Letzte Anmerkungen zu Halle, 09.10.:

In allen Medien wird derzeit das Leben des Täters durchleuchtet. Inzwischen wissen wir, nach geständiger Einlassung, dass er über ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild verfügte.

Und das er in Online Communities seine Tat ankündigte.

Was aber ist der Mehrwert den Täter ständig beim vollen Namen zu nennen und dessen Gesicht zu zeigen und damit dazu beizutragen, dass er sich ins kollektive Gedächtnis einbrennt?

Es geht darum zu verstehen, wie es dazu kommen kann und zu verstehen, wie man es hätte verhindern können. Das sind die Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.

Es gibt in Deutschland einen mörderischen Antisemitismus und Rassismus, der durch den von verschiedenen Seiten geschürten Hass verstärkt und verbreitet wird.

Dieser Hass vollzieht sich auch und gerade im Internet. Der bestürzende Befund ist, dass die Sicherheitsbehörden offenbar mit dieser Art der hybriden Bedrohung überfordert sind und keine strukturelle Antwort darauf haben.Dabei wird auch ein Unwillen sichtbar sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. An Hinweisen und Warnungen mangelte es in den letzten Jahren nicht. Es fehlte die Bereitschaft sich auch damit auseinanderzusetzen.

Es ist eben nicht der klassische Rechtsextremist der hier zu Tage tritt. Keine Kameradschaftstreffen, keine analogen Planungen.

Die Äußerungen des Bundesinnenministers, dass man jetzt die Gamerszene schärfer beobachten müssen, sind Ausdruck eines völlig Unwissens und auch einer Hilflosigkeit.

Man will Handlungsfähigkeit demonstrieren und weiß doch nur wieder vor „Killerspiele“ zu warnen.

Und das was fassungslos machen darf ist die Ahnungs- und Hilflosigkeit mit der die Gesellschaft auf Halle reagiert. Das ist das eigentliche Alarmsignal. Die Tat selber war kein Alarmsignal sondern die Konsequenz einer Entwicklung, die sich seit Jahren abgezeichnet hat und von breiten Teilen der Gesellschaft nicht zur Kenntnis genommen wurde.

Was zu tun wäre:

1) Anzunehmen, dass es in Deutschland inzwischen wieder einen rechten Terror gibt und damit das Problem ernst nehmen. Der Täter von Halle mag als Einzelner gehandelt haben. Alleine war er nicht.

2) Gegen jede Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit vorgehen und diese ächten. Und damit auch die AfD und deren Fußtruppen stärker ins Visier zu nehmen.

3) Die Sicherheitsbehörden stärker auf digitalen Hass und Vorbereitung von Verbrechen ausrichten. Dazu braucht man keine schärferen Gesetze für mehr Überwachung sondern gut ausgebildete Fachleute und ausreichend Kapazitäten.

4) Aufhören Bilder und Namen von Tätern zu verbreiten. Denn dadurch wird die Ikonisierung verstärkt und die Tat weiter verbreitet.

5) Nicht selber angesichts von Hass in dumpfe Wut und Hass zu verfallen. Der in Teilen der Gesellschaft und des Internets gärende Hass, lässt sich nicht mit Hass bekämpfen sondern mit Haltung und konsequenter Anwendung von bestehenden Gesetzen.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: