wachstumsplus von 1.000 Bäumen zu erreichen.

Bebauungspläne müssten deutlich stärker bestehende Grünflächen in den Blick nehmen und versuchen Bestandsbäume zu erhalten, als zunächst die Flächen zu planieren und dann am Ende notdürftig mit künstlich angelegten Parks und einzelnen Bäumen entgegen zu steuern.

Das Programm zur Fassadenbegrünung muss viel stärker Fahrt aufnehmen. Die Zielstellung muss es sein, dass jedes neue Haus in Leipzig verpflichtend über Regenwasserzisternen, als auch über Brauchwasserspeicher, Fassaden- und Dachbegrünung sowie eine Solaranlage verfügt.

Meistens wird in der Klimakrise diskutiert, dass man doch positiv formulieren muss, um deutlich zu machen, dass wir das 1,5°C-Ziel noch erreichen können. Die Wahrheit ist an der Stelle die Lüge. Wir werden lernen müssen mit der Katastrophe zu leben und unsere einzige Chance ist, alles dafür zu tun, um ihr Ausmaß einzudämmen und ihre Folgen erträglich zu gestalten. Diese Chance ist da und wir können sie nutzen.

Das sind die schlechten Nachrichten, die meist niemand hören will. Die gute Nachricht am Ende: Die schlechten Nachrichten werden wir alle erleben und uns davon überzeugen können.

Gehen wir es an und verhindern, dass es dazu kommt.

Dieser und weitere Artikel erschienen im Ratschlag Grüne Fraktion Leipzig

Ofarim – (k)eine Anklage!

Ein notwendiger Beitrag zur Einordnung und zum Verständnis.

Sachverhalt:
Anfang Oktober wollte der Musiker Gil Ofarim im Leipziger Hotel „Westin“ einchecken. Danach berichtet er auf Instagram, dass er dazu aufgefordert sein soll, durch einen Hotelangestellten, seinen Davidstern einzupacken. Daraus folgt eine bundesweite Debatte über Antisemitismus. Kurze Zeit später gibt es eine Kundgebung vor dem Hotel „Gegen jeden Antisemitismus“ an der auch Hotelangestellte teilnehmen.

Es wird ermittelt.
Nunmehr wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Hotelangestellten eingestellt hat nach § 170 II StPO und Anklage gegen Ofarim wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung gestellt hat. Ob die Anklage zugelassen wird ist offen.
Darüber entscheidet das Gericht. Ebenso über die Frage einer Verurteilung.

Stand jetzt ist die Anklage noch nicht zugelassen und damit alles andere Spekulation.

Schuld und Vorurteil:

Viele meinen nun, dass sie sich zum Thema Vorverurteilung äußern müssen und Entschuldigungen von denen fordern, die möglicherweise voreilig das Hotel kritisiert haben.

Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft ist aber kein Schuldspruch. Wer sich jetzt über die Vorverurteilung aufregt und meint immer schon Zweifel gehabt zu haben, landet genau bei der gleichen Vorverurteilung wenn man jetzt eine Entschuldigung fordert.

Tatsächlich mahnt die Geschichte immer auch zur Vorsicht.

Die Unschuldsvermutung gilt für alle. Stand jetzt ist Ofarim unschuldig.

Lauter Verlierer:

Am Ende produziert das Geschehen absehbar nur Verlierer. Der Ruf des Hotels hat gelitten. Auch wegen eines völlig unprofessionellen Umgangs mit Kritik. Der Hotelmanager lässt sich nunmehr zitieren, dass er immer schon gewusst habe, dass alles „erstunken und erlogen sei“. Dabei gibt es bislang keine gerichtliche Entscheidung. Sollte das Verfahren eingestellt werden, wäre auch diese Aussage strafbar. Diese triumphierende Äußerung ist zudem völlig unangemessen und zeigt das einiges im Argen liegt.

Es darf daran erinnert werden, dass sich das Hotel im Nachgang eine Securityfirma geleistet hat mit besten Kontakten in die hiesige Neonazi- und Hooliganszene was im Lichte der Vorwürfe unfassbar ist. Und weiterhin eine PR Kampagne betrieben hat, die ihresgleichen sucht.

Dass die Glaubwürdigkeit von Ofarim, unabhängig davon wie es ausgeht, komplett beschädigt ist, dürfte ebenso klar sein.

Es ist auch ein Stück über die Erregungskultur in Deutschland, die noch bei jedem Aufreger vorschnelle Urteile fällt um sich dann später schon „immer“ auf der richtigen Seite zu wähnen. Dazu gehört auch das Agieren der Presse, die den Fall bis zum letzten Tropfen auswringt.

Und dann doch Antisemitismus.

Es braucht keinen Anlass um seine Stimme gegen Antisemitismus zu erheben. Dass es Antisemitismus in Deutschland gibt, dürfte außer Frage stehen, dass antisemitische Einstellungsmuster in der Gesellschaft weit verbreitet sind, belegen nicht zuletzt die Coronaproteste, wo immer wieder struktureller Antisemitismus reproduziert wird.

Auch die Äußerungen des sächsischen Ministerpräsidenten machen das deutlich, der von einem Verhältnis von „den Juden“ und „den Deutschen“ spricht, so als wären „die Juden“ keine Deutschen. Er betriebt damit Othering, was nichts weiter als Antisemitismus ist. Das er etwas anderes gemeint haben dürfte, spielt dabei weniger eine Rolle. Unkenntnis allerorten.

Im Übrigen zeigt es auch, dass es keine gute Idee ist, dass Strafrecht an einen „vermeintlichen Volkswillen“ anzupassen oder gar zu unterwerfen, wie es bisweilen gefordert wird.

Reden wir also nicht über den Einzelfall sondern über Antisemitismus, über Aufregung und Erregung und schnelle Vorurteile.

Wir könnten daraus lernen. Allerdings sind Zweifel daran, ob dies geschehen wird, angebracht.

Angriffe

Angriffe.

Es fängt immer gleich an. Der Name taucht auf, wird markiert. Drohungen folgen. Das markierte Ziel soll eingeschüchtert werden. Dann folgen Angriffe, die über die Nennung hinausgehen, Aktionen, die Angst machen sollen.

Nein, es geht nicht um mich. Es geht um einen Freund. Ich habe in vielen Situationen den Vorteil bekannt zu sein. Diese Bekanntheit schützt hin und wieder auch vor direkten Übergriffen weil im Ernstfall dann doch Polizeischutz folgt.

Mein Freund hat diese Aufmerksamkeit nicht. Er, Familienvater, Angestellter, Leipziger Mittelstand, engagiert sich. Er hat eine Meinung und macht sie deutlich.

Vor einem Jahr hat er sich das Mikrofon auf einer von rechten durchsetzten Querdenkerveranstaltung gegriffen und gesprochen. Kritik an den Teilnehmer*innen deutlich gemacht. Dafür wurde er ausgepfiffen und ist seitdem im Fadenkreuz.

Vor einigen Wochen, er war auf dem Weg zur Arbeit, tauchten 2 Männer in seiner Wohngegend auf und fragten nach ihm. Männer, die wir inzwischen zuordnen können.

Gestern am frühen Morgen wollte er mit seinem Auto die Kinder in Schule und Kindergarten fahren und dann zur Arbeit, wie jeden Morgen.

Am Auto waren großflächige Grafitti Schmierereien angebracht. „Fck AfA“, „DRK Zecke“. Wahrscheinlich kein Zufall.

Der Sachschaden ist das eine, die Angriffe im persönlichen Umfeld meines Freundes etwas anderes. Was die Täter bezwecken ist Angst hervorzurufen. Bedrohungen auch gegen die Familie zu erzeugen.

Ich kenne viele dieser Geschichten. Menschen, die sich aus Angst um ihre Familie überlegen, ob sie weitermachen oder ihr demokratisches Engagement reduzieren, weil sie sonst Angriffsziele werden könnten.

Es gibt sie an vielen Orten. Was hilft ist das Schweigen zu brechen. Darauf hinzuweisen, darüber zu reden und jeden dieser Angriffe deutlich zurückzuweisen und Solidarität mit den Angegriffenen zu üben.

Wir lassen uns nicht einschüchtern. Und die Angst wird nicht erfolgreich, wenn wir zusammenstehen.

Zusammenhalten, Stand halten, gegen rechte Hetze und Hass.

K., du bist nicht allein. An deiner Seite.

Zur Spendensammlung HTTPS://gofund.me/a659155f

Club- und Kulturkataster.

Es war einmal Club. Die Menschen liebten ihn. Er war ein bisschen wie das Sisyphos in Berlin. Mit Nischen und Ecken, verspielt und zum entdecken. Es war das So und So.

Und vielleicht würde es diesen Club noch geben, denn da wo er stehen sollte und stand ist jetzt nichts mehr. Ein leeres, totes Baufeld.

Vielleicht wäre alles anders gekommen hätte es damals schon ein Clubkataster gegeben, das anzeigt wo es überall Clubs- und Livemusikspielstätten gibt. Und man hätte diesen Informationen nehmen können um sie von Anfang in den Prozess der Bauleitplanung einzuspeisen.

Eben nicht nur Quartiere am Reißbrett planen, wo Kultur bitte aseptisch sein soll und nicht stören darf. Aber Kultur muss stören, muss aufbegehren, muss unbequem sein. Eine Stadt, nur zum arbeiten und schlafen, ist keine Stadt, hat keinen Reiz sondern ist to

Und Clubkultur ist Kultur. Ist wichtig. Ist ein Ort, wo Menschen sich begegnen und Erfahrungen sammeln können.

2018 demonstrierten wir für den Erhalt der Clubs mit tausenden Menschen. Wir tanzten bis zum Morgen. Wir schrieben Anträge und Petitionen. Nicht aufgeben, nichts verzeihen. Die Orte, die wir brauchen verteidigen.

Orte, wo Menschen sich treffen können in einem safe space und über die Liebe zur Musik eine Sprache finden.

Mehr als 4000 Menschen unterschrieben die Petition des LiveKommbinat Leipzig e.V., die ich mit bearbeiten durfte, zum Erhalt und für das Clubkataster. Und Menschen fingen an zu arbeiten.

Und jetzt endlich ist es da: das Clubkataster, dass weiter entwickelt werden soll zum Kulturkataster und die Orte der Kultur für alle sichtbar macht und damit auch Berücksichtigung finden kann in der Gestaltung der Stadt.

Nein, das So und So, geliebtes Kleinod, Zufluchtsort für die Rebellion der Träumer, haben wir nicht gerettet aber es ist nicht umsonst gestorben.

Die Kämpfe waren nicht umsonst, denn es gibt jetzt eine Grundlage für den Erhalt des Bestehenden zu kämpfen und auch sichtbar zu machen wo Kultur fehlt.

Es war nicht umsonst und tausende Menschen haben mit ihrer Unterschrift und ihrem Engagement es mit möglich gemacht.

Es stimmt. Demokratie ist manchmal anstrengend und Verwaltungsarbeit langwierig aber sie ist eben nicht sinnlos sondern wird durch das Handeln vieler erfolgreich.

Kein Club wird je vergessen werden.
Forever So und So.

Was fehlt. – Ambiguitätstoleranz



Die Tage sind grau. Es ist der Anfang des Jahres. Und nach wie vor habe ich den Eindruck, dass wir immer noch keinen Umgang mit der Situation gefunden haben. Einer Situation, die viele vor Herausforderungen stellt.

Ich bin nicht mehr oft weggegangen, auch vor der Pandemie nicht, weil mir die Zeit fehlt. Aber manchmal reicht es schon aus die Möglichkeit zu haben um sich unbeschwert zu treffen, wieder in den Armen zu liegen.

Weiterlesen „Was fehlt. – Ambiguitätstoleranz“

Fehler wiederholen sich. Sachsen zwischen Querdenken und Pegida.


Am Wochenende fanden in Sachsen wieder eine Vielzahl an unangemeldeten Aufzügen statt, die gegen die Corona Beschränkungen verstießen.
In Bennewitz wurden dabei mehrere Journalisten von offenbar organisien rechtsextremen Hooligans angegriffen und schließlich von der Polizei fortgeschickt, da diese nicht in der Lage war, mit den vorhandenen Kräften, deren Sicherheit zu gewährleisten.

Seit Monaten wird auf die gesteigerte Gewaltbereitschaft in der Szene, vermeintlicher Querdenker hingewiesen, die insbesondere in Sachsen, stark durch rechtsextreme Kräfte organisiert sind.

Nur beispielhaft sind hier die sog. „Freien Sachsen“ zu nennen, die durch Martin Kohlmann (ehemals Pro Chemnitz) und Stefan Hartung (EX NPD) geführt werden und die über den Telegrammkanal, der durch Michael Brück bespielt wird (ehemals Die RECHTE; Nazikiez Dortmund) zu den Versammlungen aufrufen.

Diese Entwicklung hat sich abgezeichnet und sie war bekannt. Dennoch hat der Staat nicht adäquat reagiert. Die Fehler, die bereits im Umgang mit Pegida gemacht wurden, wiederholen sich.

Weiterlesen „Fehler wiederholen sich. Sachsen zwischen Querdenken und Pegida.“

Im Zweifel für die Freiheit – die autoritäre Versuchung

.

Leipzig hat am Wochenende ein Demonstrationsverbot verhangen. Dieses Verbot bezieht sich maßgeblich darauf, dass bei den Versammlungen mit einer kollektiven Unfriedlichkeit gerechnet werden muss und keine milderen Mittel zur Verfügung stehen.

Unter dem Motto „Alle zusammen“ hatten linke bis linksradikale Gruppen zu mehreren Versammlungen aufgerufen. Die Polizei hatte bereits im Vorfeld ein Verbot gefordert. Der Verfassungsschutz hatte in seiner Gefahrenprognose ebenfalls vor „Linksextremismus“ gewarnt.

Das Verwaltungsgericht hat dieses Verbot im Eilverfahren gehalten. Zusätzlich dazu hat die Polizei einen Kontrollbereich eingerichtet, der von Osten über den Süden bis nach Westen sämtliche Innenstadtnahe Stadtbezirke der Stadt erfasst.

Ein einmaliger Vorgang, der die restiktive Auslegung der Versammlungsfreiheit einmal mehr untermauert.

Das Versammlungsgrundrecht ist essentiell für die Demokratie. Ein Verbot eine absolute Ausnahme.

Tatsächlich ist es das erste mal, dass die Stadt ein derart umfassendes Verbot erlassen hat und das Verwaltungsgericht dieses Verbot auch hält.

Das bisherige Versammlungsverbot welches 2011 erlassen wurde, hatte sich auf die Rechtsfigur des polizeilichen Notstandes gestützt und damit argumentiert, dass aufgrund der angezeigten Versammlungslage nicht ausreichend viele Polizeibeamte zur Verfügung stehen.

Auch die Verbote im Frühjahr bei den sog. Corona Proteste waren im Hinblick auf das Infektionsgeschehen verboten worden und damit im Rahmen einer nicht vergleichbaren Sondersitutation.

Dennoch wird eine Tendenz deutlich. Die Tendenz bei der Abwägung zwischen Sicherheit für die Allgemeinheit und Grundrecht des Einzelnen im Zweifel der Sicherheit einen höhere Stellung einzuräumen.

Im Hinblick auf prognostizierte Ausschreitungen mag das auf den ersten Blick überzeugen.

Aber es bleibt verstörend. Der Wunsch nach Sicherheit, in einer Gesellschaft, die nie sicher sein kann, gefährdet die Freiheit und mit ihr den demokratischen Rechtsstaat.

Wir nehmen immer weitere Einschränkungen der Grundrechte in Kauf und billigen sie sogar. In der Vorstellung einer dadurch zu gewinnenden Sicherheit tendieren viele Menschen immer mehr zu einem autoritären Staatsverständnis und damit einen Staat der vorsorglich Gefahren auch durch schwerste Grundrechtseingriffe unterbindet.

In der Abwägung ob man die Gefahr akzeptieren muss, ob eine Mülltonne brennt oder nicht oder der Versammlungsfreiheit sollte in einem freiheitlichen Rechtsstaat, die Entscheidung immer für den Rechtsstaat ausgehen.

Stattdessen werden im Polizeirecht immer weitere Eingriffsbefugnisse geschaffen, Gerichte argumentieren restriktiver und Bürger fordern weitere Einschränkungen um die Unsicherheit des Lebens und damit die Gefahren nicht zu ertragen.

Auf diese Art und Weise sind wir aber dabei die Freiheit, die Grundlage dieser Demokratie abzuschaffen. Ohne grundrechtliche Freiheit, keine Demokratie, kein Rechtsstaat.

Wir befinden uns auf einem gefährlichen Weg.

Antisemitismus in Leipzig?



Es gibt diesen Fall und er ändert die Sicht auf die Dinge. Ein Sänger, der in einem Leipziger Hotel einchecken wollte, berichtet danach von Antisemitismus. Was folgt ist Aufregung, eine katastrophale Krisenkommunikation des Hotels, ein Netz in Aufruhr.

Jetzt 2 Wochen danach, tauchen neue Erkenntnisse auf. Möglicherweise war doch alles ganz anders. Oder jedenfalls ein bisschen?

Und wieder tobt die Aufregung. Diesmal ist nicht das Hotel schuldig, sondern der Sänger und Ressentiments finden Raum.

In der ganzen Debatte gibt es 2 Ebenen. Die man trennen sollte und trennen muss.

Es gibt die Ebene des konkreten Sachverhaltes – des konkreten Vorwurfs. Und nachwievor ist keine Ermittlung abgeschlossen sondern es wurden innerhalb der letzten 2 Wochen nahezu täglich Wasserstandsmeldungen rausgegeben.

Man kann sich die ganzen einzelnen Meldungen zusammen suchen. Man kann dabei auch die Interessenlage der Beteiligten berücksichtigen, was oft genug außen vor bleibt und feststellen, dass es bislang kein Endergebnis gibt.

Daraufhin ist es ein offener, nicht abschließend zu beurteilender Sachverhalt. Und die meisten Menschen ergreifen Partei, je nach Sichtweise und Einstellung.

Es gibt die 2 Ebene. Niemand wird ernsthaft bezweifeln können, dass es Antisemitismus in Deutschland gibt. Niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass Menschen die einen Davidstern tragen oder eine Kippa im Alltag beleidigt werden.

Die Zweifel an dem konkreten Geschehen dürfen nicht dazu führen, dass wir das Vorhandensein von Antisemitismus negieren, dass die Debatte dazu führt die Glaubwürdigkeit generell von Betroffenen in Frage zu stellen.

Es braucht auch keinen konkreten Anlass um sich damit auseinanderzusetzen und es ist genau deswegen auch nicht falsch gewesen unmittelbar danach eine Kundgebung zu machen, die sich wohlgemerkt generell mit Antisemitismus auseinandergesetzt hat und zwar auch mit Antisemitismus innerhalb der linken und Antisemitismus, der geprägt ist durch die Nahostdebatte.

Aber inzwischen werden die Zweifel am konkreten Fall als Beleg dafür genommen, dass es Antisemitismus nicht gibt oder er jedenfalls nicht so schlimm ist. Doch ist es.

Am Ende wird es viele Verlierer geben. Ganz wird sich das Geschehen nicht aufklären lassen. Videos ohne Ton und Aussagen die gegeneinander stehen, erlauben keinen endgültigen Schluss.

Der Sänger verliert Glaubwürdigkeit. Das Hotel aufgrund desaströser Krisenkommunikation und Handeln Reputation.

Das schlimmste aber wäre, wenn wir Antisemitismus nicht mehr ernst nehmen würden. Der Fall ist dafür das schlechteste und beste Beispiel zu gleich.

Denn schlußendlich zeigt er auch die Aufgeregtheit einer Gesellschaft, von der ich Teil bin und mich daher auch nicht frei sprechen kann.

Die Aufforderung: Gegen jeden Antisemitismus zu handeln bleibt richtig. Egal von woher er kommt oder wie er sich äußert. Und das ist das Entscheidende.