Antisemitismus in Leipzig?



Es gibt diesen Fall und er ändert die Sicht auf die Dinge. Ein Sänger, der in einem Leipziger Hotel einchecken wollte, berichtet danach von Antisemitismus. Was folgt ist Aufregung, eine katastrophale Krisenkommunikation des Hotels, ein Netz in Aufruhr.

Jetzt 2 Wochen danach, tauchen neue Erkenntnisse auf. Möglicherweise war doch alles ganz anders. Oder jedenfalls ein bisschen?

Und wieder tobt die Aufregung. Diesmal ist nicht das Hotel schuldig, sondern der Sänger und Ressentiments finden Raum.

In der ganzen Debatte gibt es 2 Ebenen. Die man trennen sollte und trennen muss.

Es gibt die Ebene des konkreten Sachverhaltes – des konkreten Vorwurfs. Und nachwievor ist keine Ermittlung abgeschlossen sondern es wurden innerhalb der letzten 2 Wochen nahezu täglich Wasserstandsmeldungen rausgegeben.

Man kann sich die ganzen einzelnen Meldungen zusammen suchen. Man kann dabei auch die Interessenlage der Beteiligten berücksichtigen, was oft genug außen vor bleibt und feststellen, dass es bislang kein Endergebnis gibt.

Daraufhin ist es ein offener, nicht abschließend zu beurteilender Sachverhalt. Und die meisten Menschen ergreifen Partei, je nach Sichtweise und Einstellung.

Es gibt die 2 Ebene. Niemand wird ernsthaft bezweifeln können, dass es Antisemitismus in Deutschland gibt. Niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass Menschen die einen Davidstern tragen oder eine Kippa im Alltag beleidigt werden.

Die Zweifel an dem konkreten Geschehen dürfen nicht dazu führen, dass wir das Vorhandensein von Antisemitismus negieren, dass die Debatte dazu führt die Glaubwürdigkeit generell von Betroffenen in Frage zu stellen.

Es braucht auch keinen konkreten Anlass um sich damit auseinanderzusetzen und es ist genau deswegen auch nicht falsch gewesen unmittelbar danach eine Kundgebung zu machen, die sich wohlgemerkt generell mit Antisemitismus auseinandergesetzt hat und zwar auch mit Antisemitismus innerhalb der linken und Antisemitismus, der geprägt ist durch die Nahostdebatte.

Aber inzwischen werden die Zweifel am konkreten Fall als Beleg dafür genommen, dass es Antisemitismus nicht gibt oder er jedenfalls nicht so schlimm ist. Doch ist es.

Am Ende wird es viele Verlierer geben. Ganz wird sich das Geschehen nicht aufklären lassen. Videos ohne Ton und Aussagen die gegeneinander stehen, erlauben keinen endgültigen Schluss.

Der Sänger verliert Glaubwürdigkeit. Das Hotel aufgrund desaströser Krisenkommunikation und Handeln Reputation.

Das schlimmste aber wäre, wenn wir Antisemitismus nicht mehr ernst nehmen würden. Der Fall ist dafür das schlechteste und beste Beispiel zu gleich.

Denn schlußendlich zeigt er auch die Aufgeregtheit einer Gesellschaft, von der ich Teil bin und mich daher auch nicht frei sprechen kann.

Die Aufforderung: Gegen jeden Antisemitismus zu handeln bleibt richtig. Egal von woher er kommt oder wie er sich äußert. Und das ist das Entscheidende.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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