Digitale Selbstverteidigung gegen #Hatespeech und dessen Folgen.

Der Ton in den sozialen Netzwerken ist rauh. Gezielt wird Internetmobbing, Doxing oder Hatespeech eingesetzt um einen ausgemachten Gegner anzugreifen.
Die Folgen davon können gravierend sein. Worte sind ein Mittel um Menschen aus einer Gruppe auszugrenzen und psychischen Abstand zu erzeugen. Mitunter werden Menschen dabei „entmenschlicht“ was wiederum auch Angriffe im realen Leben wahrscheinlicher macht.

Die zerstörerischen Folgen von Mobbing, Diskriminierung und psychischer Gewalt im Allgemeinen sind inzwischen gut erforscht. Verbalattacken spielen in diesen Prozessen fast immer eine große Rolle, da die Aggression der Gruppe gegen Einzelne gerade in Online-Räumen oft über Sprache erfolgt. Die emotionale Reaktion auf Hate Speech bei Betroffenen ist in schweren Fällen nicht von Reaktionen auf »klassische« Krisen, wie z.B. Vergewaltigungen oder Überfälle, zu unterscheiden. Nach einem anfänglichen Unglauben über das Geschehene folgt eine Phase der Verunsicherung und Infragestellung des eigenen Weltbildes. Anschließend versucht sich die Psyche zu stabilisieren und das Erlebte zu verarbeiten. Je bedrohlicher die Erfahrung ist – und je hilfloser man sich dabei fühlt – desto höher ist die Gefahr, dass eine gesunde Bewältigung misslingt und sich eine pychische Störung entwickelt.

Quelle

Insbesondere von Internettrollen und Rechten werden diese Mittel gezielt eingesetzt um andersdenkende Menschen anzugreifen, zu verunsichern und Angst auszulösen. Das Gefühl der Ohnmacht, welches sich schnell ausbreitet, wenn unbekannte Personen Nachrichten mit beleidigenden Inhalt schicken, in Internetforen nach Adressen gefahndet wird, oder permanent Beleidigungen und Verächtlichmachungen auftauchen, sind Vorkomnisse, die sich auch im realen Leben auswirken können.

Fast alle Personen, die sich in den sozialen Netzwerken bewegen und in irgendeiner Art und Weise öffentlich zeigen werden früher oder später diese Erfahrungen machen. Deswegen ein paar Hinweise:

  1. Solidarität herstellen: Niemand muss allein sein. Gerade für Betroffene ist es wichtig, dass das Gefühl entsteht, dass sie nicht allein sind und sie Unterstützung bekommen. Oftmals reichen dabei kleine Hinweise an Betroffene, dass sie nicht allein sind oder das Angebot zur Hilfe. Betroffene sollten mit Freund*innen über die Situation sprechen.
  2. Nicht weichen: Wichtig ist sich selbst zu vergewissern welchen Zweck der konzentrierte Angriff dient: Der Verunsicherung, das Ziel jmd. zum schweigen zu bringen.  Daher sollte man nicht nach außen hin deutlich machen, dass der Angriff sein Ziel erreicht. Dies wirkt eher ermunternd und bezweckt das Gegenteil. Auch der Gegenangriff führt mitunter nicht weiter. Im Ernstfall die Privatsphäre Einstellungen der eigenen socialmedia Accounts auf privat ändern und auch mal das Internet auslassen. Es bringt nichts, sich jeden Kommentar durchzulesen oder darauf zu reagieren. Es gilt: „don`t feed the trolls.“
    1. Besonders hartnäckige Trolle kann man auch blocken oder deren Profile melden.
  3. Daten schützen: Generell sollte man immer überlegen, welche Daten man wo hinterlässt. Menschen, die sich aktiv gegen Rassismus und Ausgrenzung engagieren werden schnell Ziel rechter Attacken.
    1. Digital: Man sollte darauf achten, dass aufgrund eigener socialmedia Einträge kein Bewegungsprotokoll erkennbar sind. Ortsangaben in den sozialen Netzwerken, wo man gerade ist oder wo man sich regelmäßig befindet und wann, können ausgenutzt werden.
    2. Mails und Passwörter regelmäßig überprüfen und ggf. ändern.
    3. Analog: Bei akuter und dauerhafter Bedrohung kann bei den zuständigen Meldebehörden, regelmäßig Einwohnermeldeamt (Bürgeramt) eine Datensperrung beantragt werden. Dazu genügt ein formloses Schreiben mit dem Antrag der Daten- und Auskunftssperre gegenüber Dritten und eine Begründung warum dies erfolgen sollte.
  4. Anzeigen: Auch wenn es aufwendig ist und man sich fragt, ob dies wirklich sinnvoll ist, sollten Bedrohungen und Beleidigungen im Internet nicht hingenommen werden. Im Regelfall handelt es sich um Beleidigungsdelikte, strafbar gem. § 185 ff StGB, die nur auf Antrag überhaupt verfolgt werden. Strafanzeigen können bei der Polizei oder direkt bei der Staatsanwaltschaft gestellt werden. Dazu reicht, dass man den betreffenden Kommentar per Screenshot sichert und auch den Verlauf der Seite, zum Beispiel über Archive.org sichert und mit einreicht. Im Regelfall schreibt man dazu, dass man einen bestimmten Sachverhalt wegen aller in Betracht kommenden Delikte anzeigen will und (wichtig) um Mitteilung des Verfahrensausgangs bittet. Die Anzahl der Anzeigen fließt dabei auch in die polizeiliche Kriminalstatistik mit ein, kann also langfristig auch zur Veränderung der Wahrnehmung bestimmter Abläufe in Politik und Behörden führen. Auch hier sollte man der Polizei und StA mitteilen, dass die eigenen Daten aufgrund der Bedrohung nicht an Dritte weitergegeben werden sollen und die eigenen Daten in der Akte bei Anfrage des Rechtsanwaltes der Gegenseite nicht herauszugeben sind.

 

 

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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