#leipzig 17.07.2019 – irgendwie anders

Irgendwie tickt Leipzig dann doch anders- eine Geschichte aus dem Jetzt. Oder wie Leipzig auf Provokationen von Rechten reagiert.

Ein ehemaliger AfD Mann, der nicht aus inhaltlichen Gründen die AfD verlassen hat, will nach Leipzig Connewitz ziehen um dort gegen linke Anarchie zu protestieren.

Nur am Rande notiert: auch in Connewitz gibt es keine rechtsfreien Räume, wie selbst die Polizei immer wieder ausführt.
Es gibt nur von Rechten freie Räume. Das hat weniger was mit linker Anarchie als demokratischer Verfasstheit zu tun.
Ein kleiner Unterschied, der offenbar den Horizont allzu Besorgter übersteigt.
Kennt man: ist der Kopf vor Emotion bebend vor Erregung rot, wird der Horizont recht schmal und die Sicht ist mitunter vernebelt.
Selbiges erreicht man auch, wenn man sich ein Brett vor dem Kopf nagelt und Patriot drauf schreibt. Häufig machen das Leute, die weder Ahnung von Geschichte, noch Kultur des Landes haben, zu dem sie eine besonders emotionale Beziehung behaupten zu haben.

Nach mehreren ergebnislosen Versuchen sah es diesmal fast so aus. Die Stadt hatte ursprünglich eine Demo in Connewitz bestätigt. Kurzfristig, nachdem die Polizei sich schon auf alles vorbereitet zu haben schien, wurde die Demo wieder vor das Bundesverwaltungsgericht gelegt, auf Grund einer neuerlichen Gefahrenprognose.

Bis dahin war einiges passiert. An einigen Häusern wurde zur Sperrmüllsammlung aufgerufen, Fäkalien wurden gefunden und das Internet mit allerlei Aufrufen befüllt. Das wiederum ist alles halbwegs normal. Fäkalien findet man tatsächlich in Leipzig, was meist an der Unachtsamkeit von Hundehaltern liegt, geschrieben wird in der Buchstadt seit jeher viel, und Sperrmüllsammlungen, ach ja die gibt es auch.
Aber passiert das in Connewitz, in dem sagenumrankten Drachenhort der Antifa, in diesem Stadtviertel, über das sich Besorgte zu später Stunde in dunklen Kaschemmen abenteuerliche Geschichten erzählen, kann man schon mal die Fassung verlieren. Der Mythos jedenfalls lebt.

Poggenburg, der inzwischen der AfD dazu dient, sich nach rechts abzugrenzen, was irgendwie auch ein Treppenwitz ist, verbreitete dann auch höchstselbst unwahre Tatsachenbehauptungen und fantasierte sich schon mal schlimme Auseinandersetzungen herbei.

Am Ende keine Sperrmüllsammlung, kein Bürgerkrieg sondern handverlesene 30 Personen der Marke Brett vor dem Kopf, freundlich von mehr als 500 Leipzigern, die ihrer bekannten Gastfreundlichkeit folgend das Geschehen von allen Seiten bestaunten.

Und weil sich einige drüben bei Twitter und in Kommentarspalten erregten, dass ich es gut finde, dass es Stadtteile gibt wo Rechte sich nicht hin trauen jedenfalls so lange sie klar sind oder nicht als brandschatzende Horde auftreten, möchte ich noch etwas klarstellen:

Besorgniserregend ist doch nicht, sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Freund*innen, dass es Stadtteile gibt, in denen sich Faschisten nicht Wohlfühlen sondern das es Gemeinde gibt, wo sie das tun.

Drohend möchte ich an dieser Stelle meine Zeigefinger erheben und mit Inbrunst in der Stimme sagen: Wehret den Anfängen. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus.

Allein dafür hält mich dann auch Poggenburg für einen Nazi und ließ mich freundlich mit „Heil Kasek“ grüßen.

Ich möcht an der Stellen entgegnen: Danke, nein. Man hat mich als geheilt entlassen.

Leipzig jedenfalls bleibt stabil. Connewitz pflegt den Mythos und alle können jetzt tief durchatmen.

Danke jedenfalls an alle, die freundlich und bestimmt den Rechten zum Nimmerwiedersehen recht unfreundlich zugewunken haben. Oder anders gesagt, danke an alle die da waren und sich tagein, tagaus für Demokratie engagieren.

PS; Nein, Leipzig liegt tatsächlich nicht in Galien auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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