Nein, wir sind nicht mehr.

Es müssen Worte voller Bitterkeit folgen. Ich bin es müde, ständig so zu tun als würde #wirsindmehr gelten, denn wir sind es nicht, nicht in Sachsen, nicht mal ein bisschen. Und es hilft auch nicht so zu tun, denn es verdeckt und kaschiert das Problem.


Ich komme heute aus Zwickau wieder. Dort wo sich heute mehr als 300 Menschen gegen einen Aufmarsch der Bürgeroffensive Deutschland gestellt haben. 300 Menschen, die ein Fest und eine Demo organisiert haben, wo die Bürgermeisterin vorbeischaut und auf der anderen Seite trotzdem 800 Menschen laufen. Die meisten von Ihnen bürgerlich und inzwischen ohne jede Abgrenzungsprobleme mit extremen Rechten wie der NPD, dem dritten Weg und anderen neonazistischen Gruppen. Es gibt keine Hemmschwelle mehr und ein Teil würde, wenn sie es könnten, uns sofort angreifen und zusammenschlagen.
Ich denke an die Menschen, die die Demo heute organisiert haben wie René, die jeden Tag in Zwickau leben, die jeden Tag damit rechnen müssen angegriffen zu werden. Es ist bestürzend wenn mir Freunde erzählen, dass sie jetzt nach 2 Jahren wieder umziehen müssen weil die Neonazis vom dritten Weg wieder da waren. Und ich bin Ihnen, die da draußen, jeden Tag rausgehen und Haltung für die Demokratie einnehmen so unendlich dankbar.
Ich denke an Annalena in Bautzen, die als Nestbeschmutzerin gilt, weil sie auf das rechte Problem hinweist, die vom Bürgermeister gemieden wird und bei der immer wieder Nazis den Vermieter oder Arbeitgeber anrufen.
Ich denke an Ines und Steffi in Freital, die dort ihre Stimme erheben und immer wieder Zusendungen erhalten und bedroht werden.
Ich denke an meine Freunde in Eilenburg und Dresden. Denke an eine Freundin in Dresden, die weil sie Demos anmeldete, irgendwann Neonazis im Laden stehen hatte. Denke an die Menschen im Erzgebirge, die sich in nationalbesetzten Räumen immer wieder entgegenstellen.
Und ich sitze hier in meinem Leipzig, in dieser Blase, wo es noch in weiten Teilen eine Zivilgesellschaft gibt und wo man ernsthaft noch sagen kann, wir sind mehr – aber wie lange noch.
Gestern war Chemnitz. Wieder einmal. Nach dem Aufmarsch von Pro Chemnitz mit etlichen Nazis wird unter anderen Robin, der Pressesprecher von Bündnis Chemnitz Nazifrei angegriffen und die Scheiben eines Büros der LINKEN beschädigt. Und ich freue mich, dass bei Aufstehen gegen Rassismus immerhin 400 Menschen waren während auf der anderen Seite wieder tausende vorbeiziehen.
Nein, wir sind nicht mehr. Wir sind nicht mal nah dran. Denn die meisten schweigen und verstehen das Problem immer noch nicht.
In Meißen proben CDU und AfD schon mal die Zusammenarbeit um einen Bürgermeisterkandidaten der von LINKEN, SPD und Grünen unterstützt wird zu verhindern.
Wir sind gar nichts.
Begreift irgendjemand was es für unendlichen Mut erfordert sich in Sachsen irgendwo rauszustellen mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz? Ein Zeichen, dass nichts weiter ist als die Grundlage unserer Demokratie. In Sachsen gilt man damit als linksextrem und damit im Zweifel schlimmer als die Rechten, denn die wollen ja wenigstens noch ein starkes Deutschland aber die Linken….
Ich habe keine Lust mehr mir ständig und immer wieder anzuhören, dass ich mich nicht aufregen soll und ich doch polarisiere während jemand wie Frank immer wieder aufs Übelste im Netz angegriffen wird weil er die Rechten bloßstellt.
Ich könnte weitere Namen und Orte aufzählen und ich bitte meine Freunde um Vergebung, die ich vergessen habe – nein wir sind nicht mehr aber wir sind noch da.
Wir, das sind diejenigen die hier noch Haltung haben, die das Problem kennen und die zu oft im Stich gelassen werden.
Wir, dass sind diejenigen, die den Mut haben sich jeden Tag rauszustellen egal ob in Bautzen, Mittweida oder Heidenau oder sonstwo in Sachsen.
Wir, dass sind diejenigen, die noch an eine gerechte Gesellschaft glauben und denen Menschen- und Grundrechte noch was bedeuten.
Und die Mehrheit sind diejenigen, die schweigen, die sich in ihrem bequemen Leben eingerichtet haben und sich einreden, dass sie mit alldem nichts zu tun haben. Doch, haben Sie.
Nein, wir sind nicht mehr aber ich bin jedem einzelnen dankbar, der nicht akzeptiert, nicht schweigt, nicht wegschaut – denn diese Menschen, sind hier noch die Hoffnung.

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Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

20 Kommentare zu „Nein, wir sind nicht mehr.“

  1. Nicht schlecht analysiert.
    Aber hören Sie auf von den bösen Hakenkreuzen zu warnen, nicht ein rechter oder gar Nazi, würde heimlich, feige und nachts, durch die Städte schleichen und krumme, schräge, windschiefe Schmierereien an fremder Leute Wände kritzeln.
    Da frag ich schon seit über 20 Jahren nach, ob irgendeiner jemanden kennt, der damit zu tun hatte, aber Ernte nur heftige Beschimpfungen und immer dieselben Vermutungen, wem das nutzt.
    Cui bono?

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    1. Erstens schmieren Rechte und Nazis sehr wohl auch Parolen und gerne auch Hakenkreuze an fremde Wände.
      Und zweitens schleichen Rechte und Nazis „feige und nachts“ durch die Gegend und zünden Häuser an.

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  2. Werter Herr Kasek,
    Sie lamentieren darüber, dass Linksextremisten, und dass sind alle Linken, weil sie sich nicht von Gewalttätern distanzieren und sie dem Rechtsstaat übergeben, Probleme bekommen.
    Zum Beispiel mit Vermieter und Arbeitgeber, aber macht ihr nicht gleiches? Ist dies also nur dann legitim, wenn es linksradikale Terroristen tun?

    Statt ewiglich zu Jammern, sollten sie lieber in ihrer Gewalttäterreihen aufräumen und jene der Justiz übergeben, welche zum Beispiel in Chemnitz 2 Menschen schwerst verletzt haben. Oder jene, die versucht haben, mich im letzten Jahr zu ermorden.
    Ja so sieht links sein heute aus, Menschen die nicht in ein Weltbild passen, werden gehetzt, gejagt, diffamiert und zum Teil versucht zu ermorden.
    Man erinnere sich nur an indymedia, wo ganz offen zum Mord an Rechten, egal ob Frauen und Kinder, aufgerufen wurde, durch aufgesetzte Schüsse mit Schreckschusswaffen, man stelle sich den Medienrummel vor, das würden Rechte machen!
    Oder die linksextreme Terrorzelle aus Chemnitz, welche Sprengstoff und Kampfmittel hergestellt hat, um Menschen umzubringen!

    Bei all diesen Dingen, da Schweigen sie und ihres gleichen! Warum?

    Mich würde hier ihre ehrliche Meinung interessieren, aber sie werden sich eh nicht melden und diskutieren schon gar nicht!
    Oder höchstens mit ihren Schlägertrupp im Rücken!

    Sie wollen für Demokratie stehen? Also für den Willen des gesamten Volkes, wohl eher nicht!

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    1. Zunächst einmal gibt es nicht den Willen des gesamten Volkes sondern Demokratie bedeutet, dass es verschiedene Meinungen und Gruppen gibt, die diese Meinung vertreten. Demokratie findet ihre Vollendung auch nicht im Sieg der Mehrheit über die Minderheit sondern im finden eines Kompromisses, der möglichst viele Menschen einschließt.

      Von einer linken Terrorzelle in Chemnitz ist mir nichts bekannt. Können Sie bitte Quellen liefern?
      Zudem habe ich mich immer wieder klar und deutlich von Gewalt abgegrenzt.

      Ich wäre Ihnen für antworten dankbar.

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      1. Linke terrorzelle,
        Jene kleine Gruppe, welche mehrere Kilo Sprengstoff hergestellt hat, samt kampfmittel (wie Tränengas, buttersäure, usw.)…
        Gab dazu auch einen kurzen Bericht in den Medien, aber linker Terror wird eben nicht wahrgenommen!
        Werde hierzu nicht alle Zeitungen durchblättern, sollte bekannt sein, der haupttäter bekam sogar einen Preis für seine linken Aktionen, welcher ihm nicht mal aberkannt wurde, nach dem dieser terroristische Ziele hatte.
        Nur zum Verständnis, die Typen, die in Dresden einen Polenböller an einer Moschee gezündet haben, also einen illegalen knallkörper, bekamen 10 Jahre (zurecht, wenn auch ein wenig viel). Hier wurde aber richtiger Sprengstoff hergestellt, welcher reicht. Um ganze Häuserblöcke dem erdboden gleich zu machen.

        Außerdem, wie wäre es mit einem öffentlichen Bekenntnis und Aufruf, dass sich die 20 Personen stellen müssen, die versucht haben, die 4 Personen auf dem Parkplatz zu ermorden? Wo 2 schwerverletzt wurden?
        Sie sind doch gegen Gewalt, also machen sie einen öffentlichen Aufruf bei Facebook und jagen sie diese Bande. Dann nimmt man ihnen vielleicht ab, dass sie tatsächlich gegen Gewalt sind!

        Ansonsten stehen sie als Aushängeschild für linken Terrorismus, welcher seit Jahren Leipzig überzieht!

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      2. Schon mal was von Google gehört? Einfach „Linke Bombenbauer Rudolstadt bzw Halle/Saale“ eingeben….ich sag ja,mal was anderes als TAZ,BLÖD,LOCUS lesen und die Linkslastige Filterblase verlassen.

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    2. @Jürgen: Danke für deinen Bericht!
      @ Willi: es ist mir ein absolutes Rätsel, warum inzwischen fast jedes Mal, wenn von rechter Gewalt geschrieben wird sofort jemand schreit „Aber was ist mit den Linksextremisten?“. Ich möchte hier nicht auf die Unterschiede zwischen Rechts-und Linksextremismus eingehen und auch sicher nicht den Linksextremismus rechtfertigen (Extremismus ist schlimm, egal von welcher Seite). Aber: HIER geht es nun einmal um das Problem des Rechtsrucks in der Gesellschaft. Und es ist ein Thema vor dem man die Augen nicht verschließen darf! Und von dem man auch nicht einfach ablenken sollte, indem man versucht die Aufmerksamkeit auf andere Themen zu lenken.

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      1. Falsch, wenn man gegen Gewalt ist und gegen Extremismus, dann muss man alles erwähnen!
        Oder ist es ihrer Ansicht toll, wenn linke dafür sorgen, dass rechte ihre Wohnung und Arbeit verlieren?
        Natürlich rechtfertigt dies nicht, das rechte sowas machen, aber es erklärt dieses.
        Es gibt da ein Sprichwort, was sehr gut passt:
        Was du möchtest, dass man dir an tut, füg auch keinen anderen zu!

        Also, wenn ihr sowas verhindern wollt, fängt an, selbst sowas zu unterlassen und jene, die das bei euch tun, auszuschließen und ÖFFENTLICH anzuprangern.

        Dann seid ihr glaubwürdig…
        Solange ihr das nicht tut, seid ihr alle samt linksextremistische Terroristen und Gewalttäter, ohne Ausnahme. Auch etwas, was ihr so gerne macht, pauschalisieren und alles in einen Topf werfen. Wo wir wieder bei dem. Sprichwort wären…
        Oder liege ich hier falsch?

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  3. Nun Herr Kasek Ihresgleichen tut doch das selbe, Bürger bei Arbeitgebern anschwärzen wenn sie auf Demos mitlaufen die euch nicht genehm sind,Häuser mit Farbbeuteln beschmeisse,Autos demolieren,Radmuttern lösen,Fenster von Parteibüros der AfD einschmeissen,Bürger krankenhausreif schlagen weil sie gegen unkontrollierte Masseneinwanderung sind, Bürger auf Demos von Brücken herab mit Bitumenanstrich und brennbaren Flüssigkeiten übergießen ect ect…und jetzt wundern sie sich, das die Leute sprichwörtlich den Kanal voll haben und sich wehren? Wie naiv sind sie eigendlich zu glauben,das unkontrollierte Masseneinwanderung und Multikulti für unser Land ohne schlimme Folgen bleibt? Sie sollten mal statt TAZ,BLÖD und LOCUS andere Medien konsumieren und aus ihrer Lethargie der linkslastigen Filterblase rauskommen. Der überwiegende Teil der Mitteldeutschen möchte nunmal keine Zustände wie in NRW,RP,BW ect…wir wollen unsere deutsche Kultur und Nation unverfälscht behalten…wer sich dem anpasst kann hier gerne leben,wer das aber verändern will und möchte das wir uns fremden Kulturen anpassen/unterwerfen, der wird hier sein sprichwörtlich blaues Wunder erleben.
    In diesem Sinne :“Wenn’s ihnen in Mitteldeutschland zu Deutsch ist,dann ziehen sie nach NRW…niemand hält sie auf und keiner wird sie hier in Mitteldeutschland vermissen“

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  4. Der Willi, was ein herziger Zeitgenosse.
    Wiederholt nur seine Litaneien gegen „Linksterroristen“, kann auf Nachfrage keine Belege zu seiner behaupteten „linksextreme Terrorzelle aus Chemnitz“ nennen und ist noch nicht mal in der Lage Sprichwörter richtig zu zitieren.
    Es heißt: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem andern zu. “
    Aber alleine schon die geistige Grundhaltung, die aus jedem seiner Sätze tropft, lässt befürchten, dass hier Hopfen und Malz verloren sind.
    Um Willi zu zitieren,
    „Oder liege ich hier falsch?“.
    Ja, mein lieber Willi, und zwar völlig.

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  5. Lieber Jürgen,

    danke für Deine Artikel und den Haschtag #wirsindnichtmehr .

    Ich habe größten Respekt vor dem Mut der Menschen, die sich der braunen Welle entgegenstellen, die unser Land zu überrollen droht!

    Macht weiter so!

    Herzlich
    Robinson Reichel

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