Beobachtungen in Dresden

Nach längerer Zeit habe ich am Montag wieder Dresden besucht um mir die eigentümliche Stimmung eines jeden Montagabends anzuschauen.
Seit 4 Jahren laufen fast Woche für Woche jeden Montag Menschen durch die Stadt, die es legitim erachten „absaufen“ zu brüllen und andere Menschen zu hassen.
Und es entsteht der Eindruck, dass es der Mehrheitsgesellschaft egal ist. Man hat sich an diesen Zustand gewöhnt. Ein Zustand, der die Grundlage bildet für die Zunahme an rassistisch motivierten Straftaten.


Verschiedene Gruppen hatten wie jeden Montag seit 4 Jahren zum Gegenprotest aufgerufen. Und obwohl der Startpunkt an der TU Dresden war, gehen viele Studenten achtlos vorbei. Am Ende sind es vielleicht 200 Menschen, die sich der Demo anschließen.
Wir laufen durch die Prager Str, den Einkaufsboulevard und ich habe das beklemmende Gefühl, dass wir diejenigen sind die hier stören. Wir stören die ignorante Konsumballustrade. Die Blicke zwischen Unverständnis und Belustigung, bis hin zu Verachtung, auch wenn mehrfach Menschen an uns herantreten und zum Ausdruck bringen, dass sie das Anliegen unterstützen.
Am Ort der Zwischenkundgebung halte ich eine Rede. Eine Rede, die auf der anderen Seite des Netzes für Ärger sorgt und zu einer neuen Zunahme an Hasskommentaren führt – ich bin es gewohnt. Die Zunahme an Hass zeigt, dass ein wunder Punkt getroffen wurde.
Sorgsam werden 10 Grundgesetze auf die Strasse gestellt bevor der Zug der Pegida Anhänger, vielleicht 1000-1500 an uns vorbeizieht. Hauptsächlich ältere Menschen, Durchschnittsalter ü50 ergänzt durch ein paar stiernackige Jungnazis.
Als sie vorüberziehen halten wir Grundgesetze hoch und die Reaktion der Besorgten spricht für sich: „Faules Pack“ , „geht arbeiten“, bis hin zu “ räumen“. Sie zeigen dem Grundgesetz den Stinkefinger und drohen. Keine Grundlage für irgendwas.
Eine Reihe von Personen erkennen mich, zeigen auf mich, tuscheln und versuchen zu provozieren. Das ich ruhig stehen bleibe scheint sie zu enttäuschen. Sie wissen nicht wie sie mit „Kasek, der mal wieder seinen Bunker“ verlassen hat, wie es von der Bühne tönt, umgehen sollen.
Am Ende, auf dem Altmarkt, stehen sich beide Seiten gegenüber. Pfiffe tönen über dem Platz.
cut. Mittwochabend Leipzig

Gestern fand in Leipzig das Sachsengespräch statt. In der Diskussionsrunde zum Inneren meldet sich eine Hausärztin aus Mittelsachsen. Sie bringt ihre Sorge zum Ausdruck, dass Minderheitenrechte in Sachsen nicht ausreichend geschützt werden, dass sich die Landesregierung nicht konsequent gegen den aufziehenden Faschismus stellt und erzählt darüber, dass sie darüber nachdenkt zusammen mit ihrer Frau aus Sorge Sachsen zu verlassen. Sie ist nicht die Einzige. Ich kenne viele Menschen, die so denken. Worte, die beklemmend nachhallen, in der Leipziger Nacht, hier in Leipzig, dieser Insel der progressiven Gesellschaft in Sachsen.
2019 kann Sachsen endgültig scheitern. Und während ich dies schreibe, blättere ich in einer Schrift der Landeszentrale für politische Bildung, in der als einziges Wahlplakat ein Plakat der AfD, ohne Kontextualisierung abgedruckt ist und darunter der Pegida Versteher aus der TU Dresden schreibt, dass der Antirechts Kampf vor allen von der Oberschicht mit westdeutschen Migrationshintergrund geführt wird. Die Delegitimierung von Antirassismus und die Reproduktion von Rechtspopulismus durch Zuweisung von Eliten. Ein Professor als Stichwortgeber der Fremdenfeinde – widerspruchslos in einer offiziellen Druckschrift der Landeszentrale für politische Bildung- willkommen in Sachsen.
Und nur so: ich bin hier geboren, ich lebe hier, dieses Sachsen ist auch mein Land und gemeinsam mit vielen Menschen werden wir uns auch weiter gegen Menschenfeindlichkeit engagieren.
Wir sind da, wir geben nicht auf, wir das andere Sachsen.
Fotos by José Lezama Lima
PS : Am 21.10. Ist der vierte Hassgeburtstag der Fremdenfeinde und ich finde , dass es ein gutes Zeichen wäre wenn diesmal viele Menschen widersprechen würden. Anreise aus Leipzig mit @platznehmen.

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Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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