Immer wieder Montags oder warum der Protest gegen PEGIDA auf einmal anschlussfähig ist.

Immer wieder NO PEGIDA (weil es ennervierend ist).

Lesehinweis: Dieser Text kann Spuren von Satire und bitterbösen Zynismus enthalten.

Heute ist Montag. Also jener Tag, der von zahlreichen Menschen mit liebgewonnenen Memes über die Schrecklichkeit des ersten Tages der Woche bedacht wird und man sich wortreich darüber auslässt, dass nun ja, eben Montag ist, der hoffentlich schnell vergehen möge.

In Dresden der Stadt, in der gefühlt immer Montag ist, seitdem dort Pegida aufschlug (ich weiß ich tue jetzt furchtbar vielen Menschen unrecht), ist heute auch Montag. Das auch in Dresden Montags Montag ist, ist keine furchtbar aufregende Nachricht. Vielmehr bewegt sich das Ganze im Rahmen des Erwartbaren.

Aber Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, die größer sind als der ewige Dresdner Montag, an dem heute zum 200. mal ewig entrüstete und zutiefst von sich selbst und über alles andere besorgte Menschen, unter der Leitung eines notorisch Kriminellen, ihre Runde ziehen. Die Besorgten, die ja im Kern „gutwillig besorgt“ sind (so der notorisch rechtsdrehende Pegida Versteher und CDU Programm Schreiber Patzelt, für den auch Nazis halt nur missverstandene Existenzen sind, die sich doch nur Sorgen um Deutschland machen) werden heute begleitet von niemand geringeres als der Person, die vielleicht auch einmal eine „persönliche, politisch interessante Person sein könnte“. Also das wäre doch möglich.

Wir reden von Herrn H., der als hessischer Gymnasiallehrer, in diesem bis vor kurzem noch so unschuldigen Land Thüringen, dem „grünen Herz“ Deutschlands (nicht politisch gemeint), sein Unwesen treibt und dabei mit ganz eigenwilligen Interpretationen der deutschen Geschichte von sich Reden macht.

H. ist einer der führenden Repräsentanten einer Partei, die es sich ganz offensichtlich zum Ziel gemacht hat, die Demokratie zu zersetzen – mit demokratischen Mitteln. Diese Demokratie, die Freiheit und Menschenrechte garantiert, will man mit den eigenen Mitteln der Demokratie von Innen heraus zu zerstören um dann zum zweiten Mal in der deutschen Geschichte den Faschismus zu starten.

Das ist bekannt. Zahlreich wird darauf hingewiesen. So zahlreich, dass einige Vertreter der eigentlich konservativen Partei CDU, die offenbar auch besorgt sind, darauf hinweisen, dass die zahlreichen Mahner und Warner eigentlich „Linksextreme“ seien und man die AfD nicht ausgrenzen dürfe.

Mit der Integration von Faschisten kennt man sich schließlich aus und das hat ja schon mal ganz großartig funktioniert. So großartig, dass am Ende ein Weltkrieg stand, der mehr als 50 Mio Menschen das Leben kostete und in dem weite Teile Europas zerstört wurden- auch Dresden.

In Dresden hat man nun einen besonderen Umgang mit der eigenen Geschichte gefunden. Symbolisch stellen sich jedes Jahr mehr als zehntausend Dresdner des Abends um die Altstadt um diese quasi „zu schützen“, auch vor dem Versuch sich der Geschichte im revisionistischen Sinne zu bemächtigen, um dann wenige Tage später wenn wirklich Geschichtsrevisionisten auftauchen mehrheitlich zu Hause zu bleiben oder shoppen zu gehen.

Das sieht dann meistens so aus, dass sich 3000 Menschen, motiviert durch Gruppen wie Dresden Nazifrei oder Leipzig nimmt Platz (2020) gegen 1000 Nazis stellen, getrennt von der Polizei.
In den Reihen der Rechten übrigens auch ein Gründungsmitglied der Pegidianer, die anfänglich auch in sonntagabendländischen Talkshows ihre seltene und vor allem Dingen seltsame Meinung kundtun durfte.
Ein anderes Gründungsmitglied der dauerhaft Besorgten, der sogar schon in einer eigenen Reportage gewürdigt wurde, wie er Mehl auf den Elbwiesen verteilte, demonstrierte am 13.02. und weil Spaziergänge ja keine Demos sind, ohne Anmeldung.
In der mit viel Fingerspitzengefühl in der rechten Hand ausgestatteten Dresdner Versammlungsbehörde wurde dies aufmerksam mit einem wohlwollenden Schulterzucken goutiert.

Aber es ist Montag und weil Montag in Dresden ist, der Stadt wo einige Dinge schon immer anders waren als anderswo, und der hessische Lehrer mit dem eigenwilligen Geschichts- und Demokratieverständnis, der von Thüringen aus, die letzte Volkspartei ins Chaos stürzte, kommt wollen nun auch CDU und FDP an einem Montag demonstrieren, gegen PEGIDA.

Bei Twitter überbieten sich nun Repräsentanten der demokratischen Parteien mit Aufrufen und Beschwörungen wie wichtig es heute ist gegen PEGIDA zu demonstrieren. Selbst der Ministerpräsident ruft auf. Erwartungsgemäß wird viel Presse kommen und noch mehr Politiker*innen, die sich im Blitzlichtgewitter daran erinnern, dass Demokratie ja auch was mit Haltung zu tun hat.

Da fällt gar nicht mehr auf, dass es in Dresden anständige Menschen gibt wie HOPE – fight racism oder Nationalismus raus aus den Köpfen gibt, die jeden Montag die Fahne der Demokratie hochhalten.

Die dafür aber jeden Montag meist allein sind, weil es sich nun ja an anderen Tagen bei den Protestlern gegen Pegida meist um „Linksextreme“ handelt.

Demokratische Haltung beweist man lieber nur, wenn einmal im Jahr, zu besonderen Anlässen, dazu aufgerufen wird. Ansonsten versucht sich die viel beschworende schweigende Mehrheit, die das ja im Kern alles kritisch sieht und sich dennoch damit arrangiert, vor so viel Aufregung nicht aus dem Ruder zu laufen und die mittige Mittigkeit zu bewahren.

Recherchen haben ergeben, dass auf diesen Montag weiterere Montage folgen werden.

Demokratie verlangt eine Haltung, die man nicht nur dann anlegt, wenn gerade Presse da ist oder es anderweitig opportun ist, sondern täglich.

Dieser Post ist all jenen Menschen gewidmet, die Tag für Tag, mit Haltung und Handlung in Vereinen, Initiativen oder ganz alleine für die Demokratie eintreten, Hass und Hetze widersprechen, solidarisch handeln und die weil sie das ganz selbstverständlich machen und nicht laut darauf hinweisen, ganz oft übersehen werden.

Sie sind da, jeden Tag , für uns, für andere, für eine solidarische Gesellschaft.

Danke euch.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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