Umwelt schützen – Auwald retten?!

Eines der heiß diskutierten Themen in Leipzig ist derzeit das Thema Auwald und Forstwirtschaftsplan.

In diesem Forstwirtschaftsplan wird der Einschlag von mehren tausend Festmeter Holz vorgesehen, was zu deutlicher Kritik geführt hat. Da wird von der Zerstörung des Waldes geschrieben oder davon, dass Bäume geschlachtet werden sollen.

Eine sehr drastische Sprache, die zusammen mit Einwendungen und Massenanschreiben an Stadträt*innen unterstützt wird. Seit dem Wochenende habe ich etwa 200 gleichlautende Mails bekommen.

Es zeigt, dass die Menschen Anteil nehmen an ihrer Umwelt und sich für den Erhalt des Waldes und der Bäume einsetzen. Ein gutes Zeichen.

Deswegen ein wenig Sachverhaltsaufklärung:

Der Forstwirtschaftsplan ist die Ausformulierung der Maßnahmen der Forsteinrichtung und beschreibt wo und an welchen Stellen welche Maßnahmen im Wald umgesetzt werden sollen.

Dazu gehören Maßnahmen der Altdurchforstung, der Sanitärhiebe und der Mittelwaldbewirtschaftung. Teile des Auwaldes sind als Prozessschutzgebiet definiert, was bedeutet, dass im Wesentlichen keine Eingriffe durchgeführt werden dürfen.

Gegen den Forstwirtschaftsplan 2018 wurde Klage eingereicht. Die Klage im Eilverfahren wurde vor dem VG Leipzig abgewiesen. Die Beschwerde im Eilvefahren läuft derzeit vor dem OVG Bautzen.
Parallel dazu wurde das Hauptsacheverfahren angestrengt.

In einem ersten Schritt wurde daher im neuen Forstwirtschaftsplan darauf verzichtet, dass Einschläge in den FFH Gebieten durchgeführt werden. Dies auch um dem Klageverfahren nicht vorzugreifen.

Einig sind sich die streitenden Parteien darin, dass es dem Leipziger Auwald an einer Grundvoraussetzung mangelt: nämlich dem Wasser.

Auen sind Überschwemmungsgebiete. Ursprünglich war der Leipziger Auwald vorwiegend als Weicholzaue klassifiziert, inzwischen ist er in vielen Bereichen eine Hartholzaue (Esche, Eiche, Ahorn).

Voraussetzung der Auen sind regelmäßige Überschwemmungserscheinungen, in deren Folge es zu Offenflächen kommt. Bedeutet, dass durch das Wasser bestimmte Pflanzen absterben und damit nach dem Hochwasser Platz für neue Pflanzen schaffen. Insbesondere für besonders lichtbedürftige Bäume wie Eichen.

Aufgrund der Begradigung vieler Leipziger Fließgewässer und auch aufgrund der Tagebauen ist die natürliche Dynamik gestört. Bedeutet, dass es an Wasser fehlt.

Der Forstwirtschaftsplan will mit einem Teil der festgelegten Maßnahmen dafür Sorgen, dass etwa Eichen ausreichend Platz (Licht) haben und dadurch der Wald als Hartholz- bzw. in Teilen Weichholzaue erhalten bleibt und damit auch die Biodiversität.

Dagegen wird eingewandt, dass es dafür derartige Maßnahmen nicht bräuchte und es geradezu absurd sei Bäume zu schlagen um neue Bäume zu bekommen.

Ohne Eingriffe in den Wald wird dieser jedenfalls sein Gesicht verändern.

Im Kern der Streit vereinfacht dargestellt, der leider nicht an allen Stellen fair geführt wird.

Wir haben beantragt, dass zunächst ein Auwaldentwicklungskonzept aufgestellt werden soll um unter Einbeziehung der Träger öffentlicher Belange (Umweltverbände) und Einwohner*innen ein Konzept aufzustellen, aus dem alle Maßnahmen abzuleiten sind. Kernziel muss dabei die stärkere Wiedervernässung der Auen sein.

Gemeinsam für den Wald zu streiten, heißt an dieser Stelle eben auch darüber zu streiten, was das sinnvollste ist.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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