Gesellschaft am Ende – Anmerkungen zu Frankfurt.

Wer einen anderen vor oder in Richtung eines fahrenden Zuges oder Autos schubst begeht eine Straftat.
Stirbt ein Mensch ist das ganze im Regelfall ein Totschlag oder ein Mord, vgl. § 211, 212 StGB.

Jede dieser Taten ist unvorstellbar und ist eine Erschütterung der Gesellschaft, auch wenn solche Taten in der Gänze betrachtet sehr selten sind. Das diese Taten sehr selten sind, wird anders wahrgenommen, da alle diese Taten eine große Öffentlichkeit erfahren und damit der Eindruck entsteht, dass dies regelmäßig stattfinden würden, was nicht der Fall ist.

Für Angehörige, Freunde und Zeugen ist es ein Drama, dessen psychologische Verarbeitung Jahre dauern kann und oftmals nie endet.

Die ständige Reproduktion des Geschehens durch Medien, die Ausweitung der Person des/der Täter und vor allen Dingen die Instrumentalisierung solcher Taten ist für die Betroffenen eine enorme psychische Belastung, die die Verarbeitung erschwert aber die Traumatisierung vertieft.
Wenn man sich dies vor Augen führt und verinnerlicht, verbietet sich aus menschlichen Gesichtsgründen die Vereinnahmung der Tat oder das Ausdeuten selbiger und zwar egal aus welcher Richtung.

Die Aufarbeitung des Geschehens und die Verfolgung des Geschehens ist Sache der Justiz. Bei vorliegen von Haftgründen wird ein Haftbefehl erlassen.

In der strafrechtlichen Bewertung spielt das kriminelle Handeln eine Rolle. Nicht aber woher der Täter kommt. Es macht für die Bewertung einer Tat keinen Unterschied woher jemand kommt. Es kann auf der Ebene der Strafzumessung eine Rolle spielen hinsichtlich der Familiengeschichte/ Sozialisation.

Fragen kann man sich daher, warum Menschen so eine Tat begehen und was es für strukturelle Gründe für Straftaten gibt. Versteht man die Ursachen für Straftaten, kann man effektiver dagegen handeln. Die Gesellschaft und insbes. die Politik fokussiert sich jedoch allzuoft auf die Symptombekämpfung.

Die Gesellschaft ist auch durch diese eine viel diskutierte Tat nicht unsicherer geworden auch wenn die Debatte darüber suggeriert das dies der Fall sei. Die jetzt viel diskutierten Fälle sind in Deutschland sehr selten. Aber es gibt sie und die Mehrheit der Täter sind männliche Deutsche.

Das Abstellen auf die Herkunft und die Verknüpfung mit einem anderen Kontext hat allein rassistische Gründe.

Es gibt wissenschaftlich keine Gründe (!) und keine Belege, dass jemand der aus einem anderen Land kommt krimineller ist. Aber immer wieder wird mit der Behauptung gespielt und sie aufgestellt. Ohne Faktenkenntnis.

Der Sinn ist ganz einfach: Ab der fünften Wiederholung, psychologisch betrachtet, werden Behauptungen zu Wahrheiten. Wenn wir einen Sachverhalt und eine Wertung oft genug hören, nehmen wir an, dass es zutreffend ist und zwar selbst dann, wenn wir etwas anderes wahrgenommen haben.

So, entstehen übrigens auch Ideologien.

Die Art und Weise wie daher das Geschehen in Frankfurt diskutiert wird, wiedert mich an. Es zeigt die Verrohung einer Gesellschaft und dessen Spaltung. Es wundert nicht, dass insbesondere eine Partei, meint eine Kausalität herleiten zu können zwischen komplett unterschiedlichen Kontexten, die nichts miteinander zu tun haben.

Es zeigt, dass es im Wesentlichen nicht mehr um die Anteilnahme und die Frage der Verhinderung geht sondern um die politische und mediale Resteverwertung und man auch vor Tod, Leid und Elend keinen Halt mehr macht.

Aber die Zuschreibung, dass die Umsetzung des Menschenrechts auf Asyl damit etwas zu tun hätte, führt dazu, dass der Hass weiter geschürt wird. Hass an dessem Ende nicht nur die Gesellschaft auseinanderdriftet sondern am Ende Tote stehen.

Und ich würde mir sehr wünschen, dass alle Frankfurt zum Anlass nehmen und in sich gehen, darüber nachdenken und verstehen, wer diese Gesellschaft trennen will und Hass verbreitet.

Ansonsten ist diese Gesellschaft wirklich am Ende.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: