Die Chronik des Hasses – eine Würdigung

Am Sonntag jährt sich der Hass. Zum mittlerweile 5.mal will Pegida den eigenen Geburtstag feiern. Damals im Oktober 2014 begann es.

Die Chronik des Hasses – eine Würdigung

An der Spitze dieser Gruppe standen einfache Menschen. Menschen wie Lutz Bachmann, der zum ersten mal medial präsent wurde, als sein Bratwurststand vom Dresdner Striezelmarkt verbannt wurde. Damals eine Nachricht in der Bildzeitung.

Bachmann war zu dieser Zeit schon mehrfach vorbestraft ua. wegen Drogenhandel und Betrug. Zwischendurch floh er nach Südafrika. In den letzten Jahren sind weitere Verfahren dazu gekommen: wegen Volksverhetzung, Unterhaltsunterschlagung und weiteres. Die Strafen sind Geldstrafen und man darf annehmen, dass ein Teil der Kosten und Strafen durch den Verein, genährt von seinen Anhängern, beglichen wird.

Pegida entwickelte sich rasch. In einem Milieu, dass deutschlandweit bereits im Frühjahr 2014 durch die Mahnwachen für den Frieden gekennzeichnet war wirkte die Botschaft von Pegida als Brandbeschleuniger. Die Köpfe der „Bewegung“ irgendwelche „Jedermanns“ und kaum im neonazistischen Kreisen verortbar trugen eine kaum greifbare „Wut“ auf die Straße.
Eine „Wut“, die sich aus der Angst einer von Verlustängsten gebeutelten Gesellschaft speiste. Die Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg, die diffuse Angst vor dem „Fremden“. Der nie aufgearbeitete Rassismus und Antisemitismus in der DDR hatte seinen Anteil.

In einer atemberaubenden Geschwindigkeit entwickelte sich die „Bewegung“ und wurde zum Nukleus eines Massenphänomens mit Ablegern in der gesamten westlichen Welt, die zu Hochzeiten in Dresden mehr als 10.000 Menschen versammelte und daher auch für die Politik interessant wurde.

Schnell wurde die Radikalisierung von PEGIDA deutlich, die ihre Demozüge von rechtsextremen Hooligankreisen absichern liessen. Dies war ebenso, wie der von Anfang bestehende Rassismus bekannt und wurde nicht wahrgenommen.

Die Landeszentrale der politischen Bildung öffnete ihre Pforten und man überliess PEGIDA unkommentiert die Räumlichkeiten damit diese dort eine Pressekonferenz durchführen konnten.

Immer wieder wurde betont, dass man die „Sorgen und Nöte“ der Bürger doch ernst nehmen muss. Durch honorige Menschen wie den inzwischen ehemaligen Prof. der TU Dresden Patzelt wurde aufgrund nicht repräsentativer Umfragen immer wieder davon gesprochen, dass die Mehrheit doch im Grunde „gutwillig besorgt“ sei. Die Politik müsse „endlich“ handeln.

Man handelte. Das Land rückte nach rechts. Die Asylpolitik wurde verschärft. Der Rassismus nahm zu, wie auch die rassistische Gewalt.

Orte wie Freital, Heidenau in denen es zu pogromartigen Zusammenrottungen gegen Geflüchtete kamen wären ohne PEGIDA so nicht denkbar gewesen.

Pegida lieferte die Hintergrundhetze zum alltäglichen Hass auf der Straße.

Bereits bei PEGIDAs ersten Geburtstag kam es in Dresden zu massiven Übergriffen von Neonazis und Hools auf Gegendemonstranten. Eine endgültige Aufarbeitung fand nicht statt.

Die Sicherheitsbehörden versagten – geplant. Der Feind wurde links verortet. Als im Januar 2016 250 Nazi Hools den Leipziger Stadtteil Connewitz überfielen, als parallel der Leipziger PEGIDA Ableger LEGIDA seinen Geburtstag feierte, widmete der Verfassungsschutz den Gegnern mehrere Seiten und schrieb über LEGIDA, dass diese nicht verfassungsfeindlich sein.

Sicherheitsbehörden, die die Menschenfeindlichkeit, den unerträglichen Rassismus, den einsickerten Faschismus nicht wahrnehmen wollten, weil sie ihn relativierten und ermöglichten.

Auf Freital und Heidenau, folgten Bautzen und Clausnitz und irgendwann folgte Chemnitz – die Eroberung der Straße.

Eine Abgrenzung zwischen Neonazis, Reichsbürgern, Hooligans und Bürgern fand nicht mehr statt. Das Gefühl, dass man dies und das noch wohl würde sagen dürfen hatte sich breit gemacht und der Staat kapitulierte.

Das gesellschaftliche Klima hat sich gewandelt. Hass in den sozialen Netzwerken ist normal geworden, Menschenfeindlichkeit ist normal geworden.

In Deutschland 2019 werden wieder Menschen ermordet durch Rechtsextremisten. Es gibt rechten Terror. Und gefährdet sind alle die, die nicht in das Weltbild der Faschisten passen.

PEGIDA ist nicht die alleinige Erklärung, Pegida ist Teil davon und nach wie vor wird regelmäßig Montags in Dresden auf der Straße gefordert „Volksverräter“ „aufzuhängen“, Menschen werden entmenschlicht, Gräben sollen geschaffen werden. Immer noch weiter, noch radikaler, noch enthemmter.

Der parlamentarische Arm des Faschismus ist zweitstärkste Partei in meinem Geburtsland Sachsen. Und Freund*innen im ländlichen Raum egal ob aus Zwickau oder Grimma berichten regelmäßig wie sie auf der Straße angepöbelt, beleidigt und bedroht werden.

Man kann das alles übersehen, wenn man zur weißen Mehrheitsgesellschaft gehört und sich im wegschauen übt- so wie die Meisten.

An Warnungen hat es nicht gemangelt. Immer wieder wurde darauf hingewiesen von Initiativen, Vereinen und Gruppen. Von Initiativen und Gruppen, die deswegen nicht wahrgenommen wurden weil sie als „antifaschistisch“ gelten. In Deutschland 2019 gilt eine demokratische Haltung in Teilen als „linksextrem“.

Ich war dabei. Ich habe Freital und Heidenau erlebt, den Hass in Bautzen und Clausnitz. Ich war in Chemnitz und Dresden. Ich war nie alleine aber selten in der Mehrheit. Ich bin in Dresden durch die Nacht gerannt, hatte Polizeischutz vor meiner Wohnung und hab Morddrohungen gesammelt wie andere Briefmarken. In Bautzen fuhren wir Umwege weil das Risiko auf dem direkten Weg zu groß war.

Wenn der Faschismus gewinnt, dann nicht weil die Mehrheit ihn demokratisch gewählt hat, sondern weil die Mehrheit geschwiegen hat.

Am Sonntag wird PEGIDA demonstrieren. Die Mehrheit wird diesmal auf der anderen Seite stehen. Es reicht nicht aus, einmal im Jahr zu handeln. Demokratie verlangt Haltung Tag für Tag.

In Deutschland 2019 werden wieder Menschen durch Rechtsextremisten ermordet.

Alles Gute Deutschland, alles Gute Pegida. .

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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