Kontraste, PEGIDA und die gespielte Aufregung

Man zeigt sich schockiert über das Video der Sendung Kontraste, welches PEGIDA Anhänger anlässlich des Mordes von Walther Lübcke zu Wort kommen lässt.

Ganz unverhohlen und ohne Scham, zeigt man sich bei PEGIDA erfreut und erregt sich über „Merkel“ und „die Linken“. Lübcke sei selbst schuld und/ oder Merkel schuld und die Linken seien sowieso viel schlimmer, hört man Menschen, denn jede menschliche Regung abhanden gekommen, ist brüllen.

Und auch Uwe Junge, Landesvorsitzender der AfD in Rheinland- Pfalz, schaffte es bei der schwer erträglichen „hart aber fair“ Sendung zu relativieren.

Schließlich habe ja Lübcke auch das deutsche Volk beleidigt, indem er dieses zum Auswandern aufgefordert hätte.

Dabei wird die Aussage, des von Neonazis ermordeten Lübcke, falsch wiedergegeben. Lübcke äußerte, dass diejenigen die ein Problem mit den deutschen Werten hätten, dass Land ja verlassen können.

„Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen.“

Die „deutschen Werte“ sind der objektive Werterahmen, der durch die Grundrechte gebildet wird und also solche Werte, die für das gedeihliche Zusammenleben der Menschen unabdingbar sind.
Dazu gehören die Achtung des menschlichen Lebens, die Würde des Menschen, die körperliche Unversertheit und die Gleichheit aller Menschen, woraus sich ableiten lässt, dass es unsere Pflicht ist Schwächeren beizustehen.
Übrigens fände ich es auch dufte, dass alle die, welche Respekt, Toleranz und die Gleichheit der Menschen ablehnen, gehen. Dieses Land könnte dann so viel schöner sein.

Im Grunde genommen fordern insbesondere die Rechten seit jeher, dass wer ein Problem mit Deutschland hätte, Deutschland ja verlassen könne. Nun stellt sich ein CDU Politiker hin und äußert, dass wer ein Problem mit dem Grundgesetz und den „deutschen Werten“ hat, dass Land verlassen kann.

Hätte Lübcke diese Worte in Bezug auf Schutzsuchende und Nichtdeutsche gesprochen, wäre ihm der Applaus von rechter Seite gewiss gewesen. Aber so?

Das Grundgesetz trifft diese Entscheidung nicht. Alle Menschen, die hier leben müssen sich an die hier lebenden Gesetze halten. Deutsche, genauso wie Nichtdeutsche.

Nun, sind die Wahrnehmung und Beharrung von und auf Etabliertenvorrechte ein Merkmal der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
Es wundert daher nicht, dass die Rechten bei der Aufforderung sich an Recht und Gesetz zu halten getriggert werden und ausrasten. Man meint schließlich, dass man mehr Rechte hätte.

Allein die Aufregung über das Geäußerte von Seiten der Politiker*innen, die sich über die Äußerung schockiert zeigen, verwundert ein wenig.

Das Ganze ist nicht neu. Hass und Hetze sind die Kernkompetenz von und bei Pegida. Bereitwillig imprägniert man sich jeden Montag aufs Neue mit ungeheuerlichen klingenden Hetz- und Hassgeschichten und wähnt sich im „Widerstand“ gegen das Land, dass einem fremd geworden ist weil man es im Rausch des „Wahns“ für überfremdet hält und meint es seine eine Diktatur.

Was ungeheuerlich klingt wird Woche für Woche bei PEGIDA gebetet, vorgesprochen und findet echohaften Widerhall, denn in den Netzwerken und Profilen der Rechten regiert eben nur noch Hass und jeder „Einzelfall“ wird als Beweis genommen.

Nichts davon ist neu und seit Jahren wird darauf hingewiesen, allerdings von Personen die, weil sie immer wieder auf die Grundrechte hinweisen, in Sachsen ohnehin als linksextrem und damit nicht satisfaktionsfähig gelten.

Auf der anderen Seite wurde PEGIDA lange verhätschelt, umschmeichelt, belobigt von Teilen der Politik und Gesellschaft.

Die Mehrzahl sei schließlich „gutwillig besorgt“ wie vor 2 Jahren Prof. Dr. Patzelt feststellte. Jener Prof. der auch das CDU Wahlprogramm mitschrieb und der AfD in Sachsen schon mal bescheinigt die richtigen Themen anzusprechen. Eben jener AfD, die noch in der Stunde der Ermordung Aufrufe zur Ermordung unkommentiert auf ihrer Seite stehen liess, und deren Abgeordnete nicht den Anstand haben dem Toten die letzte Ehre zu erweisen.

In ihrem Hass und dem Zuspruch aus der Politik, hat sich PEGIDA immer weiter radikalisiert bis hin zu einer quasi religiösen Gruppe, die jeden Diskurs ablehnt und der Realität entsagt hat – es ist eine sektenähnliche Struktur.

Das sind also „die Rechten“ mit denen ich reden soll und „Toleranz“ üben muss?

Einen Scheiß muss ich. Es gibt keine Toleranz mit denjenigen, die Mord für legitim erachten und Hass und Hetze verbreiten.

Eine kämpferische Demokratie gewährt auch ihren Gegnern alle Rechte aber eine kämpferische Demokratie muss nicht widerspruchslos ertragen, wie ihre Werte und die Grundrechte jeden Tag aufs Neue mit Füssen getreten und beleidigt werden.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch in Sachsen!

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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