Grönemeyer und Höcke oder das Problem der öffentlichen Debatte.

Zwei Personen und deren Verhalten erregen gerade die öffentliche Debatte. Grönemeyer, der im Rahmen eines Konzerts, eine Ansage gegen Rechts macht und Höcke, der ein Interview abbricht. Beide Sachen zeigen das klassische Aufmerksamkeitsdilemma, welches das eigentliche Problem kaschiert bzw bestehende Muster perpetuiert.

Die Aussagen von Grönemeyer wurde von Rechten und konservativer Seite aufgegriffen und kritisiert. Grönemeyer hatte im Rahmen seiner Konzerttour in Wien eine starke emotionale Ansage gemacht, in deren Kern die Aussage stand „keinen Millimeter nach rechts“ .
Dabei formulierte er, dass „wir“ etwas „diktieren“ müssen.

Dieses nicht näher definierte „wir“ und „diktieren“ ist der Ansatzpunkt die Komplettaussage anzugreifen und zu diskreditieren. Denn tatsächlich wird damit das Narrativ von „wir gegen die“ , dass von rechter Seite genutzt wird aufgegriffen und verwendet.

Die Kritik an der Form überdeckt dabei die Aussage. Und tatsächlich ist genau dies der Versuch. Die eigentliche Aussage durch Angriffe gegen die Person und den Stil zu diskreditieren und damit zu brandmarken, zu delegitimieren.

Weder erinnert die Rede an „Goebbels“ , noch sind NS Vergleiche angezeigt. Wer dieses Spiel mitspielt, betreibt die Agenda der extremen Rechten. Es ist erschreckend wie viele Menschen darauf einsteigen und hereinfallen.

Zu Höcke:
Höcke hat ein Interview des ZDF abgebrochen. Der Journalist hatte Höcke immer wieder mit dessen eigenen Aussagen konfrontiert und auf die Parallelen zur Diktion des Nationalsozialismus hingewiesen. Am Ende geht der Pressesprecher von H. dazwischen und sagt, dass dieser dadurch „stark emotionalisiert“ sei. H. selber findet die Fragen „unredlich“.

Es folgt was folgen muss: das Interview dient H. und der AfD dazu aufzuzeigen, wie „unredlich“ und „unfair“ die Medien seien. In der rechten Erzählung ist H. das „Opfer“ .
Die klassische Methode der Täter /Opfer Umkehr angewandt. Zusammen mit dem Hinweis darauf, dass die Presse an dieser Stelle als politischer Akteur diene und nicht zur Darstellung eines Sachverhaltes. Die Presse also als „Erfüllungsgehilfen “ der „Altparteien“ zur Stütze des „Systems“ , welches eigentlich längst „totalitär “ sei.

Interessant sind die Inhalte und das Auftreten von Höcke. Auf die NS Vergleiche angesprochen weicht H. aus und erklärt , dass es keine wissenschaftliche Feststellung gebe was NS Sprache sei, was nicht stimmt. Beklagt werden, in bekannter Manier der „Neuen Rechte“ , enger werdende „Meinungskorridore“ , die das „freien Denken“ verhindern. Diese enger werdenden Meinungskorridore werden von den „Altparteien“ diktiert um das „Volk“ zu kontrollieren. Eine äußerst beliebte Behauptung um Rassismus und menschenfeindliche Äußerungen zu enttabuisieren wieder sagbar zu machen. Sprache beeinflusst Denken. Wenn Rassismus wieder zum normalen Kanon gehört, ist die Umsetzung einer rassistischen Politik wieder einfacher.

Deutlich wird, dass H. NS Sprache und Worte nicht zufällig sondern sehr gezielt einsetzt. Bekanntermaßen ist diese Strategie eingeübt und stammt auch aus der Feder von Götz Kubitschek und dessen Institut für Staatspolitik in Schnellroda.
Deutlich wird auch, dass H. völlig von sich eingenommen ist und sich „Erlöser“ sieht, auf den politische Kategorien nur bedingt anzuwenden seien, da es ihm um einen „poetischen“ Zugang gehe. Bemerkenswert ist auch das Ende, wo H. sagt, dass er ja vielleicht mal eine bedeutende politische Persönlichkeit werde.

Perfekt kann man daher Ideologie und Agitationsformen der extremen Rechten studieren, inklusive ihrer Strategien.

Auch anhand dessen wird man feststellen müssen, dass offenbar die Gefahr, die von der AfD ausgeht nach wie vor massiv unterschätzt wird.

Anhand des Angriffs auf die Rede von Grönemeyer, einem Künstler, der sich im Rahmen eins Konzerts äußert und den Aussagen von Höcke, einem professionellen Politiker im Rahmen eines angemeldeten Interviews, wird deutlich, wie weit der Diskursrahmen schon verschoben wurde, wie tief die Spaltung der Gesellschaft ist.

Der eine spricht für die Demokratie, der andere für deren Abschaffung, für welche er sich demokratischer Mittel bedient. Ein extremer Unterschied.

Trotz allem darf die Auseinandersetzung mit den Neuen Rechten nicht in der Dämonsierung von H. enden, was am Ende nur ihn stärken würde und auch das Narrativ vom „wir gegen die“ nicht verstärken.

Es ist die Auseinandersetzung der freiheitlichen Demokratie mit dem Faschismus in seiner deutschen Ausprägung.

Und hier sind wir alle gefordert.
Wehret den Anfängen.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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