Silvester oder soll man es lassen.

Im vorchristlich – animistischen Glauben, was erwähnt werden soll, um die „Verteidiger des Abendlandes“ und solche die es werden möchten zu integrieren, die anlässlich der Silvesterfeuerwerksdiskussion schon die Diktatur fürchten, diente das Feuerwerk dazu böse Geister zu vertreiben. Gemeint ist damit allerdings nicht „Merkel muss weg“ oder ähnlicher Unfug.

Das heute angewandte Feuerwerk, auch das weiß man, geht auf die chinesische Song Dynastie zurück, was auch nicht so schrecklich viel mit uns zu tun hat.

In der Jetztzeit sollte das Feuerwerk auch dazu dienen, sich auf das neue Jahr einzustimmen. Seine Vorfreude also statt in liebevolle Worte, gerichtet an den nächsten, in Böllerei statt Völlerei zu investieren um damit seinen unkreativen Umgang mit dem Kommenden zum Ausdruck zu bringen.

Traditionell entfacht sich vorher eine Diskussion über das pro und kontra von Feuerwerken, die aufgrund bestehender Regelungen zumeist aus tatsächlichen Gründen die Verfechter des Feuerwerks als scheinbare Sieger vom Platz lässt, während sich die Verfechter des Verbots auf eine moralisch sichere Position zurückziehen können um dann gemeinsam in den Tagen danach in den Klang des altbekannten, „was überall rumliegt und der Müll“ einzustimmen.

Ich will die sattsam bekannten Argumente, die für ein stärkere Einschränkung sprechen nicht wiederkäuen (Umwelt- und Tierschutz zum Beispiel) und nur darauf verweisen, dass diejenigen, die meinen, dass man auch an die Feuerwerksindustrie und ihre Beschäftigten denke müsse, gänzlich auf dem Holzweg sind.

Es ist eine Angewohnheit der menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, dass nicht alles so bleibt wie es ist und nicht bleiben kann. Ansonsten würden heute auch noch Pferdedroschken durch die Innenstädte rollen, was bei Licht betrachtet vielleicht auch besser wäre als Blechlawinen. Dies aber ist eine andere Diskussion und ich will nicht unnötig weiteren Menschen auf den Schuhen, die ohnehin selten zum laufen genutzt werden, rumstehen.

Dieses Jahr hat, bedingt durch eine Verkettung von eigenwilligen Umständen, die Diskussion einen neuen Drive bekommen.

Die Pandemie macht es möglich, dass es auf einmal Feuerwerksverbote gibt. In Sachsen zum Beispiel in Chemnitz und Dresden während in Leipzig sektoral noch geknallt werden darf.

Begründet wird dieses Verbot mit einer Entlastung der Rettungskräfte was sinnvoll ist, da die Silvesternacht in der Tat, die Nacht des Jahres mit den meisten Rettungseinsätzen ist, da es ein Brauchtum zu sein scheint, Wohnungen mit Feuerwerkskörpern in Brand zu setzen, sich Finger und andere Sachen wegzusprengen oder Schlägereien anzuzetteln durch übermäßigen Alkoholgenuss.

Ich persönlich weiß gut gemachtes Feuerwerk mit seinen Lichten und Effekten durchaus zu schätzen, kann aber der Knallerei recht wenig abgewinnen.

Schon in früheren Zeiten herrschte der Brauch, dass sich junge Menschen ausgerüstet mit Knallkörpern, im Wert des Taschen- und Weihnachtsgeldes oder Hartz IV auf der Straße duellierten um in Rotten den Nebel der Silvesternacht aufsteigen zu lassen und sich einen gepflegten Tinnitus zu zuziehen. Ein bisschen Krieg für Alle und sogar Pazifisten dürfen mitmachen.

Dieses Jahr jedenfalls dürfte es ruhiger werden, was nicht verkehrt ist, denn es gibt ohnehin keinen Grund sich auf 2021 zu freuen und damit die Hoffnung zu verbinden, dass irgendetwas besser werde.

Die Pandemie wird die Silvesternacht trotz Böllerei wahrscheinlich überleben. Die Einschränkungen lassen sich also nicht wegfeuerwerken. Der Klimawandel schreitet auch weiterhin ungebremst voran und für die ganzen anderen persönlichen Dinge hätte man auch 2020 oder jedes Jahr davor auch schon sorgen können.

Aber der Mensch braucht Rituale. Deswegen letztlich ein paar Ersatzvorschläge zu Silvester:

Um den wabernden Feinstaubnebel nachzuempfinden empfehle ich einfach das Wasser in der Küche solange zu kochen bis es sich in Wasserdampf verwandelt.
Für den originären Brandgeruch kann man einfach zu Hause ein bisschen rumgokeln und so zum Beispiel Omas alten Stuhl ein bisschen anbrennen.

Statt den Tinnitus durch Böller hervorzurufen, kann man sich entweder wahlweise gleich das Trommelfell durchstechen oder die eigene Anlage mit Musik eigener Wahl auf tinnitusfördernde Lautstärke einstellen. Das ist angenehmer und billiger und das letzte was man hört ist wenigstens eine Melodie, die man mag und nicht ein emotionsloses „Kawumm“.

Das grelle blenden der Knaller, erreicht man durch ein handelsübliches Fahrradlicht oder Taschenlampe, die man auf Stroboskopeffekt einstellt.

Mit diesen kleinen Ticks und Tricks verwandelt ihr die eigene Wohnung in die eigene Silvesternacht, spart Geld und entlastet die Rettungskräfte unter der Voraussetzung, dass man natürlich nicht gleich die ganze Wohnung abflämmt.

Und wie gesagt gibt es eh keinen Grund irgendwas zu feiern.

Falls einem trotzdem die Silvesternachtemotionen fehlen, kann man auch einfach handelsübliche Drogen beim Dealer an der Ecke kaufen, in einer zu großen Menge einwerfen und einfach einen Kriegsfilm oder Nachrichten schauen. Dann bekommt man wenigstens auch Paranoia.

Statt Drogen tut es natürlich auch eine wilde Mischung aus hochprozentigen Alkohol und Chlorreiniger. Laut dem ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten soll ja Chlor als „alternativer Fakt“ auch gegen die Pandemie helfen.
Für allzu besorgte Verschwörungsfans also genau die richtige Mischung.

Die Rettungskräfte entlastet das allerdings vermutlich nicht.

In diesem Sinne lasst knallen aber ohne Knaller. Sollten mir Knaller oder solche die es werden möchten zu nahe kommen, behalte ich mir vor, mit meinem Teleskopabstandshalter, die notwendige Entfernung auch nonverbal nachzumessen.

In diesem auf ein Neues.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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