Im Dreck – willkommen im postfaktischen Zeitalter.

Ein selbsternannter Plagiatsjäger meint, dass Passagen aus dem Buch von Annalena Baerbock plagiiert sein. Diese Nachricht wird aufgegriffen und verbreitet sich in Windeseile.

Spannend ist dabei, dass viele Medien keine eigene Prüfung zum Sachverhalt vornehmen sondern nur die Plagiatsvorwürfe der Stellungnahme der Partei gegenüberstellen. Allein das ist bereits unsauberes arbeiten weil ungeprüft Behauptungen übernommen werden.

Zu den Vorwürfen muss man nicht viel sagen. Das Buch ist keine wissenschaftliche Arbeit und alle Stellen, die vorgeworfen wurden, entstammen aus freizugänglichen Artikeln und stellen einen Sachverhalt dar und damit keine Wertung. Der Plagiatsvorwurf entbehrt weitestgehend einer sachlichen Grundlage.

Dabei wird allerdings ein Symptom deutlich.

Im aktuellen Bundestagswahlkampf zeigt sich verstärkt die Tendenz, dass im Ringen um die Macht jedes Mittel Recht ist. Sei es, dass böswillig Versatzstücke einer Rede der Journalistin Carolin Emcke aufgegriffen und bewusst falsch interpretiert werden, um daraus einen Vorwurf zu machen, sei es dass immer neue Vorwürfe konstruiert werden wie der vermeintliche Plagiatsfall.

Es geht in dieser Art der Auseinandersetzung darum. dass Vorwürfe und Behauptungen verunsichern sollen. Desinformationskampagnen verschleiern die Fakten. Am Ende reicht es aus, dass Zweifel gesät werden und diese Zweifel hängen bleiben.

Dazu muss man sich vergewissern, dass die erste Behauptung und Verbreitung, bedingt auch durch die Art der Kommunikation immer wirkmächtiger ist als das Dementi oder der objektive Sachverhalt.

Die Botschaft die aktuell hängen bleibt ist: es gibt Plagiatsvorwürfe. Ob diese stimmen oder nicht, ist an dieser Stelle egal. Der Zweifel an der Redlichkeit der Kandidatin wurde geweckt und verstärkt. Im Ernstfall ist dies ausreichend.

Mit dieser Art der Auseinandersetzung wird allerdings eine Beschädigung der Demokratie bewusst in Kauf genommen. Deutschland nimmt immer mehr den US amerikanischen Weg, der am Ende die Gesellschaft spaltet und die Gräben vertieft. Profiteure wiederum sind vor allen Dingen die Kräfte, die diese Demokratie überwinden wollen im Sinne einer Wiedergeburt des Nationalen und der Überwindung eines als „schwach“ empfundenen liberalen Rechtsstaates.

Auch das dürfte den Spin Doktoren hinlänglich bekannt sein. Aber wie so oft in der Politik zählt der kurzfristige Erfolg mehr, als das langfristige Ziel.

Dies ist auch der Grund warum notwendige Maßnahmen im Klimaschutzbereich nicht vorankommen. Im hoffen auf den kurzfristigen Erfolg, will man den Wähler*innen nicht zuviel auf einmal zumuten.

Die absehbaren Langzeitfolgen in der Art des Wahlkampfs für die Demokratie und bei der Beantwortung der Klimakrise wird auf die kommenden Generationen übertragen. Ob der dann eingetretene Schaden noch reparabel ist, wird ausgeklammert.

Deutschland befindet sich auf einem gefährlichen Weg.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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