Feindmarkierung

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Ich kann mir Gedanken machen. Gedanken darüber wie ich mit Hass umgehe. Hass, der im Internet tobt, in den Kommentarspalten. Immer mit der Zielstellung, die Integrität anzugreifen, eine Person zu schädigen, ihr zuzusetzen. Ich kann mir Gedanken machen. Ich kann es auch weil meine Situation dennoch privilegiert ist.

Worte wie Arsendosen, die langsam ihr Gift entfalten. Angriffspunkt ist die politische Meinung und angegriffen wird die Person, dass Aussehen, die Arbeit, die Wohnung, die Worte – alles zerstören, einen Menschen psychisch zusetzen.

Aktuell habe ich es wieder einmal geschafft den kompletten rechten Narrensaum gegen mich aufzubringen. Artikel in der Sezession, der Hauspostille von Götz Kubitschek, über Artikel in der Compact bis hin zur Deutschen Stimme.

Bilder und Beschreibungen, gelesen als Feindmarkierungen in einer Zeit, in der rechter Terror greifbar ist, wo sich immer mehr Menschen berufen fühlen eine vermeintliche „Volksmeinung“ umzusetzen und aus Worten des Hasses Taten werden zu lassen.

Das alles hat Gründe. Die Situation ist nicht neu. Polizeischutz bekomme ich hin und wieder auf Demos, was sich immer ein wenig seltsam anfühlt, wenn Beamte mich auf Schritt und Tritt begleiten und nach bestimmten Ereignissen auch mal Objektschutz für meine Wohnung oder für die Kanzlei.

Wenn anonyme Accounts schreiben bezogen auf mich „Ok. Lübcke“ wie zuletzt, dann soll das Angst machen. Dann ist es eine kaum verhohlene Drohung.

Und dennoch: Ich lebe in Leipzig. Bin ausreichend bekannt, dass ich tatsächlich Schutz bekomme.

Viele andere genießen diesen Schutz nicht. Nicht in dem Maße. Bleiben auf sich alleine gestellt.

Wenn wie zuletzt in Zwickau ein knappes dutzend vermummter Neonazis vor einem Haus auftaucht dann ist dies eine Gewaltdrohung.

Ich kenne viele Freund*innen inzwischen die diese Erfahrung machen mussten. Das Gefühl der Bedrohung beruht nicht allein auf der Feindmarkierung sondern auch darauf im Ernstfall auf sich alleine gestellt zu sein.

Ganz offen und kaum verhohlen treten inzwischen rechte Jugendgruppen in Zwickau auf, die Kinder aus den Baseballschlägerjahren – die nächste Generation Hass. Letztes Jahr wurden mehrfach Fridays for Future in Zwickau von Rechten gestört, kaum geschützt durch die Polizei.

Aktivisten berichten, dass regelmäßig rechte Aufkleber am Briefkasten sind. Die Botschaft: Wir wissen wo du wohnst – wir kriegen dich.

Es soll einschüchtern. Angst machen. Abhalten. Menschen, die sich engagieren sollen verstummen. Und zu oft gelingt es auch, weil zuviele wegschauen weil immer auch die Opfer für den Hass mit verantwortlich gemacht werden.

„Dann halte dich doch zurück“

Ich bekomme Morddrohungen, mein Wohnhaus wird markiert und dennoch geht es mir gut. Ich wohne in Leipzig. Ich kann ausweichen. Andere können das nicht.

Die Antwort auf Hass kann nicht Hass sein. Die Antwort auf Bedrohung kann nicht sein, Gründe dafür zu suchen, warum jemand bedroht wird, denn dann gewinnt immer der Hass. Es gibt keine Gründe andere Menschen zu bedrohen.

Die Antwort auf Hass ist nicht Hass sondern Solidarität und Zusammenhalt.

Gewidmet allen Menschen, die von rassistischer und anderer Art menschenfeindlicher Diskriminierung und Hatespeech betroffen sind. Insbesondere an meine Freund*innen in Zwickau und anderswo.

anEurerSeite

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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