Wald retten – Demo verboten?

Wald retten Demo verboten?

Die Tagesschau meldet, dass die Großdemo des BUND am Hambacher Wald für den 6.10. verboten sei.
Eine Nachricht die aufhorchen lässt, da sie in mehreren Richtungen Fragen aufwirft.
Das Versammlungsgrundrecht ist in Art 8 GG normiert. Danach haben alle Deutschen das Recht sich frei zu versammeln. Einer Genehmigung bedarf es daher nicht.
Art 8 GG hat einen Gesetzesvorbehalt. Bedeutet, dass für Versammlungen unter freiem Himmel das Grundrecht eingeschränkt werden kann.
Dieser Gesetzesvorbehalt wird durch das Versammlungsgesetz ausgefüllt.

In NRW gibt es kein eigenes Versammlungsgesetz, so dass die Regelungen des VersG Bund Anwendung finden. Danach kann durch die zuständige Behörde eine Versammlung beauflagt oder verboten werden bei einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung.
Die Einschränkung muss dabei selber wiederum verfassungsmässig sein, so dass ein Verbot faktisch nur im Fall eines echten polizeilichen Notstandes in Betracht kommt. Einen Fall, den es streng genommen nicht geben darf, da dieser nur dann vorliegt wenn zu wenige Polizeieinsatzkräfte zur Absicherung vor Ort sind.

Punkt 1: zuständige Behörde für ein Verbot ist nicht die Polizei sondern nach § 1 Verordnung über Zuständigkeiten nach dem Versammlungsgesetz die Kreispolizeibehörde. Im vorliegenden Fall der Landkreis. Unterschieden wird nämlich zwischen der Landespolizei bzw dem Polizeivollzugsdienst und der Ordpolizeibehörde regelmassig die Landkreise oder kreisfreien Städte. Bedeutet, dass die Polizei schon gar nicht für ein Verbot zuständig ist.

Punkt 2:eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist schon nicht vorgetragen. Angeführt wird onstr keine der Eigentümer der privaten Flächen seine Fläche zur Verfügung stellen wollte. Beim Hambacher Wald, im Eigentum von RWE, handelt es sich um eine quasi öffentliche Fläche und RWE kann das Versammlungsrecht nicht außer Kraft setzen. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Fraport Urteil die Grundzüge für Versammlungen auf Privateigentum, dass der Öffentlichkeit zugänglich ist festgelegt.

Dazu kommt, dass das Bundesverfassungsgericht in seiner Brokdorf Entscheidung weitere Grundzüge für sogenannte große Bewegungen festgelegt hat.

Nach alldem ist vorliegend kein Verbot ersichtlich.
Einer gerichtlichen Überprüfung dürfte die Entscheidung der Polizei, die der Bund bereits führt, nicht standhalten.

Vielmehr sieht es so aus, dass man kurz vorher mit allen Mitteln versucht Demonstrationsteilnehmer von der Teilnahme abzuschrecken.

Wer immer das Verbot erlassen hat macht sich damit entgegen rechtsstaatlichen Prinzipien zum Handlanger von RWE.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

Ein Gedanke zu „Wald retten – Demo verboten?“

  1. Hat dies auf all english matters rebloggt und kommentierte:
    Forest rescue demo banned?

    The German Tagesschau (TV news) reports that the large-scale BUND demonstration at the Hambacher Forest for October 6 is banned.
    A message that makes you sit up and take notice as it raises questions in several instances.
    The fundamental right of assembly is standardised in Article 8 GG. According to this, all Germans have the right to assemble freely. No approval is therefore required.
    Article 8 GG has a legal reservation. this means that for open-air meetings the fundamental right can be restricted.
    This legal reservation is fulfilled by the Assembly Act (the German Federal law concerning processions and assemblies).

    There is no separate assembly law in NRW, so that the provisions of the Federal law apply. According to this, an assembly may be convened or banned by the competent authority in the event of a threat to public safety and order.
    The restriction itself must in turn be constitutional, so that a ban can in fact only be considered in the event of a genuine police emergency. A case which, strictly speaking, should not exist, as it only exists when there are too few police forces on the ground to provide security.

    Point 1: The competent authority for a ban is not the police but, according to § 1 of the Ordinance on Responsibilities under the Assembly Act, the district police authority. In the present case, the administrative district. A distinction is regularly made between the state police or the police enforcement service and the police authorities in the districts or cities. This means the police aren’t even in a position to ban it.

    Point 2: A threat to public safety and order has not already been presented. It is argued that none of the owners of the private land wanted to make their land available. The Hambach Forest, owned by RWE, is a quasi-public area and RWE cannot override the right of assembly. The Federal Constitutional Court has laid down in its Fraport (Frankfurt Airport) ruling the principles for assemblies on private property that is open to the public.

    In addition, the Federal Constitutional Court in its Brokdorf decision has laid down further principles for so-called large movements.

    As a result of all this, no ban is apparent in this case.
    The decision of the police, which is already in the hands of the federal government, is unlikely to withstand judicial review.

    It rather looks as though demonstration participants are to be discouraged from taking part by all means shortly before the event.

    Whoever has issued the ban is thus making himself the stooge of RWE, contrary to the principles of the rule of law.

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