Eine kurze Geschichte der Parkplatznot in Anger- Crottendorf und anderswo.

Statt Anger-Crottendorf lässt sich ein beliebiger anderer Stadtteil einer wachsenden Stadt einsetzen. Anger- Crottendorf für die nicht Leipziger ist ein Stadtteil im Osten der Stadt, der in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist. Aktuell gibt es Streit. Viel Streit.

Die Situation der Stellplätze in Anger- Crottendorf erhitzt die Gemüter. Eine Petition macht die Runde, Anschuldigen werden erhoben, die Emotionen kochen hoch.

Vielleicht einige Anmerkungen wie es dazu kommen konnte:

Leipzig wächst, nach wie vor, auch wenn der Wachstumschub inzwischen wieder abgenommen hat. Trotzdem kommen jedes Jahr mehr Menschen dazu, als die Stadt verlassen. Damit einhergeht die Erschließung neuer Baufelder, die Schließung von Baulücken und die Instandsetzung leerstehender Häuser. Dies auch, da eine Stadt als sozialer Raum durch eine geschlossene Bebauung definiert ist. Das was in Anger-Crottendorf passiert, geschieht in vielen anderen Stadtteilen und Städten auch. Die Stadt wächst, der Platz wird weniger.

Die Städte und Straßen stammen dabei zumeist aus einer Zeit, in der es noch keine Autos gab und selbst später noch Autos Luxusgüter waren. Erst die Reichsgaragenordnung von 1939, Grundlage der jetzigen Bauordnung, hat festgelegt, dass bei jedem Haus Stellplätze zu schaffen sind. Ziel war es die umfassende Motorisierung der Bevölkerung voranzutreiben. Daraus hat sich in Teilen fast schon ein Zwang zum Auto entwickelt.

In der Kurzfassung: die Stadt ist zu klein, die Flächen zu gering, wenn jede Wohnung ein Auto hat. Der öffentliche Raum, der allen Menschen gehört, ist primär kein Parkplatz sondern erfüllt andere Funktionen.

Die Wohnzufriedenheit ist dort besonders hoch, wo es viel grün gibt und es nicht zu laut ist. Auch diese Ansprüche lassen sich nur schwer mit stark befahrenen Straßen erfüllen.

Anger- Crottendorf ist einer der wachstumsstärksten Stadtbezirke in Leipzig. Im Laufe der vergangenen Jahre sind deutlich mehr Menschen zugezogen, was die Platzfrage dringlicher stellt.

Die Stadt wiederum hat die StVO, ein Bundesgesetz, in vielen Stadtteilen, so auch in Anger- Crottendorf nicht konsequent umgesetzt. Falschparken wurde geduldet, auch weil der Raum da war und das Konfliktpotential gering. Dabei sind die Städte zur Umsetzung der StVO verpflichtet. Die Stadt kann nicht entscheiden, einfach ordnungswidriges Parken durch Ignoranz zu ermöglichen.

Insbesondere auch deswegen weil die Fußwege den schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen gehören. Schon jetzt ist es für Menschen im Rollstuhl, Gehbehinderte, Familien mit Kinderwagen zum Teil eine Zumutung zwischen parkenden Autos, die bis in den Kreuzungsbereich stehen durchzukommen.

Auch die Diskussion, die zum Teil entbrannt ist, dass Fahrradfahrer schuld sein, da die jetzt auch noch Platz wollen oder Fußwege zu breit sind oder Autos generell schuld sind, führt nicht weiter. Die meisten Menschen sind nicht nur Autofahrer oder Radfahrer oder Fußgänger oder ÖPNV Nutzer sondern nutzen mehrere Arten und es gibt Menschen, die auf das Auto angewiesen sind.

Was es braucht sind Lösungen. Die Forderung die StVO auszusetzen und rechtswidrige Zustände zu dulden ist keine Lösung sondern Unsinn.

Zunächst braucht man ein Ersatzangebot zum Auto, durch vernünftige Fußwege, eine Radfahrinfrastruktur und einen gut vertakteten ÖPNV und Car-Sharing Angebote.

Das ewige Lamento einiger weniger, die meinen, dass sie einen Anrecht auf einen kostenfreien Parkplatz im öffentlichen Raum haben nervt. Vor allen Dingen dann wenn die Forderungen erhoben wird, dass dieser kostenfreie Parkplatz bitte auch noch in unmittelbarer Nähe sein soll.

Stadtplanung muss sich vor diesem Hintergrund vom Zwang zum Auto befreien. Wir brauchen nicht mehr sondern deutlich weniger Autos und vor diesem Hintergrund sind auch E-Fahrzeuge kein Ersatz. Auch E-Fahrzeuge brauchen Platz, die Substitution aller Diesel/ Benziner durch E-Fahrzeuge würde den Kraftstoffverbrauch zwar reduzieren aber das Platzproblem nicht lösen.

Außerdem ist es nicht energieeffizient um einen Körper zwischen 50-300 KG zu transportieren einen Körper mit 2 t in Bewegung zu setzen. Ganz einfache Physik.

Die Lösung sind nicht mehr Parkplätze sondern weniger Autos. Und zwar überall.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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