Person des Jahres – der sächsische Innenminister

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Eine besinnliche Zeit bahnt sich an. Wie das dieses Jahr wird, weiß keiner. Ist schließlich alles anders. Schön trinken kann man sich aber alles.

Aber Revue passieren lassen, kann man ja trotzdem schon mal und auch die Person des Jahres küren.

Ganz klar der sächsische Innenminister, der das Teflonprinzip in der Politik auf eine neue Stufe gehoben hat. Auch wenn der mecklenburgische Innenminister, der selber Waffen bei Rechtsextremen kauft und dann sagt, dass war ja privat also wird er als Innenminister nicht drauf antworten, am Ende nochmal aufgeholt hat.

Eine nicht ganz ernst gemeinte Laudatio für den Mann des Jahres.

Ende letzten Jahres, noch als steilen Wahlkampfmove, die Soko Links eingerichtet, zusammen mit dem Parteibuddy dem damaligen Justizminister, der schon im Wahlkampf war. Wahlkampf in der „roten Hochburg Leipzig“.

Gut ein Jahr später, mit Blick auf die Zahlen, hat man zwar nichts ermittelt aber ein Zeichen gesetzt. Ein klares Zeichen: wir greifen durch.

Von Ferne sieht das eher aus wie, daneben greifen aber das macht nichts. Das Publikum nimmt auf: Der Innenminister greift durch. Gegen rechtsfreie Räume. Oder für? Weiß an nicht so genau. Jedenfalls durchgegriffen.

Und dann kam ja auch schon Silvester. Gab es ein wenig Rabatz in Leipzig, klar in Connewitz. Wo sonst.

Wenn irgendwo eine Mülltonne brennt, passiert häufiger aber auch nicht so häufig, dass es ein gravierendes Problem ist, ist es Sachbeschädigung. Brennt in Connewitz eine Mülltonne dann ist es ein Zeichen des linken Terrors.

Alle Mülltonnen sind schließlich gleich und die Mülltonnen in Connewitz sind halt gleicher als andere.

Gebrannt hat aber gar keine Mülltonne sondern ein Einkaufswagen und in diesem eine Pappkonstruktion.

Eskalierte dann ein wenig. Auch weil das Polizeikonzept, nun ja verbesserungswürdig war, wie auch die Kommunikation.

Erst hieß es Linksextreme hätten einen Beamten schwer verletzt. Notoperation, versuchter Mord, das ganze Programm.

Nachdem der Böllerrauch vorbei ist, blieb davon nicht so sehr viel übrig. Keine Lebensgefahr, keine schlimme Verletzungen, kein nichts, kein gar nichts.

Aufarbeitung der Auseinandersetzung, bei denen haufenweise Unbeteiligte hineingezogen worden? Gibt es nicht.

Warum auch. Schließlich ist offenbar jede/r der in Connewitz wohnt, lebt, arbeitet mindestens Linksextrem, wenn nicht sogar Terrorist.

Dürfte auch die Mehrheitsmeinung in Sachsen sein, jedenfalls überall da wo die alten Faschisten Deutschlands kurz AfD vorne liegen und das ist, nun ja, an ziemlich vielen Orten der Fall.

Was bleibt?

Der Pressesprecher der Polizei musste gehen. Und am Innenminister perlt alles ab. Kommt gar nichts an. Warum auch.

Fahrradgate, auch ne schöne Geschichte. Kommt im Frühjahr raus, dass die Polizeidirektion einen schwunghaften Handel mit gestohlenen Bikes aufgezogen hat. Also einige, sogar einige viele.

Und es kommt heraus, dass der Innenminister, das wusste und zwar schon seit Ende des vergangenen Jahres. Und es perlt ab. So perlt eigentlich nur Champagner oder eben Sachen am Innenminister ab. Oder Regentropfen am lackierten Rahmen gestohlener Fahrräder .

Wäre ja auch doof gewesen, wenn der Innenminister verkündet, dass in der Polizeidirektion Leipzig mit gestohlenen Rädern gedealt wird, während der Parteibuddy und damalige Justizminister auf Wahlkampfplakaten mit Bike und Polizistin posiert.

Ein Schelm wer böses dabei denkt. Blieb nichts haften. Keine große Aufregung. Nichts. Die weiße Weste bleibt auch wenn sie eigentlich schwarz ist.

Gleich danach den Präsi des notorisch rechts blinden und links blöden Verfassungsschutzes geschasst, der noch schnell der Welt erzählt, dass er gehen musste, weil der Innenminister wollte das er Daten über die alten Faschisten löscht.

Gut, dass der bisherige Präsi des VS Vorkämpfer gegen rechte Umtriebe in Sachsen war, war vielleicht ein wenig dick aufgetragen aber Löschung von Daten?

Schnell wird erzählt, dass die Daten rechtswidrig gespeichert wurden, muss schließlich alles seine Ordnung haben.

Also Daten von Rechtsextremen darf man nicht speichern, würde der VS auch sonst nicht machen. Macht er ja auch nicht.

Aber von Leuten, die gegen Nazis in Sachsen demonstriert haben, wird dann gern mal gespeichert was das Zeug hält. Also Bürger xy hat am so und so vielten gegen „Rechte“ demonstriert. Macht der VS wirklich.

Später sagt man dann, dass die Daten vielleicht doch nicht rechtswidrig gespeichert waren und man nochmal prüfen will.

Wirkt so als würde der Innenminister Gänseblümchen zupfen und statt Fragen: ob er geliebt wird, Fragen ob er speichern darf: Ja, ein wenig, ein bisschen, gar nicht.

Kommt keiner mehr mit. Sieht keiner mehr durch. Wenn keiner mehr durchsieht, gibt es auch keinen Skandal über rechtswidrig gespeicherte Daten.

Brillante Strategie, übrigens.

Und dann die Sache mit den Querdenkern in Leipzig. Da muss man einfach den Hut ziehen.

Also Demo in Leipzig mit Rechtsextremen und Hooligans und pipapo. Eskaliert ein wenig.

Und dann sich hinsetzen und sagen: war nichts. Waren nur ältere Menschen und Kinder und gegen die greifen wir nicht durch.

Also ich kann nicht ausschließen, dass bei den Hooligans noch ein paar unreife Charaktere dabei waren und ein paar früh vergreiste aber trotzdem.

Egal, einfach lächelnd das erzählen. Was man nicht sagt, hat auch nicht stattgefunden, hat man nichts gewusst.

Und Schuld sind auch nicht die Sicherheitsbehörden sondern allein die Stadt, weil die hat ja die Demo erlaubt und allein der Innenminister hätte es nicht zugelassen.

Versammlungsfreiheit ist eh nur was, für nervende Zeitgenossen.

Warum der Innenminister, die Demo gleich verboten hätte, seine Sicherheitsbehörden aber statt zu agieren nur reagieren und quasi Spalier stehen, erklärt sich nicht.

Fragt aber auch keiner nach. Kommt keiner mehr mit.

Ein Leipziger Sportjounalist würde diese Leistung beschreiben mit: zerrt an den Ketten, immer blickig. Was das bedeutet? Keine Ahnung. Klingt aber gut.

Das die Opposition tobt? Kümmert nicht weiter. Was kümmert es die deutsche Eiche, wenn sich die Sau und so weiter.

Die deutsche Eiche ist übrigens keine eigene Gattung. Aber das ist auch egal.

So wie alles andere.

Statt Sicherheit werden Zeichen gesetzt. Haften bleibt nix. Ein bisschen wie Goretex oder halt Teflon.

Mit Dir lieber Innenminister würde ich keine Pferde stehlen gehen aber braten so mit Teflon geht schon mal.

Person des Jahres. Innenminister Wöller.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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