Wenn die Clubs sterben…

In vielen Städten ist die Clubkultur gefährdet. Entweder weil Städte wachsen und Räume weniger werden oder weil repressive Politik und ökonomischer Druck vielen Projekten die Luft zum Atmen nimmt.

Eine Klage in zunehmender Lautstärke, die man aus Hamburg und Berlin hört und auch aus Leipzig.
Clubs sind Katalysatoren einer gesellschaftlichen Entwicklung, schaffen Frei- und Erlebnisräume, führen Menschen zusammen.

Fragen der Gleichstellung, der Ehe für Alle sind durch die Clubkultur vorangetrieben worden.
In den Farben der Nacht verschwimmen die Unterschiede zwischen den Menschen. Nicht die Herrkunft zählt sondern das Verhalten. „Und im Tanz, da sind wir eins“ haben Brockdorff Klang Labor einst gesungen und genau dieses Gefühl beschrieben.

Wieviele Beziehungen und Freundschaften haben in der Clubkultur ihren Anfang und ihr Ende gehabt, wieviel Glück und Tränen wurden vergossen.

Und nachwievor müssen sich viele Clubs, insbesondere die Spielstätten elektronischer Musik behaupten, weil sie eben keine „Großraumdiskos“ sind sondern Orte der Kultur, der Kontemplation weil Abende der elektronischen Musikkultur Erlebniswelten sind und eben nicht das stumpfe abspielen von Liedern.

Aber wer versteht das in der Politik schon? Und die Antwort wird sein zu wenige. Zu viele begrenzen das Kulturverständnis auf institutionelle Kultur („Hochkultur“) und im Musikbereich noch darauf, dass es ein Schaffensvorgang sein müsste mit Instrumenten um dann bei den Spielarten des Punk und Metal die Nase zu rümpfen und von Krach zu schreiben.

Anmerkung:
Bei der Debatte über Musik wird mir ohnehin regelmäßig übel und ich frage mich wie eng muss der Horizont sein, wenn man Bands, Musiker und Künstler anhand einer Textzeile, aus dem Kontext befreit bewerten will? Bis dahin, dass vor dieser unzulässigen unterkomplexen Reduktion, auch vornehmlich liberal denkende Menschen nicht zurückschrecken.
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Und all das ist bedroht. In den wachsenden Städten, im Jahrhundert der Städte und der zunehmenden Landflucht, wird Raum ein kostbares Gut. Dabei ist wer es sich ökonomisch leisten kann, verdrängt werden alle, die es nicht können.

Was aber bedeutet das? Was bedeutet es wenn sich die soziale Verantwortung von Immobilienfirmen darauf beschränkt, dass noch ein Stadtteilpark, geplant mit dem Lineal eingeräumt wird und sozialer Wohnraum (natürlich mit staatlichen Geldern gefördert) geschaffen wird.

Eine Frage, die diskutiert werden muss. Viele Clubs und Kulturräume werden von dem Willen der Schaffenden erhalten, von Aufopferung und von der Liebe zur Musik und nicht im Hoffen auf ein reiches Leben.

Ist euch klar, dass man Gefühle nicht ökonomisieren kann? Ist euch klar, dass man gesellschaftliche Entwicklungen nicht zu erste Rendite abwerfen sollen?
Ist euch das klar?

Jetzt jedenfalls soll in Leipzig, dass So&So endgültig weichen für ein neues Stadtviertel indem wilde Kultur und Clubs gleich gar keine Zukunft haben. Zuviel Lärm, zu viele Einschränkungen und zu wenig Fantasie. Am Ende gibt es einem vom Brett geplantes Viertel mit Mieten ab 11 Euro aufwärts (mindestens), mit einer Gewerbestraße und einem alten Haus, dass stehen bleiben muss und wo Kultur einziehen kann aber bitte nur solche die nicht zu laut ist und nicht stört und sich die Mieten leisten kann. Der TV Club Leipzig wird wahrscheinlich nicht dazu gehören.

Wilde Clubkultur im Leipziger Norden? Bald schon Geschichte!
Die Stadt verkommt zur Bettenwüste und Betonburg, denn auch das Grün verschwindet zusehens.

Ist es wirklich das was ihr wollt? Ist, dies eure Vorstellung einer Gesellschaft?

Meine ist es nicht! Eine Stadt als sozialer Raum braucht Begegnungs- und Treffpunkte, eine Stadt braucht eine Durchmischung und Freiräume, die Menschen alleine gestalten können.
Eine Stadt braucht kreative Nischen, die sich dem ökonomischen Druck entziehen, Orte die eine aufgeklärte Gesellschaft braucht.

Übrigens das Institut fuer Zukunft wurde gerade ausgezeichnet mit dem „Applaus“ als Spieltstätte des Jahres. Ein bundesweiter Preis überreicht von der Kulturstaatsministerin, der ua auch die Verdienste des IFZ zusammen mit der IG LiveKommbinat Leipzig um die Sperrstunde in Leipzig würdigt.

„Das Institut für Zukunft (IfZ) aus Leipzig gewann in der Kategorie I für sein kulturell herausragendes Programm von über 150 eigenen Konzerten und Clubabende im Jahr 2017 den ersten Preis. Das Institut für Zukunft ist dabei auf dem Gelände des Leipziger Kohlrabizirkus nicht nur ein kultureller Leuchtturm für elektronische und experimentelle Musik. Das Institut für Zukunft steht außerdem für eine basisdemokratische Organisation, für Engagement in der lokalen Nachwuchsförderung und für das Bestreben, einen in allen Bereichen diskriminierungsfreien und inklusionsfördernden Rahmen zu schaffen. „, so schreibt es die Stadt.

Und habt ihr wahrgenommen, dass lokale Presse und Politik sich darüber freuen? Habt ihr eine Politiker*in gehört, die die Auszeichnung gewürdigt hat oder die großformatigen Artikel in den lokalen Zeitungen gesehen?
Ich auch nicht.
Vielleicht übertreibe ich, vielleicht ist aber auch ein Zeichen wie ernst die elektronische Musik und Clubkultur in Leipzig genommen wird.

Aber das hier sind eure Städte und Gemeinden. Es sind die Orte der Menschen und nicht der Investoren. Und wenn wir etwas anderes wollen, als das was geschieht, müssen wir unsere Stimme erheben immer und immer wieder.

Und genau das werden wir tun, immer und immer wieder.

Liebe Deine Stadt.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

Ein Gedanke zu „Wenn die Clubs sterben…“

  1. Punk und Metal – gut und schön, hatte den WDR gefragt, warum nicht 1h Blues in der Woche bei 144h Programm pro Tag läuft und ob es so bliebe. Schließlich sendet die NachrichtenRED doch aus dem Arsch der Amis. Und dann auf US Volksmusik verzichten? Tja….. die anderen Heimatfrontsender sind auch nicht besser.

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