30 Jahre friedliche Revolution.

Ich gebe zu Protokoll, dass ich mit Festakten fremdele.

Dass es mir unangemessen erscheint meine privilegierte Rolle dadurch zu unterstreichen, dass ich Fotos veröffentliche, vom reichhaltigen Essen, von der Wichtigkeit der eigenen Bedeutung, wie ich prominenten Politiker*innen lausche.

Ich bin Stadtrat. Ein Bürger, der versucht die ihm übertragene Verantwortung mit Gewissenhaftigkeit und Demut vor der Aufgabe zu erfüllen.

Ich war heute nicht beim Festakt zu 30 Jahren friedliche Revolution.

Ein starkes Zeichen wäre gewesen heute nicht Politiker*innen und sonstige ausgewählte Gäste ins Gewandhaus einzuladen. Ein starkes Zeichen wäre gewesen die Plätze im Gewandhaus, die Schönheit der Kunst und das Essen Menschen zu Teil werden lassen, die ihren Anteil an der friedlichen Revolution hatten, die mitgetan haben. Ich habe das nicht.

Hätte ich gewusst, dass ich eine Karte bekommen hab, hätte ich diese Karte an jemanden gegeben, der dabei war, der gekämpft hat, einem Menschen, der diese Anerkennung verdient.

Ich finde die Erinnerung an das Geschehen wichtig. Erinnerung braucht Raum und vielleicht auch Rituale.

Aber noch wichtiger als Erinnerungsrituale erscheint mir, die Forderungen von einst, in das tägliche Handeln zu integrieren und die Forderung nach mehr Demokratie, mehr Freiheit und Umweltschutz mitzudenken und danach zu leben und zu handeln.

Denn diese Forderungen nach mehr Freiheit, mehr Demokratie, nach mehr Umweltschutz sind heute genauso aktuell wie eh und je.

Und dafür lohnt es sich zu arbeiten – jeden Tag, egal ob als Stadtrat oder nicht.

Und ich danke jenen, die damals am Anfang auf die Strasse gingen.

Ich finde zur Geschichte gehört auch die Auseinandersetzung.

Eine Revolution wird von Intellektuellen begonnen, heißt es, und im Furor des nationalen Taumels vollendet.

Die ursprünglichen Forderungen gingen unter und am Ende stand das „einige Land“ , dessen Trennung immer noch nicht überwunden ist.

Am Ende, im nationalen Furor, taumelnden auch Neonazis, ungestört von der Masse, im Zug mit. Am Ende gab es auch Gegendemos, von jenen, die sich der ursprünglichen Forderung besannen und deren Ziel nicht die nationale Vereinigung war. Gegendemos, die attackiert wurden.

Auch das ist Geschichte.

Die Auseinandersetzung mit Geschichte ist aktueller denn je. Der praktische Umgang mit der Geschichte, ist ein Handeln, dass zeigt, dass man gelernt hat und die Lehren der Geschichte aufnimmt und mitdenkt.

Wenn wir das beherzigen, uns daran erinnern, dass wir nicht fremd sind, Worte wie Ost und West nur die Beschreibung von Himmelsrichtungen sind und die Forderung von einst immer noch aktuell sind, könnte die Revolution am Ende doch gelingen.

Und das erscheint mir der sinnvolle Umgang zu sein.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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