Gedanken zum Krieg.

Morgens aufwachen und Nachrichten lesen. Lesen, was geschehen ist und wo. Wie schlimm es geworden ist.

Es ist nicht der erste Krieg in Europa. Aber dieser Krieg ist anders, als alle anderen zuvor. Näher, unmittelbarer. Es fühlt sich so an, obwohl der Jugoslawienkrieg nicht viel weiter entfernt war. Eine Welle der Solidarität hat Europa erfasst.

Aber auch hier zeigt sich, dass nicht alle Menschen gleich sind. Die Menschen, die flüchten werden nicht alle gleich behandelt. Auch im Krieg und der auf ihr folgenden Solidarität zeigt sich mitunter die Abscheulichkeit.

Stärker als alle anderen zuvor ist es auch ein Krieg der Bilder und Nachrichten. Tausendfach jeden Tag in die Welt gesendet. Videoschnippsel und Bilder, die in aller Brutalität das unfassbare zeigen. Bilder, der Vernichtung.

Es gibt keinen gerechten Krieg und keine Rechtfertigung für Krieg. Es ist furchtbar leicht zu sagen: Nie wieder Krieg und die Waffen nieder und nach dem Frieden zu rufen.

Aber wie soll der Frieden gelingen, wenn auf dieser Welt Autokraten, Kleptokraten, Diktatoren, die ganzen Menschheitsschinder nicht daran denken, dass morden zu lassen ? Ich glaube nicht, dass sich ein bis an die Zähne bewaffneter Autokrat von drohenden Worten einschüchtern lässt, vor allen Dingen dann nicht wenn der Handel weiter geht.

Es gibt einige, die fordern, dass morden zu beenden und es wäre doch das Beste wenn die Ukraine kapitulieren würde, um dann über Frieden zu verhandeln.

Welch ein absurder Gedanke. Ein Land zu opfern, einem Land seine Selbstbestimmung abzusprechen. Und warum sollte dann Schluß sein? Aus welchem Grund?

Wie viele Länder oder Menschen wollen wir für Frieden opfern und ist es dann noch Frieden?

Das was Putin macht hat er in den 90er Jahren bereits angekündigt. Wir haben es weder wahrgenommen, noch hören wollen.

Dieser Krieg könnte auch eine Kaskade in Gang setzen. Und ich verwerfe den Gedanken daran, was folgen könnte und kann es doch nicht.

In den 90er Jahren mit dem Zerfall gab es noch mehr Länder, die sich von Russland lösen wollten, nach Unabhängigkeit strebten. Der viel zu wenig beachtete Krieg in Tschetschenien mit all seinen Gräuel ist mahnendes Beispiel. Von uns kaum wahrgenommen. Weit weg. Leicht zu ignorieren. Tschetschenien, wo ist das schon?

Putin hat in Syrien interveniert. Von der Masse der Gesellschaft kaum wahrgenommen. Unter den Vorwand den islamischen Staat zu bekämpfen und im Verborgenen um Baschar al Assad, einen Diktator, zu stützen.
Mit unfassbarer Brutalität hat Russland interveniert. Von uns ignoriert.

Wir haben uns nur über die Geflüchteten aufgeregt. Wir, das ist die Gesellschaft, dass sind wir alle. Über die jungen Männer, die nicht kämpfen wollten, nicht bereit waren zu sterben für einen Krieg, den sie nicht begonnen haben, den sie vielleicht nicht führen wollten.

Aus der Ukraine flüchten keine Männer.

Es ist furchtbar leicht alles zu ignorieren, was uns scheinbar nicht betrifft aber in einer global vernetzten Welt, gibt es keine Unschuld mehr.

Der Krieg kostet. Die Preise steigen und die Sanktionen treffen auch uns und schon murren die ersten und beschweren sich. Treibstoff ist so teuer wie noch nie und wird teurer werden. Energie sowieso.

Und schon regen sich die ersten über die Sanktionen auf und fühlen sich getroffen. Wie zynisch muss man sein?

Aber so ist der Mensch, immer erst an sich selbst denken über Treibstoffpreise schimpfen, Zusammenhänge ignorieren und vergessen das in Europa kaum 1000 km entfernt ein entsetzlicher Krieg tobt.

Und noch die seltsamsten Argumente werden gefunden. Es wird mit Russlands Sicherheitsbedürfnis argumentiert. Womit bitte? Ist das eine Rechtfertigung dafür Länder zum Spielball geopolitischer Interessen zu machen, so als bestimmen nur die Großmächte was Länder dürfen.

Am absurdesten ist das Argument, dass in der Ukraine auch Nazis kämpfen. Stimmt. Gibt es. Auf allen Seiten. In fast jedem Land dieser Erde gibt es offenbar Nationalisten und Kriegstreiber und auch Faschisten. Ich mag sie alle nicht.

Entnazifizierung? Welch Wort für einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg! Und schon machen die ersten bitterbösen Witze die Runde, darüber dass eine Entnazifizierung in Europa doch zu überlegen sei, aber möglicherweise das falsche Land getroffen wurde…

Darf man in Zeiten des Krieges noch lachen? Und wie gehen wir damit um?

Der Krieg ist nah und fern zu gleich.

Es stellen sich so viele Fragen, auch über die Menschenrechte und unsere Werte.

Es gibt keine Rechtfertigung für Krieg und es gibt keine Rechtfertigung zu schweigen, wenn Menschen sterben. Allein Worte werden nichts ändern, allein Waffen keinen Frieden schaffen.

Und mit einmal sind auch wir, weit weg und nicht weit genug weg, mittendrin in der Auseinandersetzung zwischen Krieg und Frieden.

Nie wieder Krieg? Nie wieder Krieg!

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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