Leben.Lieben.Leipzig – eine Kritik

Leben.Lieben.Leipzig – Ich kam – sah und musste brechen. (Eine vorurteilsfreie, fast naturgetreue Beschreibung der Wirklichkeit- eine angemessene Kritik)

Vor einiger Zeit schrieb ich, in satirischer Überspitzung, was naturgemäß zu Diskussionen führte, eine Pre – Kritik zur neuen Soap aus Leipzig. Nun, gehöre ich zu der Art von Menschen, die ihre Vorurteile von Zeit zu Zeit einem Realitätsabgleich unterziehen, in der offenen Bereitschaft sich auf das Kommende einzulassen.

Ich habe also, wie viele andere Menschen auch, den Pilot der Serie gesehen. Meine Eindrücke möchte ich unbefangen und möglichst ohne Wertungen schildern und sie mit euch teilen, da ich befürchte, dass die Serie zum absoluten Trash- Kult verkommen könnte.

Die ersten 15 Minuten, sehe ich ungläubig auf den Bildschirm. Es fühlt sich an, als wird man ohne Betäubung in einem schrecklichen Autounfall verwickelt. Wir erfahren, dass die Protagonisten, die reihenweise Namen tragen, als wären sie am Ende der DDR geboren worden und ihre Eltern ihnen betont westdeutsch klingende Namen geben wollten, die damals schon fragwürdig waren, vor allem irgendwie mit der Bundeswehr zu tun haben oder Nachtklubs betreiben oder ins Fitness Studio gehen. Genauso habe ich Leipzig kennengelernt. Hier gehen alle ins Fitnessstudio oder sind bei der Bundeswehr. Also wirklich alle.

Die beiden Rückkehrer der Bundeswehr, die gleich zu Beginn in Bundeswehr Klamotten aber mit freien Oberkörper über den Leuschner Platz stolpern, vermutlich weil man das in Hypezig so macht, werden von ihren Kumpels mit Stretchlimo empfangen.

Im echten Leipzig laufen eigentlich nur Typen mit freien Oberkörper rum, deren Minderwertigkeitskomplexe anders als durch das betont maskuline Auftreten nicht mehr kaschiert werden können. Gern gepaart mit besonders getunten Boliden als Penisprothesen.

Ja, ich weiß, ich mache mehr Schubladen auf, als jeder gut organisierte Bürobedarf hat. Aber es geht hier um vorurteilsfreie Eskalation. 1elf!!!

Die Akteure agieren dabei so, als wären sie auf einem Hinterhof beim Backyard – Wrestling gecastet wurden und könnten das Wort Schauspiel kaum fehlerfrei buchstabieren.
Auf der nach unten offenen Prollskala, fällt mir auf Anhieb wenig ein, was das Niveau noch unterbieten könnte. Vielleicht muss man nach dem Konsum der Serie doch nochmal drüber nachdenken, ob Niveau nicht doch eine Fußcreme ist.

Dann springen aus der Stretchlimousine noch irgendwelche „Girls“ deren Beitrag zur Emanzipation, die eigenen Selbsterniedrigung ist. Überhaupt sind Frauen in der Serie dadurch charakterisiert, dass sie noch billiger aussehen als die Sachen, die man bei Kik kaufen kann und noch künstlicher als der Fisch Burger bei McDoof, von dem ich mich nicht wundern würde, wenn er das Grundnahrungsmittel wäre.

Dazu fallen Dialoge, für die man die Drehbuchautoren auf der Stelle —– ( ich bediene mich eines Stilmittels, das auch in der Serie vorkommt: dem überpiepen von besonders krassen Ausdrücken, was irgendwie voll 90er ist). Egal. Ich vermute bei den Drehbuchautoren jedenfalls eine akute Mischintoxikation aus verschiedenen Substanzen und wünsche nur das Beste.

Überhaupt wirkt das ganze so, wie schlecht getarntes Product – Placement der Bundeswehr, denn auch die Schwester des Hauptakteurs will zur Bundeswehr. Sie will ihrer Mutter ja nicht zu nahe treten, sagt sie, aber so (gemeint mit so wenig Geld) will sie nicht aufwachsen.

Und was hat der Bruder des Hauptprotagonisten gemacht, der die Go-Go Dance Bar Metropolis betreibt? Richtig, er hat Geld in – Zitat- die Mädels brauchen neue Tittis- investiert.
An dieser Stelle musste ich den aufkommenden Würgereiz runterschlucken, was sich ungefähr genauso anfühlt wie die Szene wo der eine Dude ins vollgekackte Klo greift, weil sein Handy rein gefallen ist als er den Penis des Hauptprotangonisten fotografieren wollte. Er wollte einfach nur überprüfen ob er, also der Penis wirklich so groß ist, wie alle sagen. Klingt komisch ist aber so.

Die Bar gibt es in der Realität wirklich und gehört zum Umfeld der Hells Angels (darf man das so schreiben oder krieg ich jetzt Ärger?). Wahrscheinlich taucht aus diesem Grund auch ein Typ auf, der in keiner Vorstellung so aussieht als wäre er ein fieser Geldeintreiber außer das er so richtig fies gucken kann. Gut, aus drei Wörtern einen überzeugenden Satz zusammenklauben kann er nicht aber trotzdem der beste Schauspieler ever.

Dann gibt es noch eine Szene im L1, die nahtlos alle meine Vorurteile bestätigt. Da ist Yvonne, die so ein breites sächsisch spricht, dass kaum dem Idiom meiner Heimatstadt gleicht und zu irgendeiner anderen sagt: Gehe weg, dass hier ist Vip (gesprochen als fiep).

Irgendwann endet dann diese knapp einstündige Kakophonie des Grauens. In dem hippen trendigen Leipzig, dem die Serie nach eigener Beschreibung auf der Spur ist, dreht sich alles darum, dass der Protagonist einen langen Penis hat, was den Sinngehalt irgendwie zutreffend erfasst.

Der Lokalkolorit wird übrigens dadurch eingebracht, dass alle paar Minuten zusammengeschnittene Bilder aus Leipzig zu sehen sind, unterlegt mit Musik, was genau der selbe Trick ist denn die Baywatch Drehbuchautoren damals angewendet haben, um bestehende Drehbuchlücken, die es immer zu genüge gab, zu kaschieren.
Gut, dass hier ist Hypezig und im Vergleich zu Baywatch ist das wirklich, wirklich billig. Und wenn ich sage billig, dann meine ich das auch so. Wirklich!

Ich jedenfalls, feiere diese Serie schon jetzt als ersten, echten Beitrag zur Degentrifizierung und erfreue mich daran, dass der Begriff Hypezig jetzt endgültig geschrottet wurde.

Nachtrag:
Es wird Menschen geben, die das lesen und sich fragen, darf der das so sagen weil der ist doch Politiker. Wenn ich bislang den Eindruck gemacht haben sollte, dass mich ernsthaft interessiert, was ich als Mensch mit bestimmten Attributen machen darf oder nicht, tut mir das aufrichtig leid. Ihr müsst euch jetzt bitte mein Kulturbetroffenheitsgesicht garniert mir weitaufgerissenen Hundeaugen und einem genuschelten „T’schuldige“ vorstellen. Dann habt ihr es erfasst.

Ich gehe mir jetzt eine trendige Frisur schnitzen lassen und suche mir einen hippen Namen und abgeranzte Bundeswehr Klamotten für untenrum bekomm ich auch noch.

Be prepared.

Das war’s.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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