In Shitstormgewittern.

In Shitstormgewittern.

Schnell kann man einen Shitstorm auslösen, der wie eine Lawine über einen hinweg fegt und vernichten will. Eine unbedachte Äußerung hier, ein falsches Wort da und dann in einer Zeit der Aufgeregtheit, des Gierens nach Skandal, der Nukleus des Shitstorms – einer Lawine an Kritik, bis hin zur Schmähkritik, die nichts weiter will als das Objekt der Kritik zu demütigen und zu zerstören.



Zwischen den Tagen habe ich genau das getan, eine Äußerung, deren Tragweite ich unterschätzt habe und die missverständlich war.

Geteilt, ohne die Klarstellung und Entschuldigung, auf zigtausend vornehmlich rechtsextremen Seiten der AfD, bis Deutschlandkurier.
Was folgt ist ein Sturm der entmenschlichten Entrüstung. Zigtausend Kommentare, Mails, an alle bekannte Adressen, Telefonanrufe nachts, Morddrohungen, übelste Beleidigungen auf allen Kanälen tagelang.

Ich will mich nicht zum Opfer erklären aber davon berichten.

Und auch wenn ich erfahren bin im Umgang damit, abgehärtet und vielleicht auch abgestumpft macht es etwas mit einem. Wächst die Unsicherheit, entwickelt sich Paranoia und Unruhe. Es geht am Ende nicht um Kritik sondern im Sturm um die Zerstörung der Integrität.

Unbekannte Nummern die mitten in der Nacht anrufen oder im Büro die Nachricht hinterlassen, dass ich bald tot bin, Blicke auf der Straße, man wird zum Aussätzigen und Geächteten und viele fühlen sich berechtigt einem anderen Menschen den Tod zu wünschen oder ihn aufs übelste zu beleidigen weil er doch selber schuld ist….

Vorgeworfen wurde mir, dass ich mich über den Tod eines Menschen lustig gemacht haben soll, bzw. es abgefeiert haben soll. Dieser Post, wurde auch ohne Rücksicht auf den Verstorbenen oder dessen Hinterbliebene tausendfach geteilt weil es eben nicht um Respekt geht sondern primär darum das Ziel der Attacken bloßzustellen.

Der Post ist nur der Ausgangspunkt für den Hass und Kritik. Alles andere muss dahinter zurückstehen. Man hätte es auch umschreiben können um die Kritik zu adressieren aber warum umschreiben, wenn ich den Skandal illustrieren kann um damit mehr Aufregung und eigene Sichtbarkeit zu erzeugen. Es zählen schließlich auch der Applaus, gemessen an Likes und Kommentaren, die ich erhalte.

Wir alle neigen dazu, in der Schnelle uns mitreissen zu lassen, der eigenen Erregung Raum und Wort zu geben und erst dann zu reflektieren. Und oft genug erscheint es gerechtfertigt.

Aber Kritik, notwendige Kritik, kommt ohne Beleidigungen und Drohungen aus, und will nicht vernichten sondern etwas bewirken.

Mental hat mich dieser Shitstorm mitgenommen, wie die anderen davor auch. Man wird zum Angriffsziel, fühlt sich unwohl.

Das was geholfen hat, ist das Gefühl nicht alleine zu sein, sind diejenigen, die kritisiert haben einerseits und doch andererseits Hilfe angeboten haben und diejenigen die Solidarität geübt haben.

Genau darüber muss man sich klar werden, der Hass greift einen Menschen an und psych. Probleme können beim Getroffenen die Folge sein, oftmals eingepreist.

Und unabhängig wie man es bewertet, den Ausgangspunkt ob berechtigt oder nicht, darf ein Shitstorm, darf die Entmenschlichung niemals normal werden. Hass zerstört an dieser Stelle alles.

Und die Aussage, dass das doch normal ist, darf niemals normal werden.

Gegen den Hass. Gegen die Unkultur des Shitstorms.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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