Natur und Mensch – über das Problem in den Städten

Gestern Abend habe ich einen zornigen Beitrag geschrieben. Er handelt von der zunehmenden Zerstörung der Wälder durch den Menschen, durch achtloses Nutzen, durch anlegen von Trampelpfaden, Lagefeuern, Mountainbikestrecken und co. Er zeigt Bilder der Zerstörung, von verdichteten Waldböden auf denen nichts mehr wächst, von heruntergebrannten Wiesenstücken

Viele Menschen haben zugestimmt. Sie teilen den Eindruck. Einige haben auch widersprochen.
Aber das Problem ist komplexer.

Die Städte wachsen. Mit dem wachsen der Städte, mit der Nahverdichtung, neuen Wohnhäusern, gehen in der Stadt Grün- und Brachflächen verloren.

Der Waldanteil in Leipzig etwa beträgt 7 %, deutschlandweit sind es 10 %. Aber Natur und Wald sind für uns Erholung. Egal, ob es der Spaziergang ist unter hohen Bäumen, das liegen auf Wiesen, die Fahrt mit dem Fahrrad durchs Grüne.

Mit der zunehmenden Bebauung in den Städten, die nur noch Raum für künstlich angelegte Parks haben, die meist voll sind, übernutzt und deren Erholungsfaktor gering ist, weichen Menschen aus.

Das Ergebnis ist, dass die wenigen Grünflächen die wir haben, gerade in den Städten unter einem sehr hohen Nutzungsdruck stehen. Das Problem ist nicht der eine Trampelpfad, ist nicht das eine Stockhaus, ist nicht der eine Lagerfeuerplatz.

Das Problem ist die Vielzahl an Trampelpfaden, die große Anzahl an Lagerfeuern, die Überhandnahme an Mountainbikestrecken. Es gibt Parks, wo die Wiese keine Wiese mehr ist sondern nur noch verdichteter harter Boden, staubig, auf dem nichts mehr wächst. In der Folge weichen wir Menschen aus. Dahin wo es noch grün ist. Wenn die Wahl zwischen Wiese und Erde besteht, würden die meisten Menschen die Wiese wählen um sich niederzulassen. Aber auch so schreitet die Zerstörung voran.

Es nützt dabei nichts mit dem Finger auf Andere zu zeigen.

Wir sind es, die zur Zerstörung beitragen. Es gibt verschiedene Punkte, über die wir uns als Gesellschaft verständigen müssen.

Das was wir tun können, dass wie wir einen Ausgleich schaffen, dass was getan werden muss.

Vielen Menschen ist nicht klar, was Landschaftsschutzgebiet bedeutet. Was ich dann tun darf, wie ich mich verhalten soll. Mit der fehlenden Wahrnehmung der Schutzbedürftigkeit, fehlt die Sensibilität im Umgang mit der Natur. Es geht um Aufklärung. Dazu braucht es auch Schilder, die darauf hinweisen. Dazu braucht es auch uns, die wir andere darauf hinweisen. Die wir nicht im barschen Ton der Zurechtweisung sondern im freundlichen Nachfragen, im Miteinander, deutlich machen, dass weder Müll in Parks gehört, noch Trampelpfade cool sind. Wir müssen uns immer wieder klar machen, dass wir die Natur brauchen aber, so abgedroschen es auch klingt, die Natur uns nicht.

Wir brauchen mehr Stadtgrün, mehr Wald, mehr grüne Inseln, mehr Bäume und ja auch Brachflächen. Wir brauchen diese Brachflächen auch als Kaltluftschneisen. Jeder kann beispielsweise in Leipzig über das Programm „Leipzig, eine baumstarke Stadt„, Bäume spenden. Kann mit seinem Verhalten dazu beitragen die Natur und Umwelt zu schützen.

Und wir brauchen einen Ausgleich. Statt illegaler Mountainbikestrecken, braucht es legale Angebote. Es gab einst in den 90er Jahren in Leipzig eine Diskussion über legale Grillplätze und Lagerfeuerstellen. Die Befürchtung war, dass mit der Anlage von legalen Stellen, dass Problem eher zunehmen würde.

Das Gegenteil ist geschehen. Mit dem Anlegen von legalen Grill- und Lagerfeuerflächen sank die Anzahl an illegalen Nutzungen merklich.

Deswegen plädiere ich auch dafür, dass wir genau darüber sprechen. Das wir überlegen, welche Angebote wir schaffen können um die Natur dort, wo sie Ruhe braucht, zu schonen.

Aus diesem Grund streite ich auch für ein Freiflächenkonzept für Kulturveranstaltungen. Die Zielsetzung mit ausgewählten Flächen und Auflagen, wird ein Ausgleich geschaffen. Möglichkeiten werden gegeben einerseits und andererseits wird der Natur in besonders schützenswerten Bereichen wieder mehr Raum verschafft.

Und es wird auch mehr Kontrollen geben müssen.

Ich bin kein Freund von Kontrollen. Aber wenn wir es nicht schaffen, warum auch immer, sorgsam mit dieser Erde, dieser Natur umzugehen braucht es einen ordnungsrechtlichen Rahmen.

Das entscheidende bei all dem ist aber nicht der Staat, dass entscheidende sind wir, ist unser eigenes Verhalten.

Für die Umwelt, für die Natur.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

Ein Gedanke zu „Natur und Mensch – über das Problem in den Städten“

  1. Danke für die Problemwahrnehmung und die Äußerung dazu, Jürgen Kasek. Ich würde mir nun noch wünschen, dass engagierte Menschen wie Sie die Problematik schon in der Sprache erkennen – es gibt keinen Unterschied, keine Differenz zwischen Mensch und Natur, wir Menschen sind Teil der Natur. So wie es auch keine „Umwelt“ gibt, es gibt eine Welt. Nur die eine. Und dann müssen all die Menschen noch sehen lernen, wahr nehmen. Dann wären sie imstande, die Folgen ihres Tuns zu berücksichtigen (und es bräuchte keine „Kontrollen“ etc.). Bezüglich der offensichtlich sehr verbreiteten Annahme, dass einem jeden, einer jeden Spaß, seine/ihre Unterhaltung zusteht, muss ich mich in Zurückhaltung üben, sie ist mir unverständlich und demzufolge fremd. Und bezüglich der Menschen, die im Selbstgestrickten Bäume umarmen und am Lagerfeuer im Stadtwald die „Natur“ besingen, fällt mir derzeit auch nicht mehr ein als sie immer wieder anzusprechen und zu fragen, auf welchem Planeten sie eigentlich zu Hause sind.
    Wir sollten trotzdem weiter machen. Maud

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