Gewalttige Distanzierungen – ein Kommentar zur gegenwärtigen Betroffenheitskultur. Zu Döbeln und Bremen.

Müssen wir immer wieder darüber reden, dass sich jede/r jeden Tag doch bitte von irgendetwas insbesondere von Gewalt distanzieren müsse?

Nein, müssen wir nicht!

Distanzieren, kann man sich nur dort wo vorher Nähe bestanden hat. Von Parteien im Besonderen und auch von allen anderen kann man erwarten, dass sie für ein friedliches Zusammenleben eintreten und auch so handeln. PUNKT!

Was wir indes erleben ist zunehmend eine Verrohung der Sprache auch in der Politik, wo andere Menschen schnell als „versifft“ oder ähnliches deklariert werden. Oder im militärisch anmutenden Ton und Vokabular Aussagen getätigt werden, als gehe es nicht um das Ringen um die besten Lösungen und Ideen oder den auch emotionalen Austausch von Argumenten sondern als gelte es den „Sieg“ zu erringen, andere zu „jagen“, zu „vertreiben“ oder ähnliches.

Die AfD, die ja ohnehin mit der freiheitlich- demokratischen Grundordnung so ihre Schwierigkeiten hat, trägt im besonderen Maße zur Verrohung der Sprache bei, zur Eskalation der Worte, die sich auch irgendwann in der Gewalt auf der Straße niederschlagen. Aber sie tun es längst nicht mehr alleine. Keine Partei ist inzwischen davon befreit.

Vielleicht sollte man regelmäßig darauf hinweisen, daran erinnern und mahnen, dass Gewalt in der Sprache und im Denken anfängt. Wer andere Menschen „Jagen“ will oder als „versifft“ bezeichnet wertet diese Menschen ab, degradiert sie und entmenschlicht sie, so dass die Gewaltschwelle sinkt. Aus Worten werden Taten. Bitte prägen Sie sich diesen Satz ein.

Ich erwarte also keine Distanzierungen oder Betroffenheitsriten sondern ein konsequentes Handeln, dass sich im täglichen Auftreten niederschlägt.

Und ich bin ein wenig davon verblüfft in welcher Geschwindigkeit DIstanzierungen eingefordert und Schuldige benannt werden.

Dazu zwei Beispiele und damit mich niemand falsch versteht, erkläre ich, dass ich auf den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe.

Nach Döbeln und Bremen kochen die Emotionen hoch. Von einer neuen Welle der Gewalt ist die Rede und ein zweifelhafter Extremismusforscher aus Chemnitz warnt vor „linksextremistischer Gewalt“. Offenbar scheint es Mode zu sein, nach subjektiv als besonders schwerwiegend empfundenen Taten, besonders deutlich zu warnen und zu mahnen und das dann gern auch frei von Fakten.

Zu Döbeln: Bislang ist zu den Hintergründen der Tat nichts bekannt. Obwohl unmittelbar nach der Tat 3 Tatverdächtige zunächst festgestellt wurden gibt es keine weiteren Hintergründe oder Motive.

Das bei der Detonation auch Menschenleben gefährdet worden seien ist eine bislang nicht mit Fakten unterlegte Aussage des Innenministers. Der Innenminister hatte auch die Aussage getroffen, dass es eine neue „Qualität“ der Auseinandersetzung sei. Diese Aussage nun ist nachweislich Unsinn, da es bereits 2015 im sächsischen Freital zu einer Sprengstoffanschlag auf das Auto eines LINKEN Politikers gekommen war bei dem das Auto total zerstört wurde und mehrere weitere Autos ebenfalls beschädigt wurden. Distanzierungen der AfD dazu gibt es keine.

Die AfD behauptet im Fall Döbeln auch, dass es sich um „Linksextremisten“ handelt. Woher diese Informationen stammen ist bislang nicht bekannt. Aber erschreckend viele Menschen übernehmen diese Behauptung.

Im Fall Bremen wurde ein AfD Politiker verletzt. Sofort danach teilte die AfD mit, dass 3 Vermummte Magnitz angegriffen und schwer verletzt hätten. Man hätte auf Magnitz mit einem Kantholz eingschlagen und dann als er am Boden lag auf ihn eingetreten.

Komischerweise zeigt ein Überwachungsvideo nur, dass Magnitz von hinten von einer Person angesprungen wird und dadurch zu Fall kommt. Auch das eine Körperverletzung aber jedenfalls kein Schlag mit einem Kantholz und keine Tritte gegen den Kopf.

Ungeprüft wurde die Falschmeldung der AfD übernommen um sich bundesweit in Betroffenheitsgesten zu üben. Bitter. Bitter.

Allzu schnell werden aus Behauptungen Wahrheiten, die sich verbreiten und in der Gesellschaft der Aufregung steigt der Druck sich zu positionieren statt Aussagen und Fakten zu prüfen.

Ich erwarte keine Distanzierungen und keine Betroffenheitsgesten sondern, dass Politiker*innen ihre Verantwortung wahrnehmen und in Sprache und Auftreten und im politischen Handeln für eine friedliche Gesellschaft eintreten. Dann wäre wirklch viel geholfen.

Werbeanzeigen

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s