Wetter, Klima, Wahlkampf

Wetterposts erfreuen sich ja in den sozialen Netzwerken mitunter großer Beliebtheit.

„Oh, Sonne“,
„Mist, Regen“,
„Weil es so warm ist, kann ich jedem zeigen, dass ich irgendwo am See rumhänge“,
„Trotz arktischer Kälte gehe ich heldenhaft arbeiten“,
und so weiter.

Zum Wetter kann jeder, irgendwo was schreiben und sich daran erfreuen oder betrauern.

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„Der Mai ist viel zu kalt und zu nass.“

Problem Nummer eins an der Sache ist, dass die meisten Wahrnehmungen nicht mit der Realität übereinstimmen und der Mensch ein extrem schlechtes Wettergedächtnis hat.

Ein paar kühlere Tage im Mai und Regen suggerieren, dass es insgesamt zu kühl ist.

Richtig ist folgendes: Die Monate Januar bis April waren alle im langjährigen Mittelwert betrachtet zu warm und zwar zwischen 1-2,6 Grad. Bis auf den Monat Januar war das Jahr bislang auch zu trocken, mit starken regionalen Schwankungen. In Leipzig beispielsweise fielen im Februar nur 11 % (!) der durchschnittlichen Niederschlagsmenge im Vergleichszeitraum 1980-2010, in Dresden Klotsche dafür 129 %. Der März war vergleichsweise normal, der April deutlich zu trocken und zwar deutschlandweit.

Zum Mai, der kühl und relativ nass angefangen hat, lassen sich noch keine Schlussfolgerungen ziehen. Die durschnittliche Niederschlagsmenge für das langjährige Mittel wurde jedenfalls noch nicht erreicht.

Damit ist bereits jetzt klar, dass unabhängig davon wieviel Regen noch im Mai fällt (außer es werden mehr als 300 l/m² was unwahrscheinlich ist), dass Niederschlagsdefizit des vergangenen Jahres nicht ausgeglichen werden kann. Die Folge davon ist, dass die Natur längere Trockenperioden schlechter ausgleichen kann.

Diese Daten fügen sich wiederum ein in die prognostizierten Klimaveränderungen, die insgesamt zur Folge haben, dass sich die Wachstumperioden verlängern, bei weniger Niederschlag.

Dank des Wetters haben inzwischen auch alle Parteien, dass Thema Klimaschutz für sich entdeckt und bringen das auch zum Ausdruck, bis auf vielleicht der CDU.
Die AfD, Partei der hartnäckig faktenbefreiten, ist das Thema egal, was insofern überraschend ist, als das mit der Änderung des Wetters, bedingt durch die Klimaveränderungen des Planeten, die Heimat tatsächlich verloren zu gehen droht. Aber Logik, Fakten und Lösungen waren bei dieser Partei Thema ohnehin nie im Angebot.

Kurios wird es dann, wenn man sich neben dem Thema die Ansätze zum Thema Klimaschutz anschaut. Der Großteil davon läuft nach dem Motto, ein bisschen Klimaschutz ist schon ok, aber Hauptsache es kostet nichts und wehtun darf es auch nicht.

Die Energiewende läuft eher so lala und wenig ambitioniert, von der Verkehrswende muss man gar nicht erst reden und Bäume werden weiterhin mehr gefällt als geplanzt und Fläche wird nachwievor weiter versiegelt.

Kann man so machen, wird aber nicht reichen um den Planeten zu retten.

Weswegen man schon mal an künftige Wetterposts denken sollte.

„Regen, welch Wunder“
„Schnee, dass hat es es doch seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.“
„Hm, so schön warm, dass glatt schon wieder ein Wald/ Feld/ Ort abgebrannt ist.“
„Bisschen kühler darf es schon sein“

Alternativ könnte man auch handeln, den Kohleausstieg beschleunigen, die Verkehrswende vorantreiben, den Fleichkonsum reduzieren.

Im Vergleich der Kosten zwischen dem was ein Handeln jetzt und der Kosten die ein Nichthandeln verursachen, wäre das die deutlich günstigere Alternative. Aber klingt halt erstmal nach Arbeit und Anstrengung. Und so richtig viel will man ja niemanden zumuten, weswegen wir wieder bei den neuen Klimawandelpost sind, die man sich schon mal für Morgen merken sollte oder eben halt handelt.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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