En passant – der (sehr) leise Aufschrei

Ganz nebenbei, während sich im Frühsommer Saharastaub ausbreitet, die Natur verbrennt, und vielfach so getan wird als wäre das alles normal, erfahren wir von rechten Terrornetzwerken.

Erfahren davon, dass der geständige Mörder von Walther Lübcke mutmaßlich Teil eines Netzwerkes war, dass zur Schattenarmee von „Hannibal“ gehörte, in der sich Rechtsextreme im Dienst des Staates, bei Polizei und Bundeswehr, austauschen und Pläne schmieden.
Erfahren, dass der Mörder vorab Kontakt zum NSU hatte. Zu dem NSU von dem uns der Verfassungsschutz glauben machen will, dass dieser nur zu Dritt gewesen sei.

Wir erfahren davon, dass es das „Nordkreuz“ gibt als Teil des Hannibal Netzwerkes. Dass in diesem Nordkreuz systematisch mit Daten aus Polizeirechnern Listen erstellt und Orte nach Gegnern abgesucht wurden.
Wir erfahren, dass Leichensäcke und Kalk bestellt werden sollten und es sehr konkrete Planungen für den Tag x gab – für die kommenden „Säuberungen“.
Wir lesen, dass beim Arbeitgeber des Mörders eine Pumpgun und weitere Waffen gefunden wurden und dieser seit Jahren Waffen gesammelt hat.

Auch in anderen Teilen der Republik erfahren wir – wie im vorbeigehen, wie ein leises rascheln im Wind – dass Waffen gehortet und Pläne geschmiedet wurden. Erfahren davon, dass es sehr konkrete Planungen gab „Gegner“ zu beseitigen.

Mitten unter uns hat sich auch in Teilen des Staates ein rechtes Netzwerk ausgebildet, dass terroristische Züge hat und vor Mord nicht zurückschreckt.
Teile des Staates, dem ich vertrauen soll, arbeiten am Sturz der Freiheit – auch meine Freiheit.
Ein einziger Polizist oder Soldat reicht aus, um das Vertrauen in die Institutionen zu erschüttern, die mich schützen sollen. Es ist aber nicht nur einer.

Besorgt, während die Sonne unbarmherzig, den Busch vor meinen Augen in Asche verwandelt, frage ich was geschehen ist?

Ich stehe auf den Listen, ich bin nicht alleine und doch passiert etwas.
In Ostritz stehe ich dem Polizisten gegenüber auf dessen Dienstuniform der Kreuzritterpatch und der Patch der Waffenlobby abgebildet ist.

Auf welcher Seite steht er? Wird er mich schützen? Ausgerechnet mich? Wird er meinen Freund schützen, der nicht unsere Sprache spricht, der anders aussieht?
Und was passiert, wenn ich in eine Auseinandersetzung gerate?

Nimmt das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates ab, werden wir misstrauischer und fangen an uns selbst um die Sicherheit zu kümmern. Ein weiterer Weg in eine Auseinandersetzung, an derem Ende die freiheitliche Demokratie gestorben sein wird, begraben von uns selbst.

Und der Aufschrei darüber, was jetzt bekannt ist, klingt nicht nach, ist leise, zu leise – wie ein Windhauch im Sommer, während es uns allen frösteln sollte.

Es geht hier nicht um Rechts und Links, um oben und unten. Es geht um die Zukunft unserer Freiheit und der Demokratie.

All das ist bekannt, ist nicht neu, nur vielleicht ein bisschen dramatischer.

Und ich, der, wie andere auch, seit Jahren darauf hinweist, warum soll ich ausgerechnet ich jetzt den Worten glauben, die verkünden, dass man jetzt aber „richtig durchgreifen wolle“.

Ich sag es euch: Ich glaube euch kein Wort.

Beweist es und handelt! Für die Freiheit, für die Demokratie!

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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