Die Strategie der extremen Rechten – warum die „AdP“ der „AfD“ hilft.

Am morgigen Dienstag hat die AdP, die Splittergruppe um den geschassten AfD Politiker André Poggenburg ursprünglich in Leipzig Connewitz einen Infostand angemeldet. Vordringlich will man dort gegen „Linksextremismus“ demonstrieren. Das Ziel ist aber ein gänzlich anderes.

Ähnlich wie Christian Worch, Anfang der 2000er Jahre und später die Rechte bzw. Thügida/ Wir lieben Sachsen rund um Alexander Kurth, geht es nicht um Inhalte sondern um die Provokation.

Allen Beteiligten dürfte klar sein, dass die Wahrscheinlichkeit eine Demonstration in Connewitz durchzuführen eher gering ist und zuverlässig breiten gesellschaftlichen Widerstand hervorrufen wird.

Ziel ist es also gerade nicht, an einer bestimmten Stelle zu demonstrieren sondern Öffentlichkeit zu erzeugen und sich im Ergebnis als Opfer der Verhältnisse und des „linken Mainstreams“ hinstellen zu können.

Diese Strategie der AdP ist jedoch im besten Fall Ausdruck höchster Verzweiflung. Denn anders als vermutlich Poggenburg gehofft hatte, zündet auch diese weitere Zerfallsprodukt der extrem Rechten nicht. Die große Austrittswelle bei der AfD bleibt aus.

Dies wiederum dürfte eher dem Umstand geschuldet sein, dass die AfD nach wie vor mehr Macht und Posten verspricht, als irgendeines der Zerfallsprodukte von Lucke über Petry bis hin zu Poggenburg.

Interessant ist übrigens der Spin den zunächst Lucke und dann Petry einschlugen und der jetzt umgekehrt von Poggenburg genutzt wird. Sowohl Lucke als auch Petry haben die AfD direkt in die extreme Rechte gesteuert. Ihre Austritte wurden damit begründet, dass nunmehr die extrem Rechten in der Partei das Sagen hätten. Eine Strategie, die auch deswegen nicht funktionieren konnte, da es bereits vorab kaum inhaltliche Streitpunkte zwischen den Lagern hab sondern viel eher im Auftreten und Habitus. Ähnlich verhält es sich nunmehr mit der AdP, die eine Abspaltung nach recht darstellt.

Dabei fiel Poggenburg nicht etwa wegen seiner Rede in Ungnade, in der er pauschal alle Menschen mit Migrationshintergrund beleidigte sondern dadurch, dass er damit allzu offen umging und mögliche Fehler durch allzu deutliche Aussagen versschreckte und Alleingänge.
Ärger hatte Poggenburg bereits vorab, als er als Teil der völkisch-nationalistischen Parteiplattform „der Flügel“, welcher etwa 40% der Mitglieder der AfD umfasst, zu sehr Kontakt mit der Mitte der AfD hatte. Ebenso dürften sich Gauland und Höcke an den Machtambitionen von Poggenburg gestört haben.

Ähnlich wie bei Lucke und Petry könnte auch der Austritt von Poggenburg und seinen Anhängern die AfD sogar festigen. Denn während man bei Lucke und Petry auf die „Systemlinge“, die dem alten Parteisystem nahe stehen, Abstand nehmen konnte um sich so glaubwürdiger als Anti-System Partei zu präsentieren, kann man sich durch den Austritt und der Abspaltung von Poggenburg nach extrem rechts vermeintlich abgrenzen.

Gerade jetzt da die AfD zum Verdachtsfall des Verfassungsschutzes geworden ist, dürfte die AdP Abspaltung den AfD Parteistrategen sogar sehr gelegen kommen, kann sie damit doch Abgrenzung nach rechts demonstrieren, ohne selbst eine einzige rechtsextreme Position oder Person in den eigenen Reihen revidieren oder aussortieren zu müssen.

Gerade auch vor diesem Hintergrund wird klar warum die AdP im Ergebnis scheitern wird: eine weitere rechte Abspaltung, die aufgrund provokativen Auftretens auch von der AfD selber in die Schmuddelecke verbannt werden wird, um das Image der völkischen konservativen Partei aufrecht erhalten zu können.

Wenn Morgen also die AdP demonstriert und zu Recht Widerspruch ernten wird, sollte man daran erinnern, dass dort im eigentlichen die AfD steht nur unter anderem Namen.

Man sollte der AfD nicht den Gefallen tun auf den simplen Etikettentrick hereinzufallen sondern die Zusammenhänge und Überzeugen zwischen AdP und AfD aufzeigen.

Das Motto kann deswegen nur lauten gegen jeden Faschismus egal in welchen Namen er auftritt.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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