Nüchtern betrachtet – Lockdown light.

Betrachten wir die vorhandenen Fakten. Wir befinden uns in einer Pandemie. In einer Situation, in der Menschen sterben können und sterben. Wir befinden uns einer Situation, die trotz der Mehrzahl an unproblematischen Verläufen dazu führen kann, dass das Gesundheitssystem an die Grenze der Belastung kommt und in Folge davon Menschen nicht mehr behandelt werden können.

Was wiederum deutlich macht, dass es Bereiche gibt, die nicht auf Rendite ausgerichtet werden sollten, wo der Markt nicht alles regelt sondern wo größere Kapazitäten vorgehalten werden müssen, auch wenn es nicht rentabel ist.

Es hilft auch relativ wenig mit Zahlen zu operieren und jeden Morgen fast schweißgebadet, die Neuinfektionen zu lesen oder die Todesrate zu studieren.

Wir tun gut daran, vom schlimmsten möglichen Fall auszugehen und uns danach auszurichten. Nur so, lässt sich, der schlimmst mögliche Fall verhindern.

Jeder Mensch hat ein Recht zu leben, egal wie alt oder krank er/sie ist. Das ist die Grundlage unserer Gesellschaft. Es ist deswegen zynisch zu argumentieren, dass ja nur wenige sterben oder nur Risikogruppen gefährdet sind.
Alle Menschen haben ein Recht zu leben und eine Abwägung findet nicht statt. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Darüber kann es auch keine Diskussionen geben.

Auf der anderen Seite müssen alle Maßnahmen verhältnismäßig sein, das ergibt sich aus dem Rechtsstaatsprinzip des Grundgesetzes.

Dazu gehört auch, dass durch die Maßnahmen bestimmte gesellschaftliche Bereiche über Gebühr belastet sind, dass gerade Existenzen vernichtet werden.

Es sind extrem schwierige Entscheidungen, die zu treffen sind. Unser Wissen über das Virus ist nach wie vor erst am Anfang. Wissenschaft befindet sich im Fluss, mehr Daten hilft mehr zu verstehen, hilft getroffene Einschätzungen zu revidieren.
Aber es ist offenbar ein typisch menschlicher Zug, sich anzumaßen alles zu verstehen. Wir denken zu anthropozentrisch. Meinen, dass wir alles wüssten, dass wir der Mittelpunkt der Natur sind. Wir beweisen nur die Begrenztheit unseres Denkens.

Und dieses triumphierende Wissenschaftler A hat doch das gesagt und deswegen stimmt das jetzt weil es meine Meinung deckt, ist nur noch peinlich.

Es ist auch menschlich, dass mit der Zeit die Sehnsucht steigt nach Normalität, dass die Unruhe und die Sehnsucht nach Gewissheiten zunimmt. Umso gefährlicher sind daher die Heilsversprechen selbst ernannter Prediger, die sich für bessere Ärzte halten. Man kann immer nur davor warnen. Immer und immer wieder.

Die Ungewissheit belastet uns alle. Der Mensch als soziales Wesen leidet. Es macht etwas mit uns, wenn menschliche und körperliche Nähe negativ konnotiert ist. Es macht etwas mit unseren Kindern. Es verändert unsere Gesellschaft tiefgreifend.

Es ist auch normal, dass wir nach Schuldigen suchen. Das die Fragen nach dem „Warum“ immer wieder auftaucht. Warum, sind wir nicht besser vorbereitet? Warum, erscheinen die Maßnahmen zum Teil unabgestimmt?

Die Situation ist eine Belastung. Was richtig ist und richtig bleibt, ist immer die Ruhe zu bewahren, Solidarität einerseits wie auch Kritik zu üben und vor allen Dingen Rücksicht zu nehmen und denjenigen zu helfen, die in der Krise am schwersten betroffen sind. Nein, die Pandemie macht nicht alle gleich. Sie vertieft die Gräben. Die Ärmeren sind Stärker betroffen als die Wohlhabenden.

Schuld sind wir alle und jede/r mag sich fragen, ob es nicht die ein oder andere Situation gab, wo man den Abstand dann doch nicht so genau genommen hat oder das Hände waschen vergaß.

Scheitern ist menschlich.

Es geht darum Lösungen zu finden, wie das wirtschaftliche Überleben von bestimmten Branchen sichergestellt werden kann, wie es Ausgleich gibt.

Nein, eine Gesellschaft, deren Priorität Gesundheit ist zum Erhalt der Wirtschaft ist, ist keine Alternative oder Zukunft. Aber in Teilen ist es bereits bittere Realität. Die Wirtschaft dient dem Menschen, nicht der Mensch ist Knecht des Kapitals. Es erscheint nach wie vor so, dass das offen halten von Schulen und Kindergärten nicht aus Sicht und für Kinder gedacht ist, sondern vor allen Dingen dafür, dass die Eltern arbeiten gehen können. Doch, dass muss in Frage gestellt werden.

Welche Werte und welche Welt, wollen wir unseren Kindern überlassen? Es geht hier nicht darum, was wir wollen, was jeder einzelne will. Weniger Egoismus, weniger Konkurrenz darum sollte es gehen.

Es gibt viel zu reden. Weder Panik, noch Unruhe, weder Besserwisserei, noch der Zeigefinger helfen. Wir müssen reden, miteinander.

Bleibt gesund. Seid solidarisch. Nehmt Rücksicht.
Und lasst uns gemeinsam endlich anfangen aus dieser Situation zu lernen.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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