In Zeiten der untergehenden Sonne über Verrohung reden

 

Ein Bericht aus den Meinungsbunkern der Republik.
Oder warum der sehr ehrenwerte Rechtsanwalt Hannig Morgen von mir vor Gericht gezwungen wird.

Man kennt das. Abends, nach langem Tagewerk kommt man nach Hause, öffnet das Internet und irgendetwas bringt das Blut zum kochen.

Im aktuellen Fall weil „Kasek- die von vielen als Linksfaschisten- Hassfratze in Sachsen schlechthin bekannte Gestalt..“, irgendwas getan oder gemacht hat. Gerne auch weil „linksgrün versiffte Meinungsterroristen uns wieder vorschreiben wollen, was man sagen darf“ oder etwas „verbieten“ wollen und sowieso eigentlich alles ganz schlimm ist.

Linderung verspricht dann nur, der Rückzug in die Schützengräben des Meinungskampfes, wo man sich in den Verhauen der Kommentarspalten gegenseitig Mut zu spricht und Abwertungs- und Vernichtungsfantasien teilt.
Wohlich das Feuer des Hasses, dass man doch nicht als Hass sondern als reine Gerechtigkeit bzw. „gerechten Zorn“ empfindet, die hier nun doch endlich siegen müsste, weil man doch ja wohl noch sagen dürfen wird, was eigentlich nicht zu sagen ist.

Unter dem oben erwähnten Post hatte auch ein Anwalt sein Mütchen gekühlt und munter mitgemischt in der Munitionierung des Hasses und frohgemut angekündigt, dass jeder der den „Kassek als Kommunistensau bezeichnet“, von ihm kostenlos vertreten werde.

Eben jener Anwalt, der auch Pegida als Geburtshelfer beistand, den Mörder von Walther Lübcke verteidigt oder auch in den Fall der Bürgerwehr „Arnsdorf“ verwickelt war, wo (auf-) rechte „Toitsche“ einen Flüchtling an einen Baum banden. Dieser Fall wurde im weiteren unterstützt vom „1 Prozent Netzwerk“. Man sollte also meinen, dass dieser Mann, der heute in Dresden großformatig in der Dresdner Neueste Nachrichten gewürdigt wird sich mit Hass auskennt.

Dass der Aufruf andere zu beleidigen eine Straftat darstellt und kostenfreie Rechtsberatung untersagt ist, scheint diesem Mann nicht anzufechten.

Da ich ungern warte bis der nächste „verwirrte Einzeltäter“, der eifrig die Listen im Internet absucht, angefeuert von Worten der Entmenschlichung an meiner Tür klingelt und meint irgendetwas im Sinne des Volkskörper exekutieren zu müssen, hatte ich Strafanzeige gestellt und eine Unterlassungsaufforderung versandt.

Letztere wird am morgigen Mittwoch in Dresden vor dem Landgericht verhandelt, an meiner Seite Rechtsanwalt Max Malkus.

Es ist ganz einfach: Worte der Abwertung sind nicht selten die Grundlage von Taten. Wenn ich einen Menschen erstmal abgewertet und aus der Gattung Mensch ausgeschlossen habe, fällt es viel leichter Gewalt anzuwenden. Ein uraltes Prinzip, perfektioniert von der Vernichtungsmaschinerie der NS Zeit, die doch für solche sturmerprobten „Patrioten“, die es einzig und allein nur schaffen, dass man sich aufrichtig dafür schämt, dass solche Menschen „Vaterlandsliebe“ bekunden und zuverlässig dafür sorgen, dass man sich angeekelt wegdrehen möchte, nur ein „Vogelschiss“ der Geschichte war.

Hannig jedenfalls hat nachdem er aus seinem Skiurlaub zurückkam erstmal ein Video gedreht, wo er die Verrohung beklagt und das man ja wohl noch…

Erwartbar erregt sich die „patriotische Front“ teilt das Video hundertfach um nunmehr endlich die Schützengräben des Meinungskampfes zu verlassen um ihresgleichen dem „Konservativen, extrem freiheitlichen“, Mann, wie er sich selber karrikiert beizustehen, wenn der Inbegriff der „gutmenschlichen Meinungsjunta“ ihn vor Gericht zwingt.

Kleiner wird es heute nicht mehr. Nicht mehr als der Auflauf von Patrioten, die offenbar nicht arbeiten müssen, weil sie im Dienst fürs Vaterland offenbar vom Zwang der Erwerbsarbeit befreit sind, wird Morgen also Hannig beistehen im Kampf gegen die „Hassfratze des Linksfaschismus“.

Ich hatte ja die Hoffnung, dass nachdem der Vorsänger von Pegida immer wieder betont hatte, dass man sich die Namen doch merken solle, man meinen Namen doch wenigstens richtig schreiben könne. Ferner hatte ich die Hoffnung, dass sich herumgesprochen habe, dass ich auch gern Anzeige, spätestens seitdem das Compact Magazin für rechtsdrehenden Quark mehrfach darüber berichtet und gewarnt hatte.

Nichts dergleichen. Dann also die Justiz. Und egal wie es ausgeht, es werden sich schon Menschen finden, die die Ungerechtigkeit beweinen, geschlagen aber nicht verzagend sich in die Meinungsbunker zurückziehen und auf Rache ,empfunden als Gerechtigkeit, sinnend auf einer neuerliche Chance wartend und sich bis dahin gegenseitig mit Vernichtungsfantasien tröstend.

In diesem Sinne
und mit Nichts als Liebe im Herzen und um Vergebung hoffend

eure „Linksfaschisten-Hassfratze“.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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