Was wirklich wichtig wäre…

Ich bin müde.

Der Wahlkampf nervt. Es nervt die immer gleichen Sätze zu hören, die Vorwürfe und Unterstellungen. Und dann wird auch noch leidenschaftlich darüber diskutiert, wer wie ungerecht behandelt wird. Wohlgemerkt nicht, welche Menschen oder Gruppen ungerecht behandelt werden sondern welche Parteien.

Irgendein rechtes Magazin meint unter dem Motto FFFleaks aufdecken zu können, dass sich Menschen abgesprochen haben um im Internet, insbesondere bei Twitter Hashtags trenden zu lassen.

Und tatsächlich verfängt diese unglaublich banale Nachricht, weil wir uns aufregen und ablenken lassen.

Worum geht es eigentlich?

Geht es darum welcher Kandidat*in wie glaubwürdig ist? So als würde man, wenn man lange genug gräbt nicht bei jedem Menschen irgendetwas finden.

Wir lassen uns ablenken, regen uns über Nebensächlichkeiten auf und verlieren die entscheidenden Sachen aus den Augen. Mit Inbrunst streiten Menschen für einen Parkplatz vor ihrer Tür und verkennen das Problem. So als wäre der Parkplatz irgendwie entscheidend für die Gesellschaft, jenseits der eigenen Komfortzone.

Nebensächlichkeiten, die lange und intensiv diskutiert werden, so als wäre unser größtes Problem, dass irgendwo am Wochenende eine Scheibe kaputt gegangen ist und das Wichtigste ist, dass man sich schnell und konsequent von irgendetwas distanziert, so als würde distanzieren und verurteilen irgendetwas ändern.

Ein Mensch ist getötet worden. Nicht zufällig und auch keine Einzeltat. Es ist ein Symptom einer Gesellschaft, an dessen Rändern sich die Zentrifugalkräfte verstärken. Einer Gesellschaft, die mehr und mehr in Gruppen zerfällt, mit all den negativen Folgeerscheinungen. Und wir stehen daneben, pflichtschuldigst Bei- und Mitleid erklärend, während das strukturelle Problem, des sich in Gruppen verbreiteten Hasses weiter ausbreitet.

Gab es eine große Debatte darüber, wie wir Zusammenhalt jenseits der Meinungsverschiedenheiten im demokratischen Rahmen organisieren? Wie es gelingen soll, dass diese Gesellschaft nicht komplett auseinanderfliegt?

Ich weiß es nicht. Mag sein, dass es sie gab und ich nur selber in diesem Moment abgelenkt war.

Das Bundesverfassungsgericht hat vor gar nicht langer Zeit grundsätzlich Recht gesprochen und festgehalten, dass die Freiheit der kommenden Generationen gefährdet ist. Wäre das in einem Jahr, in dem die Klimakatastrope global so deutlich wird wie nie zuvor, nicht der Auftrag gewesen dieses eine Thema in den Mittelpunkt zu stellen?

Die Wahrheit ist, dass das Thema fast unbemerkt blieb. Ja, es gibt die Klimakatastrophe, ja wichtiges Thema und man macht jetzt irgendetwas aber man muss die Menschen mitnehmen und nicht zuviel und überhaupt. Laber, laber, laber.

Sattsam bekannte Allgemeinplätze, die die Hilf- und Ahnungslosigkeit zeigen.

Es ist nicht irgendein Thema. Es ist das Thema. Wir befinden uns stabil auf dem Weg Richtung 3,0 Grad. Die Steuerbarkeit der Katastrophe wird damit zur Illusion. Wir hinterlassen den kommenden Generationen eine in weiten Teilen lebensfeindliche Welt, in der die Gesellschaft in sich feindlich gegenüberstehenden Gruppen zerfallen ist.

Ich möchte den Glauben aufgeben, dass sich irgendetwas ändern lässt. Ich möchte auf den Moment warten, da alles zerbricht und dann mit einer Flasche Champagner oder Bier auf einem Hügel sitzen und geflissentlich selbstgerecht, aber immerhin gerecht, wie Sheldon Cooper in Big Bang Theory murmeln: “ Ich habs euch doch gesagt.“ und mich daran erfreuen, dass ich Recht behalten habe.

Mein Problem und an dieser Stelle ist es wirklich ein Problem: „Ich habe Kinder.“ Ich klage mich an. Ich habe Kinder und tragen allein deswegen die Verantwortung dafür, in welcher Welt sie aufwachsen und was bleibt.

Und ich habe wahnsinnige Angst davor, dass sie mich irgendwann fragen, was ich eigentlich gemacht habe und wie es soweit kommen konnte.

Stotternd, mit Schamesrötte im Gesicht, werde ich dann sagen:

„Äh, also das war so, wir dachten ja wir können, dass ähm noch ändern und da waren andere Themen irgendwie wichtiger. Dies, das! War ja immer irgendwas gerade auch wichtig“

„Und als dann ähm klar war, dass es wirklich passiert, haben wir erstmal darüber gestritten wer, daran wie schuld ist. Und ähm, während wir darüber gestritten haben, wer wie Schuld ist, haben wir es leider verpasst doch noch irgendwie zu handeln.“

„Sorry. Aber viel Glück in der postapokalyptischen Zukunft Schatz.“

Papa, hat euch ganz doll lieb.“

PS: Noch ist es nicht soweit. Noch gilt aufgeben nicht. Morgen ist übrigens Klimastreik und das wäre doch wirklich mal eine Maßnahme nochmal deutlich zu machen worum es eigentlich geht.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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