Die Unmöglichkeit der Kommunikation.

Unter einem Artikel zum Thema Klimawandel auf meiner Pinnwand fand sich folgender Kommentar:

„Wahrscheinlich denkst du die AfD ist daran Schuld, neine das sind deine Kumpels die Globalisten die verändern das Wetter mit HAARP und Chemtrails und du understützt diese kriminelle Bande, zie mal deinen Kopf aus deinemArschraus dass du sehen kannst was vor sich geht 😨😖🤮“


zur gleichen Zeit, schrieb mir die gleiche Person folgendes in einer Nachricht:

„Du bist ein Arschloch, ich beziehe mich mit dieser Feststellung auf ein Post von dir in regards zu einem AfD Friseur, wievielbezahlt dir George Soros um solchen Mist zu posten, du bist ein Sauerstoff Dieb, die Welt braucht Idioten wie dich nicht, mach deine Augen auf damit du sehenkannst was in der Welt wirklich vorgeht, bald wird es keine deutsche Kultur mehr geben wenn das so weiter geht und du wirst dann unter Sharia law leben, mein Gott du bist bescheuert und kriminell, vielleicht wirst dudeine Meinung ändern wenn mal jemand in deiner Familie oder Freundeskreis (wahrscheinlich ist der sehr klein) erstochen oder vergewaltigt wird!“

Währenddessen ereifern sich die verfassungsfeindlichen Identitären darüber, dass ich Drahtzieher eines Antifa-Terrors sei und wissen sich dabei einig mit der AfD. Die ehemalige NPD Seite Leipzig, postet Bilder aus meinem privaten Instagram Acc. um mich verächtlich zu machen und eifrig wird in versteckten Gruppen nach meiner Adresse gefahndet. Auslöschungs- und Vergewaltigungsfantasien, negative Bewertungen meiner Anwaltskanzlei, falsche Tatsachenbehauptungen und das im Grunde genommen täglich. Und so alltäglich und gegenwärtig, dass ich überlege mit welchen Personen ich mich zeigen kann und mit wem nicht, damit diese nicht selber in den Fokus der Rechten rücken.
Ich mache das hin und wieder öffentlich. Ich beklage mich nicht. Ich habe dieses Schicksal selbst gewählt. Ähnliche Erfahrungen in unterschiedlicher Ausprägung teilen alle diejenigen, die sich insbesondere in Sachsen immer wieder deutlich gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus aussprechen und zwar von Bautzen über Freital und Heidenau, nach Meißen und Borna bis ins Vogtland und Zwickau. Und hin und wieder nutze ich meine Reichweite um darauf aufmerksam zu machen.
Dann gibt es die einen, die mit viel Verve Empathie fordern. Nicht für mich oder jene, denen es ebenso wie mir geht sondern für die, welche sich abgehangen fühlen, für diejenigen, die die Rechten wählen. Da wird dann wahlweise der Osten verklärt, so als wäre es eine Entschuldigung aus dem Osten zu kommen oder von „berechtigten Sorgen und Nöten“ gesprochen, so als gebe es für Menschenverachtung und Gewaltfantasien eine Rechtfertigung. Nein, nichts aber.
Und es wird gefordert man müsse miteinander reden. Das ist auch furchtbar einfach mit denjenigen zu sprechen, die in der grell erleuchtenden Dunkelheit der asozialen Netzwerke ihren Hass freien laufen lassen und auf der Straße Gespräche dann auch gern mit Beleidigungen beginnen.

Ich tue es trotzdem. Aber es ist jedesmal eine Herausforderung weil es bedeutet auch die andere Wange hinzuhalten.

Dann gibt es die Anderen, die angesichts dieser Auswüchse meinen, dass ich und die Anderen auch ein wenig selber daran schuld seien. Warum legen wir uns auch immer wieder mit den Rechten an, so deutlich, sagen die Wohlmeinenden und die Anderen dieser Gruppe, meinen dass wir doch selber radikale seien, so als ginge es um eine Auseinandersetzung unter Radikalen.

So als seien all die, die sich deutlich gegen Rechts stellen irgendwie auch „Die Antifa“ und zu der erklären uns die Konservativen und inzwischen auch weite Teile einer vorgeblichen, leidlig desorientierten, Mitte, gelte es Abstand zu halten weil „die Antifa“, wer immer das auch ist, sei ja selber böse.

Und diese Lesart ist wunderbar charmant, weil man das Problem damit exkludieren kann. Hass sei ein Problem der Randgruppen und wir, die Guten, müssen diese nur aussondern. Eine Lesart, die seit Jahren zuverlässig dazu beiträgt, dass Problem zu verschlimmern. Ignoranz und Verklärung sind selten gute Ratgeber – nicht in der Demokratie, die von jedem von uns etwas fordert – demokratisches Verhalten.
Diese Lesart, des „selber schuldseins“ ist ungeheuer bequem und verkehrt die Täter/ Opfer Zuschreibung. Bin ich wirklich selber daran schuld, dass „Rechte“ zur Jagd gegen mich aufrufen wenn ich schreibe „Nazis Raus“, wenn ich immer wieder gegen den rechten Sound anschreibe?

Nein, nichts aber.

Es wird Zeit sich generell über bestimmte DInge klar zu werden und diese immer und immer wieder zu wiederholen: Antifaschismus ist der Grundkonsens unserer Demokratie. Sich offen dazu zu bekennen ist nicht radikal sondern selbstverständlich.
Für Hass und Beleidigungen, für Rassismus, für den Ausschluss von Minderheiten gibt es keine Rechtfertigung und das Gewaltmonopol liegt beim Staat. Und es stimmt traurig, dass man daran immer wieder erinnern und darauf hinweisen muss.
In einer perfekten Welt, bräuchte es keine „Antifa-Gruppen“, die recherchieren, Informationen zusammenstellen, aufklären und versuchen den rechten Mainstream etwas entgegenzustellen. In einer perfekten Welt, müssten erkennbar linke Menschen nicht darüber nachdenken, was sie sagen oder tun können und inwieweit sie Gesicht zeigen weil sie dafür mit Konsequenzen rechnen müssen. In einer perfekten Welt gebe es keine Neonazis, Rechtsextremisten, Reichsbürger*innen und Faschisten aller Coleur und sonstige Fanatiker. Aber diese Welt ist nicht perfekt.

Aber dafür zu handeln, dass es irgendwann eine Gesellschaft gibt, die es ist, die wirklich Respekt und Toleranz verinnerlicht hat und jedem Menschen ermöglicht in Frieden glücklich zu werden, mit all dem was es bedeutet, ist ein Ziel für das es sich zu leben lohnt.

Und manchmal resigniere ich, verzweifle daran, fürchte, dass der Hass der Netzwerke irgendwann in offener Gewalt auf der Straße umschlägt und rechne fast täglich mit Angriffen, werde vorsichtig wenn ich in der Nacht auf größere Gruppen von Menschen treffe.

Und dann in meiner Verzweifelung, in den Selbstzweifeln, die ich nicht zeigen darf, weil es ja in dieser Gesellschaft ein Zeichen von Schwäche ist Selbstzweifel zu zeigen, halte ich inne und will mich vergraben, will aufhören und loslassen, will ein normales Leben führen, fernab davon und kann es doch nicht.

Aus meiner Geschichte, aus der Geschichte meiner Familie, aus meiner privilegierten Stellung, die ich hatte weil ich in Frieden aufwachsen konnte, behütet und nicht in armen Verhältnissen, erwächst meine Verantwortung.

Eine Verantwortung alles dafür zu tun, dass diese Erde ein lebenswerter Ort bleibt, dass diese Gesellschaft eine lebenswerte Gesellschaft wird- für alle Menschen.
Vielleicht ist das eine naive Träumerei, eines Menschen, der sich weigert seinen Träumen abzuschwören.
Für mich ist es eine Verpflichtung und dafür lass ich mich auch gern als Radikalen beschimpfen – jeden Tag.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: