Straßenstreit

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In den deutschen Innenstädten herrscht der Ausnahmezustand. Fußgängerinnen gegen Radfahrerinnen gegen Autofahrer*innen. Der von Hobbes beschriebene Ausnahmezustand des Kampfes aller gegen Alle ist der Normalzustand.

Schlimm.

Radfahrerinnen, die unschuldige auf dem Fuß- der eigentlich ein Radweg ist, flanierende Fußgängerinnen als Slalomstangen missbrauchen, Autofahrerinnen die grundsätzlich davon ausgehen, dass Autos immer Vorfahrt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmerinnen haben auch dann wenn man die Hauptstraße verlässt und Radfahrer*innen, die die StVO für eine unverbindliche Nutzungsempfehlung halten und sich so verhalten. Rücksichtnahme wird meistens zwar groß geschrieben aber immer nur dann, wenn man sich danach über die anderen, die immer Schuld sind, erregen kann.

Jede/r kann ausnahmslos jeden Tag, immer aus dem Blickwinkel eines spezifischen Verkehrsnutzers eine Runde abhaten über die Anderen.

Geht. Schlimm. Ändert halt nichts.

Gern wird dieser Streit aufgefrischt wenn es darum geht neue Fahrradsstreifen abzumarkieren. Eine nicht zu unterschätzende Autofahrlobby, geführt vom ADAC , fühlt sich dann bemüßigt von Gängelung zu schwadronieren, ein geradezu babylonisches Staugewirr heraufziehen zu sehen und mindestens den Untergang des Abendlandes zu sehen.

Aktuell aufgeführt in Leipzig am Beispiel der Wundtstraße, eine vierspurige Straße, die einen Fahrradstreifen bekommen soll.

Der ADAC weiß zu berichten, so berichtet es die LVZ, dass Fahrradstreifen Radfahrer anlocken würden und so Unfälle geradezu provoziert würden. Außerdem sei die Verkehrsführung doch seit 50 Jahren so, was ungefähr auch den Stand der Verkehrsplanung wiederspiegelt.

Ich stelle mir also vor wie die scheuen Radfahrer*innen, angelockt wie Mäuse durch Käse, dann anfangen auf Radfahrstreifen zu fahren um so den Autoverkehr zu provozieren und zwar durch ihre bloße Existenz.

Unfälle entstehen meist nicht durch Radstreifen sondern durch Fehlverhalten. Aber hey, was weiß ich schon.

Außerdem meint der ADAC; dass die armen geschundenen Autofahrer*innen dadurch zum umsteigen gezwungen werden sollen.

Irgendwo hatte ich noch eine Tüte Mitleid, die ich jetzt gern aufkochen würde um meine Tränen mit Mitleid zu trocknen über soviel Ungerechtigkeit.

Weil man versucht den Straßenraum anders aufzuteilen und damit die Verkehrsplanung aus dem letzten Jahrtausend mit all ihren Fehlern revidiert, werden unschuldige Autofahrer*innen benachteiligt. Schluchz.

Ich fände ja, wenn wir generell ein Verkehrsangebot und eine Infrastruktur schaffen, wo man problemlos ohne Auto überall hinkommt, schnell und bezahlbar, dass Auto also keinen generellen Vorrang mehr hat, wäre viel geholfen.

Aber dazu muss man Sachen verändern. Mehr Platz für das Rad schaffen, Fußwege ertüchtigen und einen eng vertakten, bezahlbaren ÖPNV schaffen. Ja und das bedeutet bei beschränkten Platz, dass das Auto nicht mehr überall Vorrang hat.

Die Städte wären schöner, grüner, unfallfreier, die Treibhausgasemissionen rückläufig.

Das wäre doch mal was. Und darüber hinaus könnten alle die, die trotzdem zwingend auf das Auto angewiesen sind, trotzdem selbiges nutzen und wären schneller weil die Straßen insgesamt entlastet werden.

Könnte ja sein, könnte man mal darüber nachdenken. Oder man argumentiert mit der Verkehrspolitik der 1950er Jahre bunkert sich ein und schwadroniert davon, dass Radstreifen Radfahrer anlocken.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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