Bauhaus, Fischfilet und Faschismus

Ein Beitrag zur aktuellen Debatte um das Bauhaus und die Band Feine Sahne Fischfilet.

Das staatliche Bauhaus wurde einst als Kunstschule 1919 von Walter Gropius gegründet. Sowohl ein Blick auf die Bedeutung des Bauhaus auf die Geschichte der Architektur als auch ein Blick in die Geschichte des Bauhauses selber lohnt.

Die CDU in Verbund mit der AfD, hat sich einmal mehr weder mit der Kunstfreiheit nach Art 5 Abs 3 Grundgesetz, noch mit der Geschichte auseinandergesetzt.

Anders ist es nicht zu erklären, dass nach Drohungen von Rechtsextremen das Konzert der Band Feine Sahne Fischfilet untersagt wird. Das Bauhaus solle unpolitisch bleiben, meint etwa die CDU. Man möchte Ihnen entgegnen, wer so wenig Ahnung von Kunst und Geschichte hat möge besser schweigen.
Das Bauhaus wurde nach einer Welle von Repressalien 1933 durch die Nationalsozialisten zur Selbstauflösung gezwungen und Kunst prägt die Gesellschaft mit, ist also zwingend politisch.

Dass der AfD freie Kunst hingegen ein Dorn im Auge ist und der Staatsvorstellung des Faschismus entgegenläuft, sollte bekannt sein. Kunst schafft einen Raum der Freiheit, der regelmäßig der staatlichen Kontrolle entzogen ist. Deswegen versuchen insbesondere autoritäre Systeme die Kunstfreiheit einzuschränken und Kunst zu kontrollieren.

Besten Argument ist vorliegend, was offenbar auch einige Liberale anwenden, dass die Band doch linksextrem sei. Zur Beweisführung wird dann auf den Verfassungsschutzbericht aus Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 2013 zurückgegriffen. Soviel Geschichte darf es dann also doch sein. Abgesehen davon , dass die Band seit 2015 nicht mehr im Verfassungsschutzbericht auftaucht, sollte beim notorisch mit Doofheit geschlagenen Verfassungsschutz immer Vorsicht gelten. Zumal die Institution des Verfassungsschutz als Inlandsgeheimdienst demokratiefremd ist. Auch das verschiedentlich angeführte Urteil des OVG Rostock führt ins Leere. Ist es doch aus dem Jahr 2013 im Eilverfahren, dass heißt ohne vollständige Prüfung ergangenen.

Und all denjenigen die immer noch meinen, dass die Band ja trotzdem ganz schlimm sei, lege ich das Urteil des Bundesverfassungsgericht zur Kunstfreiheit aus dem Jahr 2000 ans Herz ( 1 BVR 581/00). Das BVerFG setzt sich darin mit einem Song der Band Slime auseinander p: „Deutschland muss sterben damit wir leben können.“

„Das Lied „Deutschland muss sterben“ ist Kunst im Sinne dieses Grundrechts. Dies ergibt sich sowohl bei ausschließlich formaler Betrachtungsweise, weil die Gattungsanforderungen des Werktyps „Komposition“ und „Dichtung“ erfüllt sind, als auch bei einer eher inhaltsbezogenen Definition des Kunstbegriffs. Der Verfasser benutzt die Formensprache eines Liedes, um seine Erfahrungen und Eindrücke zu bestimmten Vorgängen mitzuteilen, die man unter der Überschrift „Bedrohliche Lebensumstände in Deutschland“ zusammenfassen könnte. Da eine wertende Einengung des Kunstbegriffs mit der umfassenden Freiheitsgarantie des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG nicht zu vereinbaren ist, kommt es bei der verfassungsrechtlichen Einordnung und Beurteilung auf die „Höhe“ der Dichtkunst nicht an.

…Bei dem Lied „Deutschland muss sterben“ handelt es sich erkennbar um eine plakative, drastische Kritik mit satirischem Einschlag an gesellschaftlichen und politischen Zuständen in Deutschland. Charakteristisches Merkmal dieser Kunstform ist, dass der Aussagekern mit symbolhaft überfrachteten Bildern verbrämt und in karikaturhaft überzeichneten Ausdrücken umschrieben wird; typisch sind auch Anspielungen auf zeitgeschichtliche Vorgänge und literarische Reminiszenzen….

Der künstlerische Anspruch des Liedes und die daraus resultierenden Anforderungen an eine diesem Anspruch gerecht werdende Interpretation werden durch ein – ungleich bedeutenderes – literarisches Vorbild verdeutlicht, das sowohl formal als auch im Ansatz und in der Metaphorik weitgehende Ähnlichkeit aufweist. In einem 1844 erschienenen Gedicht formuliert Heinrich Heine eine kaum weniger radikale und bittere Kritik an den Zeitumständen, und auch er sieht sein Vaterland dem Untergang geweiht:…“

Nichts anderes gilt für die Lieder von Feine Sahne Fischfilet auch wenn das den Kulturphilistern und Moralaposteln, die liebend gern definieren würden was Kunst ist nicht passt.

Gern wird von Kritikern der Band auf folgende Textzeile aus dem Song „Staatsgewalt“ abgestellt:

„Die Bullenhelme – sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein.“

Diese Textzeile wird gern aus dem Kontext gerissen verwendet, ohne den vollständigen Text, das Werk oder die Aussagen der Band dazu zur Kenntnis zu nehmen. Damit wird die Kritik völlig sinnfrei und ist rein willkürlich. Ein künstlerisches Werk wird nicht über eine Textzeile oder einen Pinselstrich bemessen sondern durch das Gesamtwert, ihr Banausen.

Sowohl aus der Kunstfreiheit, der Geschichte des Bauhaus und de r Geschichte Deutschlands wird deutlich in welch eklatanter Art und Weise die Untersagen des Konzerts ein Akt der Barbarei ist.

In diesem Sinne, anknüpfend an Slime in der Besorgnis, die auch Heine trug, aus Sorge um dieses Land:

: die AfD muss sterben, damit wir leben können.

 

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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