Es weihnachtet sehr.

Nachdenkliches zur Vorweihnachtszeit.

Vielleicht aber auch nur vielleicht sollte man hin und wieder daran erinnern, dass Weihnachten das Fest der Besinnlichkeit und nicht der Besinnungslosigkeit ist.

Jetzt, da es wohlig kalt geworden ist, derzeit allerdings im Schnitt schlappe 5,7 Grad zu warm – Klimawandel sei Dank, und die Sonne nur noch selten zur Audienz vorbeischaut, ist die Zeit der Weihnachtsmärkte angebrochen.
Ein deutlicher und zuverlässiger Indikator, dass das Jahresende vor der Tür steht und für manche Endzeitnostalgiker auch die Apokalypse.
Letztere bleibt allerdings seit Jahren bedauerlicherweise aus, außer man empfindet das alljährliche Aufeinandertreffen der Familie als solche.

Abends dann, wenn die Städte und Gemeinden im Glanz der Reklame erleuchten und der Duft von Gesottenen, Gebratenen und Glühwein (mitunter auch Erbrochenen) durch die Gassen strömt, taumeln Menschen trunken vor Wein und Glück durch enge Gassen und versichern sich gegenseitig wie schön alles ist, klagen sich ihr Leid und finden nicht selten Einigkeit darin, dass früher alles besser war.
Wann und wo dieses „Früher“ ist bleibt meist im Verborgenen. Denn dieses „Früher“ ist ein unbestimmter Zeitpunkt, ein Ort der sehnsuchtsvollen Hoffnung, denn es einmal gegeben haben muss, so wird es seit Jahrhunderten berichtet und dieses Wissen von Generation zu Generation weitergereicht.

Hart erarbeitetes Geld, von dem meist zu wenig da ist und alles ohnehin ungerecht, wird dann eingetauscht gegen geistige Getränke, die mitunter, also im Einzefall nichts weiter sind als im Topf erhitzte Tetrapack Glühweine, die in hohen Worten angepriesen werden. Man steht davor und versichert sich gegenseitig welchen edlen Tropfen man da gerade geniesse, wobei nebenbei gern eingeflochten wird, in solch geistreiche Konversationen, dass der Glühwein früher billiger war und man ahnt es, früher also damals, jedenfalls vor einiger Zeit nicht nur der Wein billiger sondern auch andere Sachen besser waren. Tief seufzend pflichtet man sich mit einem „Hach, früher“ oder „Ja, damals“ bei und mitunter wenn der Alkohol die Gemüter erhitzt, werden dann auch noch Schuldige ausgemacht und als solche bezeichnet: „Die da oben“, „Die Fremden“, „Die Reichen“ für alle gibt es eine Gruppe, die man verabscheuen und für das eigene empfundene Leid verantwortlich machen kann, was irgendwie auch Gerechtigkeit ist.

Quell unerschöpflicher, vorweihnachtlicher Romantik sind meist Betriebsweihnachtsweihnachtsfeiern oder Vereinsweihnachtsfeiern. Man versichert sich gegenseitiger Wertschätzung und das meist auch zu Personen, die man nicht leiden kann und sich schon am nächsten Tag nicht mehr daran erinnert, dass man sich wertschätzt, trinkt Glühwein und findet auch hier Schuldige, die für all das Unbill verantwortlich sind. Unter vorgehaltener Hand wird dann und wann auch berichtet, dass solche Feierlichkeiten auch geeignet seien damit man sich näher komme, was freilich dann am nächsten Tag ebenso abgestritten wird wie die gegenseitige Wertschätzung.

Ein Weihnachtsbrauch unter meinen Freunden ist es, dass wir der Ehrlichkeit verpflichtet, nicht danach trachten den besten sondern den schlechtesten aber ehrlichsten Glühwein zu trinken.
Zuverlässig suchen wir daher die heruntergekommenste Bude aus, die nicht dadurch besticht, dass sie einfallsreich geschmückt ist sondern auf deren Tresen eine Plastiktischdecke liegt, die man bequem abwischen kann, während im Hintergrund einsam eine Christbaumkugel von der Decke hängt, ein altes Radio leise plärrt, wenigstens keine Weihnachtslieder darpreisend und der Glühwein erkennbar aus Tetrapacks stammt. Wir trinken dann in raschen Zügen aus Plastikbechern, alles andere wäre unnötiger Aufwand, das zutreffend als Gesöff bezeichnete Weihnachtselixier suchen uns eine CD Abteilung, schenken uns jeder eine CD und versichern uns unserer gegenseitigen Freundschaft. Einfach und schnörkelos und ein wunderbarer Brauch.

Man erinnert sich daran worum es geht: um eine Einkehr, um Ruhe und sich daran zu erinnern was wirklich wichtig ist.
Nicht der Umsatz von Geld in Geschenke, nicht das besinnungslose betrinken von dem etwa Christian von Aster in seiner Weihnachtslesung berichtete, da bereits ab Morgens um 11 Uhr angetrunkene Menschen vor seinem Atelier ruhen würden, sondern darum sich Zeit zu nehmen.

Sich daran zu erinnern, dass Weihnachten auch so etwas wie das Fest der Liebe sein sollte und Liebe und auch die Nächstenliebe, dieses hohe und selten gewordene Gut, nicht ökonomisiert werden kann und daher nicht in Talern zu bezahlen ist.

Es ist nicht der moralisierende Zeigefinger, der mahnend, einer Kerze gleich, sich in die Höhe reckt, sondern der Aufruf gerade in diesen Tagen Freundlichkeit und Wärme zu schenken, sich zu erinnern was wirklich ist und dann entsprechend zu handeln.

Ich wünsche euch allen eine frohe Vorweihnachtszeit.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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