Gegen den Hass.

Wir fahren durch die Stadt. Eine Stadt, die mir manchmal seltsam fremd geworden ist.

Meine Tochter sitzt vorne auf dem Rad. Wir stehen, an einem sonnenbeschienenen Sonntag an der Ampel. Die Ampel wird grün, bevor wir losfahren läuft ein Pärchen an uns vorbei. Aus den Augenwinkeln sehe ich sie.

Er, mit der Statur eines Bodybuilders, schreit mich aggressiv an, dass ich eine „linke Fotze“ und „ein dummes Stück Scheisse“ sei und läuft an uns vorbei und wir fahren weiter in die Stadt, an diesem sonnenbeschienen Tag. Ich kenne ihn nicht. Hab ihn noch nie gesehen. Aber ich kenne das Gefühl, dass in mir aufsteigt.

Meine Tochter dreht sich halb um und fragt, warum der Mann „Scheiße“ gesagt hat und ich weiß nicht so recht was ich sagen soll und antworte, dass er bestimmt einen schlechten Tag hatte.

Und ich gehe davon aus, dass er wirklich einen schlechten Tag hatte, so wie all die anderen, die täglich beleidigen und hassen.

Und ich vermute Sie können nicht anders und muss mir selbst immer wieder erklären, dass sie in ihrem Hass nicht mich meinen, dass ich nur eine Projektion für das bin, was sie hassen.
Ich bin nicht wichtig, nur eine Projektion. Es geht nicht um mich.
Es ist auch eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Narzissmus, der in uns schlummert, der dazu führt, dass wir viel zu schnell Dinge persönlich nehmen. Kritik als Angriff verstehen, Zuspruch mit Zuneigung verwechseln, und so weiter.

Wie kann man lieben oder hassen, was man nicht kennt? Wie kann man meinen ein Gefühl haben, zu einer Sache oder Person, ohne dass man deren Eigenschaften kennt? Die sozialen Medien verführen dazu. Aber sie sind nicht die Realität.

Und dennoch verunsichert es mich. Wie erkläre ich meiner Tochter, die gerade 5 ist, die Welt. Wie erkläre ich ihr, dass es Menschen gibt, die hassen und ihren Hass hinaus schreien?

Und all die ganzen Rechten, die schreiben, dass ihnen Familie so wichtig ist und sie ihre Familie beschützen wollen, weil es offenbar notwendig ist, dass selbstverständliche zu betonen, weil man ansonsten nichts hat, haben keine Hemmungen Kinder in die Auseinandersetzung mit hineinzuziehen.

Junge Menschen, die nichts dafür können aber lernen welche Gesellschaft das ist, in der wir leben. Eine Gesellschaft, in der viele so tun als wären sie besonders kinderfreundlich und es in Wahrheit nicht sind.

Welche Gesellschaft das ist, wo Kinder für ihre Eltern verantwortlich gemacht werden und das Engagement von jungen Menschen dazu führt, dass man diese attackiert oder verächtlich macht. Es ist eine arme Gesellschaft.

Und all jenen die hassen und für ihren Hass ein Ventil brauchen, eine Projektionsfläche, möchte ich sagen, dass ich euch nicht hasse und nicht verachte. Ich bemitleide euch.

Der Typ, der mir entgegenkam, welches Gefühl soll ich zu ihm haben, da ich ihn nicht kenne und er wahrscheinlich nicht die nötigen Fähigkeiten hat, um zu begreifen, wie lächerlich er ist, indem was er tut. Was kann ich anders tun, als ihn in seiner Kümmerlichkeit zu bemitleiden.

Die Größe einer Gesellschaft zeigt sich auch darin, wie sie mit ihren Kindern umgeht.
Eine Gesellschaft, in der das Bildungssystem auf Ökonomisierung ausgerichtet ist, in der Kinder als Last gesehen werden, in der der Hass auf junge Menschen normal zu werden droht und Kinder zuerst nach ihren Fähigkeiten und Eltern bewertet werden und nicht als Mensch, ist eine erbärmliche Gesellschaft.

Im Ergebnis, ist das vielleicht das Schlimmste was man sagen kann.

Es tut mir leid aber niemand, der denken kann, kann in so einer Gesellschaft leben wollen und dies akzeptieren.

Gegen den Hass.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: