Liebig 34 – Keine Matratze.

Die Liebigstraße 34 in Berlin wurde geräumt. Es folgt was folgen muss: Resonanaktionen deutschlandweit und die Ikonisierung des Ortes, der zur Projektionsfläche wird.

Es gibt in diesem Kontext viele Fragen, die man stellen muss, diskutieren muss und sollte. Fragen der Legalität und Legitimität. Fragen über das Verhältnis von Mittel und Zweck.

Die Inneneinrichtung gehört nicht dazu. Allerdings ist es typisch für unsere Zeit als auch für die sozialen Netzwerke, dass die notwendigen politischen Fragen durch Nebensächlichkeiten überlagert werden.

Eine dieser Nebensächlichkeiten ist die Inneneinrichtung. In einem Akt des unbarmherzigen Voyeurismus stürzen sich Pressevertreter nach der Räumung ins Innere um Bilder zu zeigen, die Sensationslust zu befriedigen und den sozialen Abwärtsvergleich zu befeuern.

Das Bild einer Matratze wird zum Internetmeme. Es soll den Zustand der Verwahrlosung der radikal Linken verdeutlichen. Es transportiert Abwertung. Es ist also keine politische, juristische Auseinandersetzung mehr sondern eine die auf die niedersten Triebe des Menschen abzielt.

Dass das Bild der Matratze,mit Schmutz übersät und Löchern, gar nicht aus der Liebigstraße stammt ist ein Nebenaspekt.

Der Mob im Rausch nach Abwertung und Befriedigung der eigenen Erwartungen und Annahmen („man hat es schon immer gewusst“) ist nicht auf der Suche nach Wahrheit, ist unkritisch gegenüber Quellen, weil man den niederen Trieben folgt.

Dabei kann man den Anlass beliebig austauschen. Die Gesellschaft ist nicht auf der Suche nach Aufklärung sondern in der Ellenbogengesellschaft auf der Suche nach Abwertung.

In einem Wort ekelhaft.

Diejenigen, die ernsthaft über Inneneinrichtungen diskutieren, sind auch diejenigen, die nach unten
treten um sich selbst aufzurichten – Verachtenswert.

Letztlich ist es darüberhinaus ein Treppenwitz der Geschichte, dass die Liebigstraße, die jahrelang ein Zufluchtsort vor staatlicher und struktureller Gewalt war, durch die Sicherheitsbehörden posthum zu einem Ort der Gefahr erklärt wird.

Sie haben es nicht verstanden. Sie beschützen eine Ordnung, die gewalttätig und deren Kern immer schon die Abwertung von anderen war.

Für eine Gesellschaft auf den Grundfesten der Gleichheit aller Menschen, der Gewalt- und Herrschaftsfreiheit.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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