Unteilbar und Sachsen.

Ja, die Demonstration #unteilbar, vielleicht die größte Demonstration dieser Art in Deutschland, war ein ermutigendes Zeichen. 9 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich in der Flüchtlingshilfe und es zeigt, dass viele Menschen nicht mehr bereit sind zu schweigen wenn Hass und Hetze laut werden.


Das kann man nicht klein reden und es macht mich ein wenig ratlos, dass ich keine Stimmen der konservativen Parteien gehört habe, die doch immer dann besonders laut erklingen und meinen man müssen die Sorgen und Nöte der Menschen ernst nehmen. Man will Ihnen zu rufen: Hier sind 240.000 Menschen stellvertretend für viele andere, nehmt sie und ihre Sorgen ernst.

Ich versuche diesen Schimmer der Hoffnung in mein Herz einzuschließen und nach Sachsen zu übertragen.

Und dann sehe ich, dass da am 21.10. Pegida seinen 4. Jahrestag feiert. Sehe, dass seit 4 Jahren fast jeden Montag in Dresden Hass auf die Straße getragen wird. Und ich bin ernsthaft gewillt die Hoffnung nicht aufzugeben, dass diesmal wirklich ein breites Bündnis an Menschen auf die Straße geht und ein deutliches Zeichen setzt.

Ich weiß, dass die mediale Aufmerksamkeit da ist und schon allein deshalb, sonstige Bedenkenträger und Zweifler sich dennoch einreihen werden und finde es ein wenig seltsam. Ich verstehe meine Dresdner Freund*innen, die seit Jahren in Dresden für Widerspruch sorgen und die darüber frustriert sind, dass jetzt auf einmal alle die kommen und sich feiern lassen, denen sonst das Engagement für Demokratie auf der Straße egal ist.

Und ich weiß, dass jenseits der medialen Aufmerksamkeit in den Weiten des Landes eben nicht nur Dresden liegt. Am 27.10. will erneut die Bürgeroffensive für Zwickau ebendort auflaufen. Beim letzten mal 800 Menschen und auf der anderen Seite eben auch nur 200. Und dann wird nicht die überregionale Presse berichten. Es wird keine großen Aufrufe geben sondern das Ringen um die Deutungshoheit auf der Straße müssen wieder die lokalen Träger der Zivilgesellschaft stemmen.

Und noch tiefer, näher an Bayern, liegt das Vogtland wo in Plauen am 29.10. der dritte Weg, diese neonazistische Kleinstpartei, der Nachfolger des verbotenen freien Netzes Süd, erneut auflaufen will. Darüber wird kaum jemand berichten. Als zuletzt die AfD mit Poggenburg und mehr als 150 organisierten Neonazis des 3.Weges durch Plauen zog wurde das auch in Sachsen mehrheitlich ignoriert und übersehen. Alltag.

Noch später am 09.11. ist es wieder Chemnitz wo die rechtsextremen von Pro Chemnitz, wie jede Woche Freitag auf die Straße gehen werden. Und vielleicht werden sich mehr Menschen dafür interessieren. Weil es ja Chemnitz ist, über das soviel geschrieben wurde. Aber was heißt das schon.
Und währenddessen finden irgendwo in sächsischen Kleingartenanlagen Neonazi Veranstaltungen statt – nationale Schulungsabende.

Am vergangenen Montag „feierte“ das Haus Montag in Pirna, das Neonazizentrum der Region Sächsische Schweiz Osterzgebirge seinen 5. Geburtstag. Zur Feier des Tages war Sebastian Schmidtke aus Berlin da, vorbestrafter Aktivist der autonomen Nationalisten. Ansonsten ist es dort ebenso ruhig, wie im Erzgebirge was daran liegt, dass die Neonazis diese Räumen schon mehr oder weniger stark besetzt haben.

Ich bin bereit und voller Hoffnung nicht aufzugeben. Ich weiß, dass Demonstrationen nicht das alleinige Mittel sein können um etwas zu ändern. Aber ich zweifle doch sehr stark, dass Ignoranz gegenüber nationalistischen Versuchen die Deutungshoheit zu erringen ein probates Mittel ist.
In diesen Zeiten bin ich auf der Suche nach Hoffnung. Von Berlin ging ein Licht aus. Ich schließe das Licht in mein Herz. Wir sind hier vielleicht nicht mehr aber wir sind nicht allein und wir sind da.
Wir, das andere Sachsen.

Und ich für meinen Teil werde das tun was ich tun kann um auch weiterhin in Freiheit zu leben: Mich für die Demokratie engagieren, jeden Tag und vielleicht ist das der beste Rat, den man jeden Menschen geben kann: ihr entscheidet mit in welcher Gesellschaft ihr leben wollt, durch euer Verhalten – jeden Tag.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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